16. September 2013, 11:53 Uhr

WZ-Podiumsdiskussion: Auch im Wahlkampf miteinander reden

Echzell (sda). Echzell soll schöner werden – darüber waren sich alle einig, die am Mittwochabend auf Einladung der Wetterauer Zeitung in die Horlofftalhalle gekommen waren. 280 Besucher hatten Platz genommen, um die Vorschläge der beiden Bürgermeisterkandidaten Dr. Jochen Degkwitz (CDU) und Wilfried Mogk (parteilos) zu hören.
16. September 2013, 11:53 Uhr
Im Gespräch über die Zukunft der Gemeinde Echzell: Die Bürgermeisterkandidaten Dr. Jochen Degkwitz (l.) und Wilfried Mogk stellen sich den Fragen von WZ-Redakteurin Dagmar Bertram. (Fotos: lk/sda)

Bei der Podiumsdiskussion mit WZ-Redakteurin Dagmar Bertram stellten die beiden ihre Pläne in Sachen Finanzen, Leben und Arbeiten in Echzell vor. Beide wollen sich für die Gemeinde einsetzen, oft sind sie sich dabei einig, reden miteinander statt gegeneinander. Doch Wahlkampf machen sie trotzdem.

In gut einer Woche werden in Echzell nicht nur der Bundestag und der Landtag, sondern auch der Nachfolger von Bürgermeister Dieter Müller (SPD) gewählt. Zwei Männer haben sich um das Amt beworben: Der 64-jährige Jochen Degkwitz zieht mit dem Motto »Damit Echzell gewinnt« in den Wahlkampf, sein Kontrahent, der 48-jährige Wilfried Mogk, wirbt mit den Worten »Der Richtige für Echzell«. Wer der Richtige ist und mit wem die Gemeinde gewinnt, galt es herauszufinden, als die Anwärter auf dem Podium Platz nahmen.

Vorstellen sollten sich die beiden, und zwar gegenseitig, forderte WZ-Redakteurin Dagmar Bertram. So stellte »der Jochen« den »Willi«, wie sie sich ansprechen, vor und umgekehrt. Degkwitz erzählte, dass »Willi seit eh und je in Echzell lebt, seit 28 Jahren in der Gemeindeverwaltung arbeitet und verheiratet ist mit der Sabine«. Die gleiche Aufgabe kam auf Mogk zu, auch er hatte einiges über »den Jochen« zu berichten: »Er ist in dritter Ehe verheiratet, war im asiatischen Raum tätig und hat, als er hierher gezogen ist, eine alte Hofreite erworben, die er mit viel Engagement und Geschick renoviert hat.«

Um Geschick und Engagement ging es auch im weiteren Verlauf des Abends, vom Persönlichen wechselte es ins Politische: Wirtschaft war der erste Diskussionsblock, ein Thema, zu dem beide Kandidaten einiges zu sagen hatten, Zahlen vorstellten und konkrete Pläne zur Sprache brachten. Schnell standen die Hauptziele der beiden im Raum. Degkwitz sehe seinen Arbeitsauftrag als Bürgermeister darin, weitere Unternehmen nach Echzell zu holen und Arbeitsplätze zu schaffen. Nur auf diesem Wege könne die Gemeinde attraktiv für junge Menschen werden, dazu zähle er auch Dienstleister, etwa Ärzte oder Rechtsanwälte. Gerade in jungen Familien sei es oft so, dass ein Partner zur Arbeit pendele. »Aber wenn die Familie Kinder hat, können nicht beide pendeln. Daher brauchen wir Arbeitsplätze vor Ort.« Auch Mogk sprach sich für eine Förderung des heimischen Gewerbes aus. Sein Credo, das sich im weiteren Verlauf des Abends durch seine Argumentation ziehen sollte: Die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen. So sei etwa ein enger Kontakt mit heimischen Handwerksbetrieben nötig, um sich regelmäßig auszutauschen. Eine Möglichkeit, sagte er, sei die regionale Zusammenarbeit mit anderen Kommunen. Etwa bei der Gewerbemesse könne man »was zusammen auf die Beine bringen«.

Woher das Geld nehmen?

Für beide Kandidaten auch ein Thema ist der Flächennutzungsplan. Nur wenige Freiflächen stünden in Echzell zur Verfügung, darüber sind sich beide einig. »Es gibt keine neuen Gewerbeflächen. Was wir haben, müssen wir fördern«, sagte Mogk. Degkwitz sehe »den dringenden Bedarf«, alte Hofreiten nutzbar zu machen, auch für Gewerbe. Mogk stimmte zu, Berater ins Rathaus zu holen, den Leerstand zu erfassen – all das seien Aufgaben, die es anzugehen gelte.

Dass guten Ideen Geld brauchen, und wie das in der derzeitigen Situation zu bekommen sei, war eine weitere Frage an die beiden Aspiranten. Echzell stehe im kommunalen Vergleich gut da, sei nicht unter dem kommunalen Rettungsschirm, diese Selbstbestimmung beizubehalten, gelte es auch weiterhin anzustreben, äußerte Mogk. Degkwitz sagte: »Ja, wir sind nicht hoch verschuldet, aber unsere Schulden liegen in den kaputten Straßen, in den nicht bepflanzten Blumenkübeln.« Probleme, die bewältigt werden müssten, bevor etwas Neues in Angriff genommen werde. Er betonte, es sei wichtig, die Bilanzen offenzulegen, mit transparenten Zahlen zu arbeiten.

Konkrete Vorschläge für Einsparmöglichkeiten legte keiner der beiden vor. Während Mogk auf freiwillige Leistungen verwies, sprach sich Degkwitz dafür aus, die Pflichtausgaben zu senken. Mogk antwortete mit einem Verweis auf sein Amt in der Verwaltung. Täglich liefen Rechnungen über seinen Tisch, zwar gebe es an der einen oder anderen Stelle Möglichkeiten zum Sparen, dennoch: »Ich würde da keine zu großen Erwartungen dran hängen.« Und bei der Steuer? »Ja, ich gebe zu, da wäre noch Luft. Aber das kann es ja auch nicht sein«, antwortete Mogk.

Mit der Frage der Finanzen verbunden, ist die Gestaltung des Lebens in Echzell. Wie soll es gelingen, einerseits auf Geld zu achten, andererseits die Gemeinde zu fördern, sie als lebenswerten Wohnort zu erhalten? Sollen die Bürger mit anpacken?, fragte Diskussionsleiterin Bertram. »Wir müssen näher zusammenrücken«, sagte Mogk. »Mehr miteinander leben, das macht die Dorfgemeinschaft aus.« Mit wenig Aufwand könne einiges bewerkstelligt werden. Er stelle sich etwa Patenschaften für Spielgeräte auf den Spielplätzen vor, Familien streichen oder reparieren einzelne Teile. »Wir müssen peu à peu an einem schönen Dorfbild arbeiten. Ich freue mich drauf, es macht Spaß, wenn man was gemeinsam tut« – waren Aussagen, für die Mogk Applaus kassierte. Auch Degkwitz sprach sich für die Verschönerung des Ortes aus. Familien, die mit ihren Kindern auf den Spielplatz nach Blofeld fahren, Friedhofsmauern, die aussähen, als stünden sie in Pompeji – das könne nicht so weitergehen. »Das sind Dinge, die mit einem Betrag unter 10 000 Euro zu leisten sind.« Auch die Themen Senioren und Jugendliche standen auf dem Programm. Für Degkwitz ein Punkt, um an seine Idee, mehr Ärzte in die Gemeinde zu holen, anzuknüpfen. Applaus gab’s für seinen Vorschlag, die alte Apotheke im Ortskern, die der Kommune gehört, zu einer Gemeinschaftspraxis umbauen, »sie mit Leben zu füllen«. Zudem gebe es großen Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit: Viele Bürgersteige seien nicht mit Rollatoren oder Rollstühlen zu befahren. Kandidat Mogk führte seine Gemeinschaftsidee weiter: Ehrenamtliche Unterstützung für Senioren, Austausch zwischen Rentnern oder die Errichtung eines Betreuten Wohnens. Auch könne er sich eine Zusammenarbeit mit der Lebensgemeinschaft Bingenheim vorstellen.

Zum Thema »Leben in Echzell« gehören auch die »braunen Schatten aus der Wiesengasse«, sprach Moderatorin Bertram ein kritisches Thema an. Ein Anlass für beide Kandidaten, um sich lobend für das Engagement im Ort auszusprechen, etwa die »Grätsche« oder das Mahnmal des Arbeitskreises »Jüdisches Leben«, das an die 60 ermordeten Juden der Gemeinde erinnert – Initiativen, die Echzell auszeichnen.

Gute Dorfstruktur

Dass die 5750 Einwohner starke Gemeinde ein lebenswerter Ort ist, darüber herrschte Einigkeit, doch warum? Was zeichnet die Gemeinde aus? »Wir leben hier in einer sehr schönen Umgebung mit Wald und Ried«, sagte Degkwitz, »wir haben eine heitere und gesunde Dorfstruktur und ein gutes Vereinsleben mit tollen Freizeitangeboten. Ich habe mich vor 25 Jahren bewusst für Echzell entschieden und es nie bereut!« Kontrahent Mogk, ein »Ur-Echzeller«, wie er sich nennt, stimmte zu. Überhaupt sei es von Vorteil, dass er schon sein ganzes Leben in der Gemeinde verbringe, wie er in seinen abschließenden Worten vorbrachte: »Ich kenne die Dorfgemeinschaft, weiß, wie sie tickt. Ich bin hilfsbereit und habe ein offenes Ohr für die Bürger.« Seine langjährige Tätigkeit in der Verwaltung helfe enorm, um zum »Gestalter« zu werden. Degkwitz lobte das Potenzial der Gemeinde. »Echzell ist attraktiv. Wir müssen uns am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen. Wir haben so viel Kreativität hier. In den Vereinen, in der Kommune.«

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