07. Dezember 2015, 11:33 Uhr

Bagger fährt sich im Pfaffensee fest

Reichelsheim/Echzell (lk). Nichts geht mehr, der Bagger steckt an der Ostseite des Pfaffensees im Schlamm fest. Der Motor ist abgesoffen. Ein Forstschlepper muss den Koloss an Freitag an Land ziehen.
07. Dezember 2015, 11:33 Uhr
Abgerutscht und abgesoffen: Der Bagger fährt sich bei Arbeiten am Pfaffensee fest. Ein Forstschlepper zieht ihn Stunden später an Land.

Was war passiert? Und was hat der Bagger überhaupt im Naturschutzgebiet zu suchen? Gebietsbetreuer Stefan Stübing klärt auf: »Der Wasserstand des Sees hat sich in den vergangenen Jahren wie geplant erhöht. Inzwischen ist der Endstand erreicht. Die Flachwasserzone am Ostufer, an der Grenze des Naturschutzgebiets, wurde jedoch immer wieder überspült.« Der Grund: Bei Wind bauen sich auf dem See, gelegen zwischen Echzell und Weckesheim, Wellen auf. »Sie werden bis zu einen halben Meter hoch und klatschen in die Flachwasserzone hinein. Das Ufer wird weggespült. In zwei oder drei Jahren hätte sich der See ins benachbarte Feld ausgedehnt.«

Dagegen sollte etwas unternommen werden. Forstamt und Gebietsbetreuer überlegten, was man tun könne. Die Idee: »Der Bagger schüttet die Insel in der Flachwasserzone auf.« Davor sollten Steine angelagert werden. Außerdem sollten zwei weitere Inseln mit Erde aufgeschüttet und mit Steinen abgesichert werden. »Als eine Art Wellenbrecherkette«, sagt Stübing. Auch aus Naturschutzsicht sei die Aktion eine schöne Sache, »weil auf den Inseln neue Brutplätze für seltene Enten, Rothalstaucher oder sogar für den Flussregenpfeifer entstehen«.

Mit Anglerhose ins Wasser

Die Arbeiten – laut Gebietsbetreuer eine Landesmaßnahme, die mit dem Forstamt Nidda abgestimmt wurde – begannen am Donnerstag. »Wir haben im Vorfeld getestet, wo der Bagger sicher fahren kann, haben vom Boot aus mit Stangen geschaut, wo die Tiefwasserlinie verläuft.« Zudem sei einer seiner Kollegen mit Anglerhosen in die Fluten gestiegen, um zu sehen, wo er einen festen Stand hat. Der Baggerfahrer habe sich zunächst an die vorgegebene Route gehalten, bei seiner vierten oder fünften Fahrt am Donnerstag habe er dann aber gemerkt, dass der Untergrund schwammig werde. »Er hat daraufhin spontan entschieden, einen Meter versetzt zu fahren und zack, war er im See«, sagt Stübing. Zunächst habe es danach ausgesehen, als schaffe es der Bagger aus eigener Kraft heraus zurück ans Land. »Doch der Fahrer wurde unsicher und hat den Motor ausgemacht.« Als er den Bagger wieder starten wollte, sprang dieser nicht mehr an. Über Nacht blieb der Mehrtonner im See stehen. Am Freitagvormittag wurden Rampen in den See gelegt, und das Gefährt wurde mittels einer Winde und eines Fortschleppers aus dem Wasser gezogen.

»Das ging relativ einfach, war innerhalb von vier Minuten erledigt«, berichtet Walter Schmidt vom Forstamt Nidda. Er beruhigt: »Betriebsstoffe sind nicht in den See gelaufen.« Die Vorschriften bezüglich der Sicherheit der Arbeitsmaschinen seien sehr strikt. Der Bagger sei bei der Bergungsaktion nicht beschädigt worden. Schmunzelnd fügt er hinzu: »Er ist einfach nur unheimlich dreckig und muss geputzt werden.« (Foto: pv)



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