30. August 2013, 12:58 Uhr

Degkwitz: Schuldzuweisungen bringen nichts

Echzell-Gettenau (arc). Auffallend viele junge Menschen waren zum dritten und vorerst letzten Bürgergespräch gekommen, zu dem CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Jochen Degkwitz unter dem Motto »Echzell braucht zukunftsfähige Konzepte« eingeladen hatte.
30. August 2013, 12:58 Uhr
Beantworten die Fragen der Besucher (v. l.): Architekt Leon Gierhardt, CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Jochen Degkwitz und Sebastian Tinz vom CDU-Vorstand. (Foto: arc)

Im Saal des »Sterns« griff er erneut das Thema auf, in dem er die größte und wichtigste Aufgabe für die Kommune in den kommenden Jahren sieht: Die Folgen des demografischen Wandels abmildern, um Echzell weiterhin zu einer attraktiven Gemeinde zu machen.

Degkwitz betonte, dass ein Schwund an Einwohnern auch ein Schwund an Geld in der Gemeindekasse bedeute, was eine Spirale in Gang setze, die sich nur schwer durchbrechen lasse. Da Echzell nicht mehr zum offiziellen, wachstumsreichen Speckgürtel des Rhein-Main-Gebietes zähle, wie die Nachbarkommunen Wölfersheim und Reichelsheim, schränke das die Entwicklungen in den Ortsteilen stark ein. Eingekeilt von Naturschutzgebieten und Denkmalschutz blieben keine Wachstumsmöglichkeiten nach außen, mit Ausnahme des Baugebiets Heinrichswiese in Echzell. Da jedoch in den alten Ortskernen immer mehr Leerstände zu beklagen seien, vor allem viele ehemalige landwirtschaftliche Gebäude leerstünden, seien die Einschränkung an den Ortsrändern nicht als Nachteil zu sehen. Die Infrastruktur in Echzell sei für 6000 Einwohner ausgelegt, die der Ort heute nicht habe. Deshalb sei es wirtschaftlich sinnlos, an den Ortsrändern in neue Infrastruktur zu investieren, wenn die bereits vorhandene nicht genutzt werde.

»Stillstand beenden«

Was in den letzten Jahrzehnten von den Bürgermeistern Karl-Heinz und Dieter Müller versäumt oder falsch entschieden worden sei, sei egal, sagte Degkwitz. Man habe die heutige Ist-Situation, von der aus man starten müsse. Schuldzuweisungen brächten niemanden weiter. Wichtig sei nur, dass man jetzt die nötigen Entscheidungen treffe und die Zeit des Stillstands beende.

Wie sich die Lösungsvorschläge mit dem Machbaren vertragen, sollte ein Vortrag von Architekt Leon Gierhardt aus Nidda zeigen. Gleich zu Beginn berichtete Gierhardt, dass die Immobilien-Angebote in Echzell am Markt vorgingen. Gesucht würden kleine Wohnungen und Geschäftsräume zur Miete sowie Einfamilienhäuser. Das alles sei in Echzell derzeit nicht zu finden, die Wohnungen seien meist größer, Geschäftsräume stünden so gut wie gar nicht zur Miete. Gierhardt machte auch die Einschränkung, dass es die, von städtischen Auswanderern geforderten »gut erhaltenen, günstigen Fachwerkhäusern, an denen nichts mehr zu machen ist« nicht nur in Echzell nicht gäbe. Es gäbe sich schlicht gar nicht.

An Beispielen anderer Sanierungs- und Umbauprojekte im Wetterau- und Vogelsbergkreis, die er begleitet habe, zeigte Gierhardt Möglichkeiten der Wertsteigerung und Erhaltung auf. Doch manchmal sei auch ein Abriss nötig, das sehe auch die Denkmalschutzbehörde inzwischen immer öfter. Gierhardt berichtete über Möglichkeiten, Zuschüsse zu erhalten und Gebäude derart umzubauen, dass sie auch über Jahrzehnte hinweg als Mietobjekt nutzbar blieben.

Die Idee des Bürgermeisterkandidaten: Wohnhöfe in alten landwirtschaftlichen Hofreiten als Mehrfamilien-Domizil nutzen, kleinen Geschäftsräumen zu Miete anbieten, und so den Verfall der Ortskerne und die sinkenden Einwohnerzahlen stoppen sowie die Nachfrage nach Immobilien decken. Wichtig dabei sei auch, an alte Menschen zu denken. Denn durch den demografischen Wandel würden auch mehr Senioren in der Gemeinde leben. Echzell müsse für Jung und Alt lebenswert bleiben.

Die Diskussion mit den Anwesenden wurde streckenweise zum Selbstläufer. Junge Menschen trugen vor, wie sie sich die Unterstützung durch die Kommune vorstellten. Angefangen von einer effektiven Grundstücksvermittlung über Unterstützung bei der Umsetzung von Bauvorhaben und Beantragung von Zuschüssen. Vorschläge, mit denen man bei Degkwitz offene Türen einzurennen schien, hatte er doch schon beim ersten Bürgergespräch Ähnliches vorgetragen.

Auf die Frage, was geschehe, wenn der Eigentümer einer Hofreite seine Scheune nicht umbauen wolle, entgegnete der Bürgermeisterkandidat: »Dann muss man ihn lassen.« Man könne nur Angebote und Möglichkeiten aufzeigen, zwingen könne und wolle man niemanden zu etwas.

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