15. August 2013, 06:58 Uhr

Vor Gericht: Überfall auf Rewe-Filiale nur fingiert?

Florstadt/Gießen (sha). Täuschten beide Angeklagten einen Überfall auf die Rewe-Filiale in Nieder-Florstadt nur vor, oder sind beide tatsächlich Opfer »komischer Indizien«, wie der ältere der beiden Männer es formulierte? Mit dieser Frage befasst sich eine Berufungskammer des Gießener Landgerichts.
15. August 2013, 06:58 Uhr
Gut 17 000 Euro sind im Februar 2011 aus dem Rewe-Markt in Nieder-Florstadt gestohlen worden. Ob ein damals dort Angesteller damit zu tun hat, soll das Landgericht Gießen klären. (Foto: nol)

Die Aufzeichnungen einer Überwachungskamera zeigen zwei Vermummte, die sich am frühen Morgen des 21. Februar 2011 an den Kassen vorbei zum Tresorraum und wieder zurück bewegen. Ob es die beiden Angeklagten waren, die dabei gut 17 000 Euro erbeuteten, muss an den kommenden Verhandlungstagen geprüft werden.

Für das Amtsgericht in Friedberg war die Beweislage eindeutig: Am 23. Mai vergangenen Jahres wurden die beiden 50 und 24 Jahre alten Männer wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu Bewährungsstrafen von je acht Monaten verurteilt. Der jüngere Angeklagte, der zur Tatzeit in der Supermarktfiliale beschäftigt war, hatte sich nach Auffassung des Gerichts außerdem des Vortäuschens einer Straftat schuldig gemacht. Er hatte gegen kurz nach fünf Uhr morgens bei der Polizei den »Überfall« gemeldet. Gegen dieses Urteil hatten die beiden in der Wetterau lebenden Männer Berufung eingelegt.

»Geld stammt von Partys«

Er habe »mit der Sache gar nichts zu tun«, sagte der 50-jährige Gastwirt. Die bei einer Durchsuchung in seinem Haus am 16. März 2011 gefundenen Bargeldbeträge sowie Bareinzahlungen auf seine Konten – in der Summe über 10 000 Euro – hätten einen ganz anderen Ursprung: Die Gelder stammten von Musikpartys, die er in seiner Gastwirtschaft organisiere, beteuerte der Mann. Dabei räumte er sogar ein, »nicht alles« beim Finanzamt angegeben zu haben. Zwar sei der jüngere Mitangeklagte ein Bekannter von ihm, der auch immer wieder die Partys besucht habe. Eine gemeinsame Tatplanung, wie im erstinstanzlichen Urteil angenommen, habe es aber genauso wenig gegeben wie den Überfall selbst.

Der 24-Jährige äußerte sich am Donnerstag nicht zu den Vorwürfen. Ein als Zeuge geladener Polizist berichtete aber, was der gelernte Einzelhandelskaufmann in den Vernehmungen geschildert hatte. Demnach habe der Angeklagte um 5.07 Uhr die Eingangstür des Ladens aufgeschlossen und dann plötzlich etwas im Rücken gespürt. Ein vermummter Unbekannter soll ihn mit einem Messer bedroht, in den Laden gedrängt und zum Tresorraum dirigiert haben. Dort habe er dem Täter drei Geldtaschen ausgehändigt.

Wie der Kriminalbeamte weiter angab, habe der Angeklagte dann noch beobachtet, wie der Unbekannte in einem roten Kleinwagen geflüchtet sei. Andere Zeugen hatten von einer dunklen Limousine berichtet, vermutlich ein BMW oder ein Mercedes.

So ein dunkles Auto besitzt der ältere Angeklagte. Allerdings habe er seinen Pkw damals an einen Freund ausgeliehen, der mit dem Auto in Frankfurt gewesen sei, sagte der 50-Jährige. Eine andere Rewe-Angestellte will den Gastwirt jedoch auf den Aufzeichnungen der Überwachungskamera an »Gangart und Gestalt« wiedererkannt haben. Sie habe sich die Filme mit der Polizei vor Ort angesehen. Dort hätten die Aufnahmen eine bessere Qualität gehabt als vor Gericht, sagte die 49-Jährige am Donnerstag. Sie gab an, vor einigen Jahren eine Beziehung mit dem älteren Angeklagten gehabt zu haben.

Zudem sei festgestellt worden, dass das Handy des Gastwirts kurz nach der Tat in einer Funkzelle in Florstadt eingebucht gewesen sei, informierte der Polizist die Kammer. Das läge daran, dass sein Sohn das Handy oft benutze, wandte der 50-Jährige ein. Zur fraglichen Zeit sei sein Sohn gerade in Florstadt unterwegs gewesen.

Auffällig sei schließlich auch der sehr kurze Zeitraum, innerhalb dessen die Geldübergabe abgewickelt wurde, gab der Polizist zu bedenken. Ausweislich der Überwachungskamera hätten die beiden Personen für den Gang ins Büro und den benachbarten Tresorraum und zurück nur 30 Sekunden benötigt. Dabei hätten in einer »enormen Stresssituation« zwei Türen aufgesperrt und drei Geldtaschen herausgegeben werden müssen. Dies wecke Zweifel an der Echtheit dieses »Überfalls«. Der Prozess wird fortgesetzt.

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