15. März 2015, 17:43 Uhr

Keine Ausnahmegenehmigung mehr: Müllsammler erbost

Friedberg (har) Seit Jahren säubert der Angelsportverein (ASV) Friedberg im März das Usa-Ufer. Dieser Einsatz wird aber nicht überall gerne gesehen. Nach Angaben des ASV-Vorsitzenden Wolfgang Heisig hat die NABU-Gruppe Dorheim wegen des März-Termins interveniert. Grund: Brütende Tiere würden gestört. Die Angler sind stinksauer.
15. März 2015, 17:43 Uhr
Schwerarbeit: Andreas Lemp trägt den Betonfuß zum Sammelplatz, begleitet von Sohn Tim. (Foto: Loni Schuchardt)

Sichtlich verärgert begrüßte Wolfgang Heisig am Samstag gut 30 Personen, die sich an der Usa-Säuberung beteiligten. »Dank der NABU-Gruppe wird die Aktion an diesem Termin zum letzten Mal stattfinden«, erklärte der ASV-Vorsitzende. Nach der Ankündigung in der WZ habe die Dorheimer Naturschutzgruppe die Stadt aufgefordert, das Vorhaben der Angler nicht mehr zu unterstützen.

Nach dem Deutschen Naturschutzgesetz dürften solche Aktionen zwischen März und September nicht veranstaltet werden, lautete die Begründung. Brütende Tiere müssten geschützt werden. Heisig und die anderen ASV-Mitglieder können diese Argumentation nicht nachvollziehen. »Wir haben seit Jahren eine Ausnahmegenehmigung erhalten, da im Januar und Februar Bach- und Meeresforellen in der Usa laichen. Wir sind immer im März aktiv geworden, da zu dieser Zeit kaum Vögel brüten.«

Was den ASV-Vorsitzenden besonders erzürnt: »Der NABU ist Mitglied in der Notgemeinschaft Usa. Ein Anruf bei mir hätte genügt, und ich hätte erläutert, warum der März-Termin gewählt wurde. Ich werde den NABU-Verantwortlichen bei der Versammlung der Notgemeinschaft am Mittwoch was erzählen.« Die Stadtverwaltung wolle nun keine Ausnahmegenehmigung mehr erteilen.

Nach diesen kritischen Worten vor dem Gelände des Fauerbacher Schützenvereins dankte Heisig den Vereinsmitgliedern und einigen anderen Friedbergern, darunter Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, für ihr Kommen sowie der Stadt für die noch einmal gewährte Unterstützung. Ein Kleinlaster des Bauhofs wurde ebenso kostenlos zur Verfügung gestellt wie Getränke.

Schnell waren vier Gruppen eingeteilt, die die Usa zwischen dem Gewerbegebiet Dieselstraße und der Brücke an der B 275 in Richtung Ossenheim säubern sollten. »Es sieht diesmal nicht so schlimm aus wie in den letzten Jahren« sagte Heisig, der die Usa in der Gemarkung Friedberger im Vorfeld der Aktion mit dem Rad abgefahren war.

Gefangene Amsel gerettet

Jeder Gruppe gehörte ein ASV-Mitglied in einer Wathose an, um den Müll aus dem Fluss holen zu können. Andreas Lemp und sein sieben Jahre alter Sohn Tim gehörten dem Team an, das seine Arbeit in der Dieselstraße begann. »Tim wollte unbedingt mit und helfen«, meinte der Beienheimer, der ebenso Mitglied im ASV ist wie der Schwalheimer Norbert Mühlbauer. Der schnappte mit seiner Greifzange einen weißen Schuh. »Mal sehen, ob ich auch den zweiten finde«, sagte er lachend. Meist waren es jedoch weggeworfene Flaschen, Dosen und Verpackungen, die eingesammelt wurden. Größter Fund waren etliche Meter Kabelumhüllungen. »Das sind Ummantelungen von Buntmetall, das gestohlen wurde. Die Täter haben es auf das Kupfer abgesehen, schneiden die Hülle auf und ziehen das Metall heraus«, erklärte Lemp. Der Beienheimer arbeitet als Polizist in Bergen-Enkheim und kennt sich mit dieser Art von Diebesgut aus.

Schwerstes Fundstück der fünfköpfigen Nord-Gruppe war der Betonfuß eines Sonnenschirms. Auch vier Plakatständer waren ganz in der Nähe der Usa-Brücke in der Gießener Straße einfach in die Landschaft geworfen worden. Das alles wurde zusammen mit mehreren gefüllten Müllsäcken neben der Brücke zum Abholen abgestellt.

Erfolgreich waren auch die anderen Gruppen. Ein Kinderwagen und ein ausgeschlachtetes Moped gehörten zum Abfall-Sammelsurium. Außerdem wurde ein gestohlener Führerschein entdeckt. Wolfgang Heisig erzählte von einer »Lebensrettung«. Eine Amsel hatte sich in einem weggeworfenen Zwiebelnetz verfangen. »Wir haben das Netz vorsichtig aufgeschnitten, der Vogel ist sofort davongeflogen«, berichtete der ASV-Vorsitzende beim abschließenden Imbiss.

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