26. Januar 2015, 10:43 Uhr

Helau, Helau, die Gema kommt

Wetteraukreis (sda). Let the music play – and pay: Wer bei öffentlichen Veranstaltungen Musik spielt, muss Gebühren zahlen. Sagt die Gema. Das bekommen auch die Karnevalsvereine zu spüren. Was halten die Wetterauer Narren davon? Wieso sind die Gebühren laut Gema sinnvoll? Und wer wird überhaupt zur Kasse gebeten?
26. Januar 2015, 10:43 Uhr
Trommeln für die Kreativen: 86 Prozent der Gema-Einnahmen gehen an die Urheber, sagt Gaby Schilcher von der Pressestelle. 14 Prozent Verwaltungsgebühr zieht die Verwertungsgesellschaft ein. (Foto: Nicole Merz)

Eigentlich ist es recht unkompliziert. Wer eine Faschingsfeier ausrichtet, ob Zug, Party oder Kostümsitzung, muss bei der Gema-Bezirksdirektion in Wiesbaden anrufen. Dort landet er in einer musikalischen Warteschleife. Eine Computerstimme sagt: »Denken Sie daran, auch die Musik in Ihrer Telefonwarteschleife bei der Gema anzumelden.« Vergisst man es doch einmal, der Gema Bescheid zu geben, wird es teuer. Die Strafgebühr für nicht angemeldete Veranstaltungen beträgt immerhin 100 Prozent der eigentlichen Gebühr. Das Doppelte des ursprünglichen Preises, sagt der Friedberger Anwalt Markus Fenske. Außerdem könne die Verwertungsgesellschaft rückwirkend fordern. Bekommt sie Wind von jahrelang durchgeführten, aber unangemeldeten Musikveranstaltungen, verlangt sie Nachzahlungen plus Strafgebühr. Für die Wetterauer Karnevalsvereine ein zu hohes Risiko. »Selbstverständlich zahlen wir«, sagt Klaus Kwiatkowski vom SCC Stammheim. Für den Umzug müssen die Spielmannszüge angemeldet werden, der SCC als Veranstalter übernimmt die Verantwortung. Probleme mit der Gema habe es bei den Sachsenhäusern bisher nicht gegeben. Wegen der Gema aber schon. Die Verwertungsgesellschaft ist nicht sonderlich beliebt in den Reihen der Narren. »Wenn ich das Wort Gema in den Mund nehme, sprudelt es schon.« Für viele Mitglieder sei nicht nachvollziehbar, warum gezahlt werden muss. »Für einen kleinen Verein wie uns ist das schon eine relativ hohe Belastung.«

Warum trotzdem gezahlt werden muss, erklärt Gaby Schilcher von der Pressestelle der Gema: »Das eingenommene Geld bekommen die Urheber.« Lediglich 14 Prozent kassiere die Verwertungsgesellschaft mit Sitz in München, die restlichen 86 gingen an die Kreativen. Vereine, die eine Veranstaltung mit Musik ausrichten, müssen eine Liste aller gespielten Werke einreichen, sagt Schilcher. Die könne auch im Nachgang verändert und erweitert werden, da nicht einzelne Lieder, sondern Pauschalen entrichtet werden. Das bedeutet: Egal, ob zwei oder 200 Lieder beim Kinderfasching gespielt werden, der Preis bleibt der gleiche. Worauf es ankommt, sind Saalgröße und Eintrittspreise. Bei einer 700 Quadratmeter großen Halle zum Beispiel bewegen sich die Gema-Gebühren zwischen 157 und 1114 Euro – steigend mit den Eintrittspreisen. Würde der SCC in einem 200 Quadratmeter großen Saal eine Kostümsitzung abhalten und dafür 4 Euro Eintritt verlangen, bekäme die Gema 71,76 Euro. Die Anzahl der Besucher wirke sich nicht auf die Gebühr aus. »Ausnahme ist, wenn die Veranstaltung floppt«, sagt Schilcher. Kommen statt 500 erwarteten Gäste nur fünf, erstattet die Gema zurück – der Veranstalter muss in einem solchen Fall zehn Prozent des Umsatzes zahlen. Ein Freifahrtschein zum Schummeln? Nein, sagt Schilcher. Zwar setze die Gema nur selten Kontrolleure ein, Stichproben werden aber trotzdem gemacht. »Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass unsere Kunden ehrlich sind.« Aber: Kontrolle ist besser, zum Beispiel über Zeitungsberichte – wer bei der Gema von einer gefloppten Veranstaltung spricht, in der Zeitung aber von einem proppevollen Saal schreibt, kriegt Ärger. Der lohne sich nicht, zumal einige Vereine einen Vorteil hätten: die Mitgliedschaft im Bund Deutscher Karneval.

»Können Gebühr tragen«

Pro Veranstaltung gibt es 20 Prozent Nachlass. Weitere 15 Prozent erhalten Vereine für Traditionsveranstaltungen, sagt Schilcher. »Also Kulturgut.« Bestimmte Kostümsitzungen fallen darunter, Jugend- oder Kinderdiscos hingegen nicht.

Mitglied im Bund sind auch die Narren vom KG Mörlau. Pro Veranstaltungen gibt es Nachlass, zu zahlen haben sie dennoch einiges. Im Verein wird genau darauf geachtet, dass alle gebührenpflichtigen Termine von der Gema lizenziert sind, sagt Alexander Trier von der KG. Dabei müssen die Mitglieder akribisch vorgehen: Nicht nur Spielmannszüge oder Boxen auf den Umzugswagen, auch die Musik, die während des Umzugs in Ober-Mörlen aus den Lautsprechern durch die Frankfurter bis zur Usinger Straße hallt, ist lizenzpflichtig. Beschweren will sich bei den KG-Narren aber niemand: Durch den Nachlass sowie Pauschalbeträge könne der Verein die Kosten stemmen. Zumindest ist die Verwertungsgesellschaft kein Grund, Veranstaltungen infrage zu stellen, sagt Trier. »Im Endeffekt ist die Gebühr nicht so hoch, dass wir sie nicht tragen könnten.«

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