29. Oktober 2013, 19:48 Uhr

Ein »überzeugter Streiter« geht

Echzell (lk). Dieter Müller wippt mit dem Bein, Wilfried Mogk schunkelt mit dem Oberkörper, auf der Bühne verabschieden zwölf Landfrauen den einen als Bürgermeister mit einem Tanz, heißen den anderen als seinen Nachfolger gleichzeitig willkommen.
29. Oktober 2013, 19:48 Uhr
Bürgermeister Dieter Müller wird per Entlassungsurkunde »in den Ruhestand« verabschiedet. Was der 56-Jährige künftig beruflich machen will, hat er noch nicht verraten.

Zum Ende Müllers Ära als Rathauschef und zur Einführung Mogks als Gemeindevorsteher sind am Montagabend viele in die Horlofftalhalle gekommen. Müller erhält seine Entlassungsurkunde, Mogk legt den Amtseid ab, es folgen über ein Dutzend Redner, Geschenke für den gehenden und den kommenden Bürgermeister, Tänze und Gesangseinlagen, dann ist das Buffet eröffnet.

»Jetzt stehe nur noch ich zwischen Ihnen und dem Buffet«, sagte Dieter Müller zu den Gästen, während die Brennpaste unter einigen Wärmebehältern für das anschließende Buffet bereits erloschen war. Über drei Stunden hatte der vorangehende, offizielle Teil gedauert. Die beiden Hauptpersonen des Abends, der scheidende Bürgermeister Müller und sein Nachfolger Wilfried Mogk, hielten sich bei ihren Ansprachen dementsprechend kurz.

»Die 18 Jahre als Bürgermeister waren eine schöne Zeit. Sie waren aber auch anstrengend«, sagte Müller, der sich bei seiner Familie, zahlreichen Wegbegleitern und Mitarbeitern der Verwaltung für ihre Unterstützung bedankte. Seine Arbeit habe ihm Spaß gemacht, der Bauhof habe ihm, dem Bauingenieur, immer nahe gestanden. »Da wurde ja auch gebaut«, sagte Müller lachend. Es werde weiterhin Bereiche geben, in denen er sich engagieren wolle. »Zum Beispiel bei der Schule.« Sie sei in einer Größe, dass irgendwer irgendwann auf den Gedanken kommen könne, sie zu schließen. Die Gäste applaudierten, und plötzlich ist sie vorbei, die Ära Müller.

Zuvor hatte der 56-jährige Sozialdemokrat, der noch bis Donnerstag offiziell Bürgermeister der Gemeinde bleibt, während der Reden immer wieder einstecken müssen, wurde als »eigensinnig« beschrieben, als Mann, dem das Zuhören nicht immer leichtgefallen sei. Lob gab es allerdings auch. Müller wurde als Mensch charakterisiert, der »mutig« seinen Weg gegangen und »vehement für seine Überzeugungen eingetreten« sei.

»Du warst ein Mann, der immer eine klare Meinung hatte, die feste Überzeugung stand immer im Vordergrund, nicht die Flexibilität, aber das zeichnet Dich aus«, sagte Landrat Joachim Arnold über den scheidenden Bürgermeister. Holger Scharf, Vorsitzender der Gemeindevertretung, sprach von einem »überzeugten Streiter«, dem Echzell am Herzen liege, mit dem es aber nicht immer leicht gewesen sei. Zu Mogk gewandt sagte Scharf sichtlich gerührt: »Ich begrüße einen Freund und Nachbarn im Amt.«

»Die ersten Monate werden hart«

Die Redner wünschten Mogk, der per Handschlag ins Amt eingeführt und dann vereidigt worden war, viel Erfolg für seine Arbeit. Aus den Fraktionen kamen Glückwünsche zum gültig erklärten Wahlergebnis, und es wurden Hoffnungen auf eine gute Zusammenarbeit ausgesprochen.

Landrat Arnold, der dem unterlegenen Bürgermeisterkandidaten Dr. Jochen Degkwitz seinen Dank dafür aussprach, dass die Echzeller durch sein Antreten eine Wahl gehabt hätten, sagte zu Mogk: »Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen: Die ersten drei Monate werden hart.«

Karl-Christian Schelzke, geschäftsführender Direktor beim Hessischen Städte- und Gemeindebund, gab Tipps, wie Mogk mit »Querulanten« umgehen könne.

Florstadts Bürgermeister Herbert Unger, der eigentlich im Namen der Bürgermeister im Wetteraukreis hatte sprechen wollen, kam wegen der inzwischen fortgeschrittenen Stunde nicht mehr zum Zug. Er hatte zu einem Folgetermin aufbrechen müssen. Auch Liedermacher Martin Schnur musste weg, weshalb sein Auftritt kurzerhand vorgezogen wurde. »Das mit der Bürgermeisterei wird alles gut. Es bleibt alles ganz anders als es war«, scherzte Schnur. Der evangelische Pfarrer Heinz Weber gab Mogk einen Segen mit auf den Weg, wünschte ihm und Müller, sie mögen bunter Leben.

Alexander Repp, Vorsitzender des Gewerbevereins, sprach im Namen der Vereine und schenkte Müller einen Gutschein für einen Schnupper-Schweißkurs. »Damit die Langeweile nicht zu groß wird und die Frau mal mittags in Ruhe einen Kaffee trinken kann«, witzelte Repp. Gemeindebrandinspektor Jan Rudel überreichte dem 48-jährigen Mogk eine Feuerwehrjacke, die ihn künftig deutlich als Bürgermeister erkennbar machen wird.

Nachdem Hauptamtsleiterin Kerstin Zorn Mogk geraten hatte, seine Menschlichkeit zu bewahren, äußerte sich der designierte Rathauschef. »Für mich soll das Amt des Bürgermeisters nicht nur Beruf, sondern Berufung sein.« Er wolle aktiv zuhören, konstruktiv diskutieren und hoffe, dass man künftig gemeinsam gute Entscheidungen treffe.

Mogk: Wir können viel erreichen

»Wir brauchen eine freie und faire Diskussionskultur«, sagte Mogk. Es sei nicht wichtig, von welcher Partei ein Vorschlag komme, sondern nur, dass er für Echzell gut sei. »Ich kann nicht versprechen, dass unser Weg immer leicht wird. Mal geht es bergauf, mal bergab. Wichtig ist, dass wir unser Ziel dabei nicht aus den Augen verlieren. Wir können viel erreichen, wenn wir gemeinsam daran arbeiten.«

Für Musik sorgte neben Martin Schnur auch die Einheit Echzell und der Musikverein. Zuvor hatten zudem die Gemeindevertreter getagt, über den Haushaltsplan und das Haushaltssicherungskonzept für 2014 sowie über den Waldwirtschaftsplan für das kommende Geschäftsjahr gesprochen (ein ausführlicher Bericht folgt). (Fotos: lk)

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