12. April 2015, 14:33 Uhr

Eine Frau, die Whiskey spricht

Friedberg-Dorheim (har). Whiskey verbinden die meisten Liebhaber des Getreidebrands mit Schottland oder den USA, in den letzten Jahren allerdings wieder verstärkt mit Irland. Grund genug für die Friedberger Gesellschaft zur Förderung deutsch-irischer Verständigung, zu einem rein irischen Whiskey-Tasting einzuladen.
12. April 2015, 14:33 Uhr
Julia Nourney präsentiert sechs Sorten Whiskey. (Foto: Harald Schuchardt)

Die Resonanz war enorm: Schon seit Wochen waren die 24 Plätze im Gastraum des Bürgerhauses ausgebucht. Wie sich zeigte, ist Whiskey längst keine reine Männersache mehr, acht Frauen nahmen am Freitagabend an der Verkostung teil. Geleitet wurde die Veranstaltung ebenfalls von einer Frau: Julia Nourney, die vor acht Jahren vom Gourmet-Magazin »Der Feinschmecker« und der schottischen Brennerei Glenfiddich mit dem Titel »Whisky-Kenner des Jahres« ausgezeichnet wurde.

»Für mich ist das heute ein Heimspiel, sonst gondele ich ja durch die ganze Welt«, sagte die Oberurselerin, die bereits im Vorjahr mit einem »Whiskey-Länder-Vergleich« bei den Deutsch-Iren zu Gast war. »Auf dem irischen Whiskey-Markt ist ein regelrechter Hype entstanden«, erläuterte die Spirituosen-Spezialistin, die sechs »flüssige Juwelen« mitgebracht hatte.

Bis der erste Schluck genommen werden konnte, dauerte es einen Moment, da sie die sechs Sorten erst kurz vor Beginn des Tastings in die Gläser gefüllt hatte. Der Whiskey muss zunächst atmen und sich entfalten. Die Wartezeit überbrückte die selbstständige Beraterin mit vielen Geschichten rund um den Whiskey, der weltweit hergestellt wird. So ist Indien der größte Whiskey-Produzent, die größte Brennerei steht in Japan. »Das ist eine globale Angelegenheit«, meinte Nourney, die sich auch bei Grappa, Obstbrand und anderen edlen Spirituosen bestens auskennt. So wurde sie 2011 vom französischen Cognac-Büro als eine von weltweit nur 27 Personen in den begehrten Kreis der »Cognac-Educatoren« aufgenommen.

»Den irischen Whiskey kann man nur verstehen, wenn man dessen Geschichte kennt«, sagte die Whiskey-Kennerin. Die Bezeichnung stammt vom gälischen »Uisce beatha« – gesprochen »ischke baha« – ab und bedeutet »Wasser des Lebens«. Das Wissen der Fachfrau scheint unerschöpflich. »Ich spreche Whiskey«, brachte Nourney ihre Passion auf den Punkt. Nach einer guten halben Stunde ging es los mit dem Probieren. Das »Lebenswasser« wurde erst mal geschüttelt, um zu sehen, ob der Schaum schnell verschwindet. »Je mehr Schaum, desto höher ist der Alkoholgehalt«, erklärte Nourney.

»Edelnase« Okan Cümbüs

Dann wird der Whiskey angewärmt, anschauen, bewegen und riechen – mit jedem Nasenflügel getrennt – sind die nächsten Schritte. »Mit allen Sinnesorganen erfassen«, sagte die Expertin. Okan Cümbus erkannte beim »Clontarf 1014« sofort Vanille und Rostnoten, auch bei den folgenden Proben traf er immer ins Schwarze, roch Aromen wie Honig oder Heidekraut. Der erste Single Malt – diese Sorte wird aus gemälztem Getreide hergestellt – war laut Fachfrau ein »Aperitif Style Whiskey« mit »nur« 40 Prozent Alkoholgehalt.

Danach wurden Schätze kredenzt wie der 16 Jahre alte Bushmills »Three woods«, gereift in drei unterschiedlichen Fässern. Der ist leider nicht mehr zu bekommen, es war die letzte Flasche, die Nourney besaß. Den Redbreast mit stolzen 58,6 Prozent Alkoholgehalt sollte man mit Wasser verdünnen, wobei Nourney eine besondere Technik anwendet. Sie verdünnt den Whiskey im Mund: erst etwas Wasser – »aber nicht runterschlucken« – dann den Whiskey dazugeben. Beides im Mund bewegen und langsam fließen lassen. Die Teilnehmer, die zuvor eine Winzigkeit pur probiert hatten, um das Aroma zu erfassen, staunten jetzt über die milden, ja sanften Aromen des Redbreast, einem »Single Pott Still«. Er wird in kupfernen Brennblasen dreifach destilliert und im Schnitt aus 70 Prozent Rohgerste gewonnen.

Nur Julia Blatt, Pressereferentin der Deutsch-Iren schluckte nach der Probe: »Ich hatte wohl zu wenig Wasser.« Ihr zweiter Versuch war erfolgreich. Nicht fehlen darf bei einem irischen Tasting ein »Powers«, die beliebteste Marke in Irland mit 46 Prozent Alkoholgehalt. Wem der zu stark ist, der kann ihn mit zwei oder drei Tropfen Wasser aus einer Pipette verdünnen.

Zu jedem Test hatte Nourney einen Trinkspruch parat. Nach zweieinhalb Stunden endete die kurzweilige Verkostung bei Cheddar und Brot mit aufgeschlagener Butter. »Das muss wiederholt werden«, wünschten sich alle Teilnehmer. Der Schreiber dieser Zeilen überlegt, ob er sich einen »Writer’s Tears« (»Dichters Tränen«) bestellen soll. Nourney erklärte warum: »Die Tränen der irischen Poeten sollen nach Whiskey schmecken, weil sie diesen bei Schreibblockaden trinken.«

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