14. April 2015, 17:43 Uhr

Die Honey Twins spielen alles, nur kein Cha-Cha-Cha

Florstadt (jw). Neulich bekam Renate Ganz-Bopp eine E-Mail aus dem Ruhrpott. Ein Musikfan erinnerte sich an den Song »... nur ein Küsschen« der Honey Twins, eine Adaption des Everly-Brothers-Hits »Till I kissed you«, der sich vier Wochen lang in den deutschen Charts hielt. »Seid Ihr das?«, wollte der Fan wissen.
14. April 2015, 17:43 Uhr
Weißt du noch? Wenn die Honey Twins in Fotoalben und Koffern voller Zeitungsausschnitten wühlen, kommen Erinnerungen an alte Tage hoch. (Foto: Wagner)

Nun ja, der Charterfolg datiert auf Anfang 1960, da waren Renate Ganz-Bopp und Gerry Reutzel noch gar nicht geboren. Aber die beiden Musiker, die als Honey Twins in der Wetterauer und weit darüber hinaus bekannt sind, spielen nun schon seit 25 Jahren in verschiedenen Bands zusammen. Das wird gefeiert, am Samstag steigt im Saal Lux in Florstadt das große Jubiläumskonzert. Viele Gäste haben sich angesagt, jede Menge Musik wird zu hören sein. Darunter natürlich auch »... nur ein Küsschen« von den anderen Honey Twins.

Für die WZ haben die beiden in alten Fotoalben geblättert und sich an ihre Anfänge erinnert. Zum Beispiel an die Band Magnum Force des heutigen Florstädter Bürgermeisters Herbert »Gitarrengott« Unger, mit der 1990 alles anfing. Magnum Force tourte durch US-Clubs, trat als Vorgruppe von Jule Neigel, Karat, den Rodgau Monotones oder von Udo Lindenberg auf. Der war im Mai 1990 zu Gast im Bad Nauheimer Eisstadion. Vom Sound der Vorband war Lindenberg begeistert, bat gar, sie sollten ihm ein Tape zuschicken. »Udo, 2000 Hamburg, das kommt an. « Noch viel mehr schienen ihn aber zwei Begleiterinnen von Magnum Force zu interessieren. Als er mit Schlapphut und Bademantel aus der eigens für ihn vorgeheizten Dusche kam, lud er eine der jungen Frauen zum Nachspiel ein: »Ich geh’ ins Plaza, leg’ mich ab. Wenn du Lust hast, kannste mitkommen«, soll er gesagt haben. Die Dame winkte ab, doch das machte nichts. Lindenberg wandte sich der zweiten jungen Frau zu und meinte lapidar: »Und du?« Prompt bekam er den zweiten Korb.

Nach der Auflösung von Magnum Force spielten Ganz-Bopp und Reutzel in der Tanzband Midnight Express, danach gründeten sie mit weiteren Musikern das Rock’n’Roll-Projekt Gerry and the Rockets. Reutzel erinnert sich an einen Auftritt bei einem Reiterball »irgendwo bei Dietzenbach«. »Die wollen mal was anderes hören«, hatte es geheißen. Reutzel war misstrauisch. »Wir waren ja eine Rock’n’Roll-Band.« Das fiel den Gästen des Balls auch irgendwann auf. Die wollten Cha-Cha-Cha, Foxtrott und Walzer tanzen, aber das konnte die Band nicht. »Der Veranstalter maulte, er wolle die nächste halbe Stunde definitiv keinen Rock’n’Roll mehr hören. Den Rest des Abends wurden wir mit Nichtbeachtung gestraft.«

1200 Songs auf Lager

Wölfersheim Live, der Gospelchor Swinging Tones, die Gospel-Explosion in der Friedberger Stadthalle, die After Hour Blues Connection, Van Helsings Four mit »Schock’n’Roll« bei »Friedberg gruselt« und die Honey Twins als Trio oder Quartett – in vielen Formationen traten die beiden schon auf, und es soll tatsächlich noch Musiker in der Wetterau geben, mit denen sie noch nicht auf einer Bühne standen. Dabei ist ihr Erfolgsrezept einfach: »Wenn die Leute merken, dass du Freude an der Musik hast, kommt das auch an«, sagt Ganz-Bopp. Dann holt sie, wie beim Brunnenfest des VfB Friedberg, einen spontan zusammengestellten Chor auf die Bühne und der Burghof bebt.

Das Motto der Honey Twins lautet in aller Bescheidenheit: »Best songs ever written & best music ever played«. Die Honey Twins sind eine Coverband mit Minimalbesetzung: Gesang und Klavier- oder Keyboardbegleitung reichen, um mit Rock’n’Roll, Gospel, Soul, Rock und Pop das Publikum mitzureißen. Dabei ist der Erfolg der beiden nicht nur der umwerfenden Stimme von Ganz-Bopp und dem exzellenten Tastenspiel von Reutzel zu verdanken. Entscheidend sei die Herangehensweise an die Songs. »Wir sind sehr experimentierfreudig, interpretieren die Songs sehr frei. Am Ende sind es eigene Lieder«, sagen die beiden. Gut 1200 Songs können sie ad hoc abrufen, 70 Termine absolvieren sie im Jahr, nebenberuflich. Ganz-Bopp, gelernte Köchin und als Sängerin Autodidaktin, ist Sekretärin im Haus Friedberg der Evangelischen Kirche und gibt nebenbei Gesangsunterricht. Reutzel ist Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik und hat einige Semester an der Frankfurter Musikwerkstatt für Jazz- und Popularmusik studiert.

Zum Jubiläumskonzert am Samstag haben sich wie vor fünf Jahren, als das 20-Jährige gefeiert wurde, viele Gäste angesagt: Thomas Gerlach, Thomas Bailly, Martin Schnur, Bernd Heinisch, Katrin Zerb und viele andere. Karten gibt es schon lange keine mehr.

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