20. März 2015, 18:13 Uhr

Öko-Pionier schließt »Buch und Natur«

Florstadt (kai). Altpapier brachte Michael Hartenstein zu seinem Beruf. Vor fast vier Jahrzehnten wurden Zeitungen und Karton noch auf Hängern und mit Traktoren zusammengetragen. »Blaue Tonnen gab es damals noch nicht.« Hartenstein ist Umweltaktivist, Öko-Pionier.
20. März 2015, 18:13 Uhr
Umweltaktivist Michael Hartenstein schließt »Buch und Natur«. 1987 hat er den Laden in Florstadt eröffnet. (kai) (Foto: Ines Dauernheim)

Dass Ressourcen einfach weggeworfen werden, wurmt ihn – früher wie heute. »Ich wollte zeigen, dass Altpapier nützlich ist.« Er eröffnete vor 35 Jahren sein erstes Lädchen, um Blöcke, Briefbögen, Hefte und vieles mehr aus Altpapier anzubieten.

1987 zog er nach Florstadt. An der Altenstädter Straße fand er ein Geschäft, in dem er sein Papier anbot. Stück für Stück vergrößerte sich das Sortiment: Naturkost, Sach- und Kinderbücher – vor allem zu Umweltthemen. Die Idee, Naturkost und Bücher in einem Laden zu verkaufen, entstand. Der Umzug in größere Räume gleich gegenüber, die ihm inzwischen gehören, folgte. Seither ist »Buch und Natur« ein Teil Florstadts. Doch damit ist in einigen Wochen vorbei.

»Florstadt hat genug Potenzial«

Die Liebe zum Detail prägt Hartensteins Wirken. Ruhig, unaufdringlich empfängt der 66-Jährige seine Kundschaft. »Ich möchte durch das Angebot überzeugen, die Werbetrommel zu rühren, ist nicht meins«, gibt er zu. Lediglich zum Ende seiner beruflichen Laufbahn als Buch- und Naturkosthändler informiert er mit Handzetteln, hat ein Hinweis-Schild an der Straße aufgestellt.

»Es hat mich überrascht, dass Sie schließen. Wo soll ich denn meine Bücher herbekommen?«, sagt ein Kunde, der seine Bestellungen bei Hartenstein aufgibt. »95 Prozent der Kundschaft kommt, um Bücher zu bestellen«, erzählt der Diplom-Handelslehrer, der in seinem erlernten Beruf nie tätig war. Seine Ideale: »Ich wollte immer da arbeiten, wo ich lebe und dort leben, wo ich arbeite.«

Das Geschäft ist sein Lebenswerk, dass er dieses Kapitel zum 30. April beendet, sei der Lauf der Dinge. Hartenstein hadert nicht mit der Situation. »Florstadt hat genug Potenzial, genug Kunden.« Die Lage seines Geschäfts, die fehlende Laufkundschaft, fehlende Parkplätze direkt vor der Tür, macht er dafür verantwortlich, dass Neukunden ausbleiben – und er in den letzten Jahren keinen Nachfolger fand. »Ich glaube nicht, dass Amazon und Co. Schuld sind, dass es für ›Buch und Natur» nicht weitergeht.«

Das Naturkostsortiment hat Hartenstein schon länger reduziert. »Seit es Bioprodukte im Supermarkt gibt, sinkt die Nachfrage.« Sobald jemand Miete zahlen müsse, rechne es sich kaum noch, einen Laden zu betreiben. Seine Maxime: »Wenn ich eine Tätigkeit habe, die mir Spaß macht und sinnvoll ist, arbeite ich lieber für 5 Euro die Stunde als für 20 Euro am Fließband zu stehen.«

Viel zu tun hat er in den nächsten Wochen: Seine Bücher-Schätze, die ein Antiquariat bilden könnten, reduzieren. An den Regalen mit Räucherstäbchen, Edelsteinen, Spielen, Strümpfen, Babykleidung, Umweltpapier sind die Rabatte notiert. Er hofft, mindestens die Hälfte des Bestands verkaufen zu können, bittet Kunden, Geschenk-Gutscheine einzulösen. Klar, dass er noch Briefpapiere und Umschläge aus seiner Anfangszeit auf Lager hat. Und dann ist da noch die Lesung mit WZ-Redakteurin Frauke Ahlers am Montag, 23. März, 19 Uhr. Sie stellt ihr neues Buch »Die Regenkinder« vor. »Ein Umweltbuch für alle Altersgruppen, denen unsere Erde am Herzen liegt.«

Ganz aus dem Berufsleben wird sich Hartenstein nicht zurückziehen: Er bietet weiterhin Seminare in bedürfnisorientierter Kommunikation an.

Schlagworte in diesem Artikel

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen