24. November 2013, 16:48 Uhr

Schriftsteller Sacher-Masoch war »Gründer« des Musikvereins

Echzell (arc). Seit 120 Jahren musizieren die Mitglieder des Musikvereins in Echzell und Umgebung und sind weit über die Grenzen der Großgemeinde hinaus aus dem Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Seinen runden Geburtstag feierte der Verein mit verschiedenen Veranstaltungen, wie dem traditionellen Osterkonzert und dem Scheunenfest im Sommer.
24. November 2013, 16:48 Uhr
Hofft am 30. November in der evangelischen Kirche auf ein ebenso gelungenes Konzert wie an Ostern: der Musikverein Echzell mit Kapellmeister Andreas Heil. (Foto: Stephan)

Den Abschluss des Festjahrs bildet das Adventskonzert am Samstag, 30. November, am Vorabend des 120. Jahrestags der Vereinsgründung. Das Konzert beginnt um 17.30 Uhr in der evangelischen Kirche in Echzell, der Eintritt ist frei.

Gegründet wurde der Musikverein Echzell am 1. Dezember 1893, ermöglicht wurde dies durch eine großzügige Spende des in Lindheim lebenden Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch. Durch die Zuwendung konnten Noten und Instrumente beschafft werden, und schon bald unterhielten die Echzeller Musiker ihre Zuhörer in ihrem Heimatort, in Altenstadt und vor allem in Nidda. Nach einigen Jahren jedoch wurde der Spielbetrieb eingestellt und erst 1908 wieder aufgenommen. Der Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben erneut zum Erliegen, bevor es in den Goldenen Zwanzigern wieder aufblühte.

1933 feierte der Verein sein 40-jähriges Bestehen gemeinsam mit der Echzeller Feuerwehr. Im selben Jahr wurde Justin Hergenröther zum Dirigenten gewählt, der das musikalische Gesicht des Vereins über Jahrzehnte prägen sollte und dessen Name für viele Echzeller untrennbar mit dem Musikverein verbunden ist. Erst 1976 legte Justin Hergenröther sein Amt nieder. Bis dahin sollte der Verein eine große Entwicklung und Verwandlung hinter sich bringen.

Doch zunächst brach das Vereinsleben nach 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zusammen. Im Jahrzehnt nach dem Krieg bekam der Verein Konkurrenz durch den Spielmannszug Echzell, dieser »Größte Spielmannszug Deutschlands« hätte den Musikverein fast zum Zusammenbruch gebracht. Letztlich kam es jedoch anders, und der Spielmannszug sollte die folgenden Jahre nicht überleben, und einige junge Männer von dort fanden im Musikverein eine neue Heimat.

Bereits in den sechziger Jahren etablierte sich an der Kurt-Moosdorf-Schule der Flötenunterricht im Musikunterricht, von dem auch der Musikverein profitierte, denn viele Jugendliche griffen danach zu Instrumenten und spielten in der Jugendkapelle. Der Musikstil der 1960er Jahre veränderte auch das Repertoire des Musikvereins nachhaltig. Erster Vorsitzender wurde 1963 Herbert Fleischhauer. Im Jahr darauf lud der Musikverein zu einem großen Musikfest ein, sein 75-jähriges Bestehen sollte der Verein 1968 mit dem Bezirksmusikfest feiern. Aus den Reihen des Nachwuchses gründete sich eine erfolgreiche Tanzkapelle, die auf keiner Veranstaltung im weiten Umkreis fehlen durfte.

In den 1970er Jahren entstand die Tradition der Frühschoppenkonzerte zur Echzeller Kerb, damals noch im Saal »Schindewolf«, dem heutigen »Solmser Hof«. Auch die Tradition, an den Kurkonzerten in Bad Salzhausen teilzunehmen, entstand bereits 1980. Nach dem Bau der Horlofftalhalle stand dem Verein nun eine große Bühne mit Saal zur Verfügung, die er bis heute nutzt. Bei zahlreichen offiziellen Veranstaltungen, besonders in den Festwochen zur 1200-Jahr-Feier Echzells 1982, leisteten die Musiker viele Stunden an den Instrumenten.

1984 übernahm Helmut Noll den Vorsitz, 1987 lud der Musikverein erstmals zu seinem Osterkonzert ein. Das Festzelt zu den Kirchplatzfesten, wurde erstmals zur 1200-Jahr-Feier aufgebaut und ist heute ebenfalls zur Tradition geworden.

Zu einem der Höhepunkte im Vereinsgeschehen gehörte das Fest zum 100-jährigen Bestehen 1993, bei dem 26 Kapellen zum Freundschaftsspiel in Echzell antraten.

Neben zahlreichen Aktivitäten des Vereins gehören nicht nur die musikalischen Auftritte, sondern auch die Teilnahme an Veranstaltungen anderer Vereine. Zum Osterkonzert 2004 erhielten die Musiker die »Pro-musica-Plakette«, eine Ehrung, die an Musikvereine verliehen wird, die seit über 100 Jahren bestehen. Auch den Umbruch, der sich 2005 abzeichnete und von den Aktiven selbst tituliert wurde mit »Der Nachwuchs drängt nach vorn« hat der Verein ausgenutzt und neuen Schwung gewonnen, sodass er auch in Zukunft mit seinem bunten Repertoire zu Konzerten und zum Tanz aufspielen kann.

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