27. April 2015, 19:43 Uhr

Klotzig, kräftig, Mammut

Florstadt (vpf). Friedel Münch ist eine Legende. 1966 wurde der erste Prototyp eines Motorrads verkauft, das die Welt so noch nicht gesehen hatte – konstruiert hatte es Münch. Wie viele Motorräder nach den Entwürfen des Florstädters gebaut worden sind, ist nicht bekannt, das ist Teil des Mythos’ Münch.
27. April 2015, 19:43 Uhr
Unvergessen – ein Bild zeigt Friedel Münch in den letzten Jahren seines Lebens, davor eines seiner Bikes. (Foto: Valerie Pfitzner)

Mythos »Münch Mammut« war auch die Veranstaltung überschrieben, mit der die Stadt dem großen Erfinder ein Jahr nach dessen Tod gedachte. Der Saalbau Lux stand am Wochenende ganz im Zeichen Münchs.

»Gelernt zu schrauben hat mein Vater in der Firma seines Vaters«, sagte Manfred Münch, der Sohn von Friedel Münch. Stolz führte er durch die Ausstellung. Alle wichtigen Stationen im Lebens seines Vaters waren mit Bildern illustriert. Begonnen habe der Mythos um die wuchtigen Motorräder nur rund 500 Meter entfernt vom Saal Lux. »Dort hatte mein Vater die Idee für die Mammut Motorräder«, sagte Münch. Dort habe er geschraubt und gefeilt, um schließlich 1966 der Presse den ersten Prototyp zu präsentieren – eine Sensation. »So ’nen Klotz, das gab’s vorher nicht«, von allen Big Bikes sei Münchs Modell das erste weltweit gewesen. »Klotzig, kräftig, Mammut«, beschrieb der Sohn den Spitznamen der Münch-Bikes. Aber nicht nur die Optik, auch die Leistung des Motorrads sei revolutionär gewesen: »So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen.«

Drei Konkurse und 150 PS

Vom ersten Prototyp konnten die Besucher im Saal Lux nur Bilder bestaunen, das legendäre Motorrad selbst ist längst verschwunden. »Ein französischer Rennfahrer hatte es gekauft, seitdem ist es nicht mehr auffindbar.« Dafür gab es vor Ort jede Menge andere Motorräder zu sehen. Manfred Münch präsentierte ein Modell der Titan-Serie: »Das Motorrad wurde 1976 gebaut und hat 150 PS.«

Zeitweise war die Ausstellung so gut besucht, dass man sich fast anstellen musste, um einen Blick auf die Big Bikes zu erhaschen. Münch: »Auf der Straße sieht man so gut wie keine mehr.«

Immer wieder zog Friedel Münch mit seiner Produktionsstätte um – von Nieder-Florstadt über Erbstadt und nach Altenstadt. Die Leidenschaft stand dabei immer im Vordergrund, Wirtschaftlichkeit war nie das Ziel des Motorradkonstrukteurs. »Mein Vater hat drei Konkurse mitgemacht, aber davon hat er sich nicht beirren lassen, er hat immer wieder von neuem angefangen.«

Diese Ruhe strahlt er auch aus: Auf den Bildern, die es zu sehen gab, wirkt er konzentriert, nie versucht er, sich in den Vordergrund zu drängen. Am Glücklichsten wirkt Münch auf den Bildern, die ihn auf dem Rücken seiner Maschinen zeigen. Auch dann, wenn er, wie die Bildunterschrift eines der späteren Fotos sagt, »nicht mehr ganz die Idealfigur« hat. Das letzte Bild, auf dem er beim Fahren zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1988. Drei Jahre später erlitt er einen Schlaganfall. »Aber auch das konnte ihn nicht aufhalten«, sagte Sohn Manfred. Zwar sei sein Vater von diesem Zeitpunkt an auf Hilfe angewiesen gewesen, dennoch habe er noch einmal losgelegt und ein neues Modell, die Münch Mammut 2000, konstruiert.

»Unvergessen« lautet der Schriftzug auf seiner letzten Ruhestätte. Nein, vergessen hatte Friedel Münch von den Anwesenden im Saal Lux niemand, im Gegenteil: Nieder-Florstadt feierte das Leben und Wirken des großen Tüftlers. »Man spürt, dass allen hier das Andenken an meinen Vater am Herzen liegt«, sagte sein Sohn Manfred Münch gerührt. Gestern jährte sich der Todestag seines Vaters. (Fotos: vpf)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos