05. April 2010, 19:08 Uhr

Echzells Louis Armstrong heißt Kerstin Appel

Echzell (arc). Das Thema »Musik & Zeit« sollte der rote Faden durch das 21. Osterkonzert des Musikvereins in der Horlofftalhalle werden. »Wir bringen die Musik mit und Sie sicher ganz viel Zeit«, begrüßte Stephanie Winter das Publikum.
05. April 2010, 19:08 Uhr
Das Jugendorchester des Musikvereins eröffnet das Osterkonzert.

Echzell (arc). Das Thema »Musik & Zeit« sollte der rote Faden durch das 21. Osterkonzert des Musikvereins in der Horlofftalhalle werden. »Wir bringen die Musik mit und Sie sicher ganz viel Zeit«, begrüßte Stephanie Winter das Publikum. Das Jugendorchester eröffnete den Konzertabend unter Leitung von Beate Fleischer mit dem irischen Volkslied »Londonderry Air«. Auch bekannt unter den Titeln »Danny Boy« oder »Would God« hat es den Sprung in die Unterhaltungsmusik geschafft und taucht dort seit Jahrzehnten immer wieder in neuen Versionen auf. Mit der bekannten Fernsehmelodie »You never walk alone« fuhr die Jugend fort. Vom Fernsehen sprang das Orchester auf die Kinoleinwand und schloss seine Darbietung mit dem »The Raider March« aus »Indiana Jones« ab. Durch das Programm des Jugendorchesters führten Marie-Luise Fleischer, Inga Reitz und Theresa Römer.

Die heimliche englische Nationalhymne, »Land of Hope and Glory«, war ursprünglich kein eigenständiges Lied, sondern der Mittelteil des 1901 uraufgeführten Marsches »Pomp and Circumstance No. 1« von Edward Elgar. Das Echzeller Stammorchester spielte den Marsch komplett, mitsamt dem ruppigen, lauten Anfangs- und Schlussteil. Dadurch wurde der Kontrast zum getragenen Mittelteil, bei dem meist die Queen über den Teppich schreitet, herausgearbeitet. Kapellmeister Andreas Heil ließ diesen Teil etwas schneller als gewohnt spielen. Da musste sich die Queen eben etwas sputen, was dem bekannten Stück jedoch einen frischen Glanz verlieh und gut ins Gesamtwerk passte.

Der holländische Komponist Kees Vlak schrieb mit seiner »New York Ouverture« eine Hommage an die Stadt der Wolkenkratzer und an die großen amerikanischen Komponisten. So klangen zwischen einem Spaziergang am Hudson River, einem Besuch in der St. Patrick’s Cathedral, einer Pause im Central Park oder einem Abstecher in Harlem immer wieder Motive aus Bernsteins »Westside Story« oder Gershwins »Ein Amerikaner in Paris« durch. Passend zum Motto des Konzerts »Musik & Zeit« mussten die Solo-Klarinettisten Johanna Backes und Jim Knott bei ihrem Stück »Clarinet Candy« von Leroy Anderson furchtbar auf ihre Zählzeiten achten. Das schwungvoll verspielte Stück erforderte flinke Finger, was bei einem Vortrag zu zweit gutes Zusammenspiel verlangt, um nicht verwaschen zu klingen. Der tosende Applaus belohnte die Solisten für das gekonnte Zusammenspiel.

Mit dem Medley »The Best of Neil Diamond« entführte das Orchester das Publikum in die moderne Unterhaltungsmusik. Danach sprangen die Musiker wieder zurück und landeten in den Goldenen Zwanzigern mit Kurt Weills »Mackie Messer« zu Brechts »Dreigroschenoper«. Als »Mack the Knife« schaffte das Werk schnell den Sprung über den großen Teich und wurde dort zum Jazz-Standard. Spätestens seit Louis Armstrong es 1956 sang und dazu Trompete spielte, war es ein Evergreen. Der »Louis Armstrong« in Echzell hieß Kerstin Appel, die mit einer Solo-Einlage viel Applaus erntete. Die ausladende Big Band-Version des Klassikers hatte nur wenig gemein mit der Moritat eines Bänkelsängers im Original, sorgte jedoch für Stimmung in der Horlofftalhalle. Mit dem Potpourri »Hits International« zogen die Echzeller vor der Pause eine Runde durch die Unterhaltungsmusik der 30er bis 50er Jahre mit Stücken wie »Cabaret«, »Bad, bad Leroy Brown« oder »New York, New York«.

Nach der Pause war das monumentale »Also sprach Zarathustra« von Strauß die passende Eröffnung für den »King«. In »A Tribute to Elvis« erklangen vor allem die Balladen des Sängers. Auch wenn das Liebeslied »Can’t help fallin’ in love« vielleicht ein wenig zu kraftvoll gespielt war, überzeugte das Medley. Vom »Wilden Westen« wechselte das Programm zum »Wilden Osten«. Hans Kolditz’ Zusammenstellung russischer Melodien wie »Das Lied der Taiga«, »Kalinka« oder der »Schiwago-Melodie« brachten ein bisschen Wehmut nach Echzell, die am Ende des Stücks weggewischt wurde vom wilden »Säbeltanz«, der den Puls schneller schlagen ließ.

Die bekannten Melodien aus Russland waren gleichzeitig eine leichte Überleitung zur volkstümlichen Musik. Mit dem »Falkenauer Marsch« von Ernst Mosch stieg das Orchester in die traditionelle Blasmusik ein. Die bekannte Melodie der Herz-Schmerz-Polka von Vaclav Blaha regte zum Mitklatschen an, und wer im Publikum den Text konnte, unterstützte leise die zwei Sänger des Musikvereins, Uwe Reitz und Daniel Imbescheid. Das folgende Stück, »Wir sind Vollblutmusikanten«, treffe auch auf die Echzeller Musiker zu, erklärte Stephanie Winter, die mit Thomas Reitz durch Programm führte.

Am Ende seiner Zeitreise landete das Orchester mit seinen Gästen nach fast drei Stunden wieder am Beginn des 19. Jahrhunderts. Dort hatte Paul Linckes »Frau Luna« mit dem Lied »Berliner Luft« seine Premiere. Normalerweise das Abschlussstück der Berliner Philharmoniker, war es am Ostersonntag das Abschlussstück des Musikvereins Echzell, bei dem begeistert mitgeklatscht wurde. Natürlich durften die Musiker danach nicht ohne Zugabe von der Bühne.



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