04. April 2008, 16:54 Uhr

Freibetrag für Ehrenamtliche eine Mogelpackung?

Florstadt (sl). In scharfer Form kritisierte der Vereinsberater der Stadt, Rolf Lutz, die im Herbst 2007 auf Bundesebene beschlossenen Maßnahmen zur Stärkung des bürgerlichen Engagements. Die Anhebung der Pauschalbeträge für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb auf 35 000 Euro und die Erhöhung der Übungsleiterpauschale auf 2100 Euro sei durchaus zu begrüßen. Wenn aber berücksichtigt werde, dass diese Beträge in den vergangenen 17 Jahren nicht mehr angehoben worden seien, falle die Anhebung mit zwölf Prozent gegenüber 1993 viel zu gering aus.
04. April 2008, 16:54 Uhr
Unterstützen Vereine: Verwaltungsmitarbeiter Adolf Urban, WZ-Redakteurin Dagmar Bertram, Vereinsberater Rolf Lutz, Bürgermeister Herbert Unger (v. l.).

Die Einführung eines Steuerfreibetrages von 500 Euro bezeichnete Lutz sogar als »Mogelpackung«. Damit werde allen Ehrenamtlichen suggeriert, sie könnten gegenüber dem Finanzamt eine steuerliche Vergünstigung geltend machen. In Wirklichkeit könne der Freibetrag aber nur eingesetzt werden, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit zuvor schon mit Geld bezahlt worden sei.

Ein Paradox, wie Lutz betonte. »Was bringen uns anvisierte Steuerfreibeträge, wenn die bisher ehrenamtlich, das heißt kostenlos gewährte Mitarbeit im Verein nunmehr aufgrund der neuen Steuergesetze mit barem Geld bezahlt werden muss?«, fragte er rhetorisch in die Runde der Vereinsvertreter im Nieder-Florstädter Bürgerhaus. Zur tatsächlichen Stärkung des Ehrenamtes wäre es besser gewesen, einen Freibetrag ohne Bindung an tatsächlich geleistete finanzielle Entschädigungen zu beschließen.

Wenn jetzt der Gesetzgeber einen Freibetrag von 500 Euro ermögliche, signalisiere er außerdem, dass Ehrenamtliche auch Anspruch auf ein Entgelt haben können. Paradoxerweise bedeute dies für den Verein, dass eine Aufwandsentschädigung verlangt werden kann. Dies werde aber nach dem Inhalt der meisten Satzungen ausgeschlossen. Die Satzung zu ändern, könne fatale Folgen haben, warnte Lutz. Soviel Geld könne der Verein gar nicht aufbringen, um den Aufwand der Ehrenamtlichen zu finanzieren. Im übrigen setze der Gesetzgeber voraus, dass Entschädigungen nur dann gezahlt werden, wenn der Verein finanziell dazu auch in der Lage ist.
Wertvolle Tipps gab's auch zum Thema Spenden. Lutz forderte die Vereine auf, die gesetzlichen Regeln einzuhalten,
Zuwendungsbescheinigungen korrekt auszufüllen, eine Spendenliste zu führen und Spenden nur für den gemeinnützig anerkannten Zweck einzusetzen. Zwischen Geld-, Sach- und Aufwandsspende sei deutlich zu unterscheiden. Bei falsch ausgestellte Bescheinigungen hafte der Verein dem Finanzamt gegenüber mit 30 Prozent.
Neben »Neuem von der Steuerfront« wurden die Themen »Wie kommt mein Verein in die Zeitung?«, Aufbau eines Vereinsarchivs, Möglichkeiten der Vereine in Ganztagsschulen, Versicherungsfragen und Fortbildungschancen behandelt. Erfreut zeigte sich Lutz darüber, dass WZ-Redakteurin Dagmar Bertram sich bereit erklärt hatte, Tipps für die Pressearbeit zu vermitteln. Routiniert und anschaulich behandelte sie die wichtigen Fragen, welche Themenschwerpunkte behandelt werden sollten, wie eine Pressemitteilung auszusehen hat und welche technischen Aspekte zu beachten sind. Sie unterstrich den Willen der Redaktion, mit den Vereinen konstruktiv zusammenzuarbeiten und empfahl, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Das Angebot, bald einen Workshop zum Verfassen von Pressemitteilungen im Rahmen der Vereinsberatung zu veranstalten, wurde dankbar angenommen.

Auf Wunsch eines Vereins wurde die Thematik Versicherung erneut behandelt. Ausgangspunkt war die Frage, ob bei internationalen Begegnungen in Deutschland die ausländischen Gäste versichert seien. »Nein«, wusste Lutz. Er riet, eine Zusatzversicherung abzuschließen.

Im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen der Vereinsberatung waren diesmal nur 20 Vertreter gekommen. Lutz und Bürgermeister Herbert Unger wünschten sich fürs nächste Mal einen besseren Besuch. Denn die Vielfalt der angesprochenen aktuellen Themen hat wieder gezeigt, dass die Vereine gut beraten sind, dieses Angebot als beispielhafte Info-Quelle zu nutzen. (Foto: sl)



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