09. April 2014, 11:53 Uhr

Echzell hebt Friedhofsgebühren um bis zu 450 Prozent an

Echzell (dab). Kann man den Bürgern Steigerungen bei den Friedhofsgebühren um 300 bis 450 Prozent zumuten? Ja, waren sich die Gemeindevertreter einig, und die Debatte darüber fiel am Montag im Bürgerzentrum Bingenheim erstaunlich kurz aus.
09. April 2014, 11:53 Uhr
Ab kommendem Monat werden die Kosten für die 25-jährige Nutzung eines Reihengrabs auf 800 Euro erhöht. (Foto: DPA Deutsche Presseagentur)

Bereits im Haupt- und Finanzausschuss hatten die Abgeordneten ein 36-seitiges Manuskript von Bürgermeister Wilfried Mogk (parteilos) durchgearbeitet und die darin empfohlenen neuen Gebühren noch nach oben gerundet. Mogk hatte argumentiert, dass die Friedhofsgebühren seit 21 Jahren nicht angehoben worden seien. Außerdem verwies er auf die erneute Vorgabe der Kommunalaufsicht im sogenannten Herbsterlass, wonach Kommunen mit defizitären Haushalten die Gebühren kostendeckend zu erheben hätten. Friedhofsgebühren sind davon zwar ausgenommen, sie müssen aber mindestens so hoch sein wie der höchste Satz im Landkreis.

»In anderen Gemeinden sind die Gebühren zehnmal so hoch wie bislang in Echzell«, plädierte Ralf Winter (SPD) dafür, sich an den tatsächlichen Euro-Beträgen und nicht an der prozentualen Steigerung zu orientieren. Im Vergleich zu den Nachbarkommunen stehe man auch nach der Erhöhung gut da: In Wölfersheim koste ein Urnenreihengrab 757 Euro, in Reichelsheim 600 Euro und in Echzell ab kommendem Monat 580 Euro.

Drei Gründe sprächen für eine Erhöhung, sagte Winter: Die Bestattungskosten seien kontinuierlich gestiegen, während die Bestattungszahlen rückläufig seien und zugleich immer mehr günstige Urnengräber nachgefragt würden. Diese Entwicklung lasse sich an Zahlen festmachen: Sei im Haushalt 2013 für das Friedhofswesen noch ein Fehlbedarf von knapp 29 000 Euro ausgewiesen worden, seien es in diesem Jahr bereits über 48 000 Euro.

»Jahrzehntelang nichts gemacht«

Die SPD-Fraktion musste sich einige Seitenhiebe gefallen lassen. »Das war unser Thema seit fünf Jahren«, sagte etwa Grünen-Fraktionssprecherin Barbara Henrich, »doch die SPD-Kollegen wollten nicht ran.« Friedhofsgebühren seien ein ebenso heißes Eisen wie Kindergartengebühren, doch müsse man es anfassen, um die Finanzen in den Griff zu bekommen. CDU-Fraktionschefin Martina Schild argumentierte ähnlich: Seit 2009 sei es das gemeinsame Anliegen von Union, Grünen und FWG gewesen, die Friedhofsgebühren anzuheben. Doch sei dieses Vorhaben am damaligen Bürgermeister Dieter Müller gescheitert, der keine fundierten Zahlen vorgelegt habe. Lothar Mossmann (FWG) lobte Wilfried Mogk und dessen Verwaltungsmitarbeiter: Deren Arbeit hätte man sich schon von Müller gewünscht. Doch Müller habe mit seiner bequemen SPD-Parlamentsmehrheit »jahrzehntelang nichts gemacht«.

Die Erhöhung sei zwar schmerzhaft, sagte Mossmann, doch würden die Bürger sie verstehen. Zumal, wie Martina Schild hoffte, das zusätzliche Geld für ein gepflegteres Erscheinungsbild der Friedhöfe genutzt werde.

Die Kosten im Überblick

Um knapp 450 Prozent steigen ab Mai die Kosten für die 25-jährige Nutzung eines Reihengrabes: von 178,95 auf 800 Euro. Kostete ein Urnenreihengrab bislang ebenfalls 178,95 Euro, sind es künftig 580 Euro. Wer ein Grab aussuchen will, zahlt dafür für 30 Jahre: 1300 Euro für ein Erd- und 730 Euro für ein Urnengrab – bislang waren es jeweils 383,45 Euro. Um über 500 Prozent werden die Gebühren für die Benutzung der Trauerhalle angehoben: Statt 76,70 Euro sind demnächst 390 Euro fällig. Für das Ausheben und Schließen eines Grabes müssen die Angehörigen 970 statt 347,70 Euro zahlen.

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