07. Dezember 2009, 19:14 Uhr

Tierische Väter wider Willen

Echzell (arc). Nach schwerem Arbeitstag kommt man nach Hause, macht es sich bequem, legt die Hörner auf den Schrank, will über sein Abendessen herfallen und findet dort ein Baby. Mitten im Essen. Das Essen besteht aus Heu und liegt in einer Krippe, was für das Neugeborene angenehm ist, aber den gerade heimgekommen Ochsen (Eve Köhler) doch ziemlich stört, weil er einen Riesenhunger hat. Auch der eilig herbeigerufene Mitbewohner der Männer-WG, der Esel (Frieder Arndt), weiß nicht, wo das Baby herkommt. So beginnt »Ox und Esel«, das Weihnachtsmärchen der Theatergruppe Echzell, das am Freitag seine gelungene Premiere feierte.
07. Dezember 2009, 19:14 Uhr
Eng, aber kuschelig sitzen die Zuschauer der Premiere in der Theaterscheune. (Fotos: arc)

Ein wenig schräg ist die Geschichte der vermenschlichten Haustiere, die in der Heiligen Nacht ein Neugeborenes finden, schon. Doch dadurch, dass die Rollen auf Tiere übertragen werden, kann der Zuschauer das Verhalten der beiden aus größerer Distanz betrachten. So stechen kleine und große Seitenhiebe auf unsere Gesellschaft noch besser ins Auge. Jedoch ist das Stück in erster Linie etwas für Kinder, die sich an den tierischen Vätern wider Willen erfreuen. Tatsächlich ging schon ein vorfreudiges Lächeln über die Gesichter der kleinen Zuschauer, als Köhler und Arndt erstmals die zimmergroße Bühne der Theaterscheune betraten. Auch so mancher Erwachsene strahlte beim ersten Aufzug der Schauspieler.

Ganz nebenbei lernen die Kinder auch die Geschichte der Heiligen Nacht kennen. Wenn auch der Esel mit seinen Wortfindungsschwierigkeiten und schwachem Gedächtnis das Ganze ein wenig verkompliziert. So suchen die Soldaten des »Herrn Rodes«, ein Neugeborenes, den »Matthias«, der Sohn sein soll von »Josef und Mechthild«. Außerdem soll da noch eine ausländische »Detonation« rumlaufen, die dem kleinen »Matthias« etwas schenken will. Die Mitglieder dieser Delegation hält der Ochse aber für durchgeknallt, weil die tagelang einem Stern folgen, um dann einem fremden Kind mitten in der Nacht etwas zu schenken. Spannend wurde es, als ein Soldat an die Tür klopfte und die Herausgabe des kleinen Schreihalses verlangte.

Schließlich geht es aber um so alltägliche Kleinigkeiten wie Füttern und Wickeln eines Kindes. Wer übernimmt die Vater-, wer die Mutterrolle? »Ox und Esel« knobeln das aus, und der Esel darf der Vater sein. Hat er sich bisher liebevoll um das Kind gekümmert, sitzt er, sogleich nachdem er die Vaterrolle bekommen hat, auf dem Bett und liest Zeitung. So geht ein anstrengender Abend zu Ende, und die Pflegeeltern entschließen sich, den Findling zunächst zu behalten. Und obwohl bis zum Schluss offenbleibt, ob es sich um das Jesuskind handelt, erscheint ein leuchtender Stern über dem Stall und wacht über »Ox und Esel«, die das Baby in ihre Mitte genommen haben.

Nach dem Stück sind die Meinungen des Publikums positiv, aber doch verschieden. Von »Jetzt ist mir richtig weihnachtlich zumute« bis »Man darf nichts Besinnliches erwarten, aber es war wunderschön« ist alles vertreten. Weil der Platz in der Theaterscheune im Hof Degkwitz begrenzt ist, mussten die Zuschauer enger beisammen rücken, obwohl noch zusätzliche Bänke dazugestellt worden waren. So kuschelte man sich in der Nähe der Heizung zusammen und genoss das »etwas andere Weihnachtsmärchen«.

8 Weitere Vorstellungen von »Ox und Esel« gibt’s in der Theaterscheune im Hof Degwitz, Lindenstraße 6, in Echzell am nächsten Samstag und Sonntag jeweils um 16 Uhr zu sehen. Karten (5 Euro für Erwachsene, 4 Euro für Kinder) gibt es an der Abendkasse oder im Vorverkauf beim Autohaus Wabersich und bei der Bäckerei Löber.

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