Echzell

Für »Asylothek«: Bücherspender gesucht

Echzell (arc). Nürnberg hat es, Düsseldorf, Berchtesgaden und München auch. Und Echzell braucht das unbedingt auch, dachte sich Claudia Lang, als sie von der Idee der »Asylothek« hörte. Was etwas seltsam klingt, ist nichts Abfälliges. Es ist eine auf Spenden basierende Bibliothek in einem Flüchtlingsheim.
15. Mai 2015, 06:23 Uhr
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Flüchtlinge und ihre Helfer freuen sich auf die Asylothek, die in der Gemeindebücherei ihren Platz finden wird (v. l.): Davuit Isaias Meles, Claudia Lang mit Serena Habte Kelati auf dem Arm, deren Mutter Gidey, Martina Weber, Samuel Abraha, Thomas Wettich und Tesfu Gebru.

Als Buchhändlerin bildet sich Lang weiter zur Lese- und Literaturpädagogin, und ihr Dozent Stefan Salamonsberger erzählte ihr vom Pilotprojekt der »Asylothek« in Nürnberg. Er wusste, dass Lang zusammen mit vielen anderen Echzellern als Flüchtlingshelfer aktiv ist. Der Kreis der Helfer war Feuer und Flamme. Sprache ist die Grundlage für ein gutes Miteinander, außerdem soll die »Asylothek« auch die Kultur und die Werte unseres Landes vermitteln.

Gidey Habte Kelati aus Eritrea hat sich zum Beispiel ein Wörterbuch Deutsch-Triginisch aus der Gemeindebücherei entliehen. Als Dauerleihgabe, mit der sie die Flüchtlingsunterkunft nicht verlassen darf. Dabei würde sie es gerade draußen brauchen. Außerdem würde sie auch andere Flüchtlinge mit diesem Buch gerne unterstützen. Auch ein visuelles Wörterbuch, das deutsche Vokabeln bildhaft darstellt und eigentlich für Kinder gedacht ist, ist bei den Flüchtlingen heiß begehrt. »Das Interesse, unsere Sprache zu lernen, ist wirklich groß«, erklärt Lang. Einige Flüchtlinge aus Syrien mit hohem Bildungsstand suchten selbstständig die Gemeindebücherei auf und fragten nach Wörterbüchern und anderem. Flüchtlinge aus Eritrea haben oft einen geringeren Bildungsstand und müssen mehr bei der Hand genommen werden, vermuten die Flüchtlingshelfer. Sie sehen hier aber kein Problem, weil sie die Motivation der Menschen erkennen.

Ein Problem sind allerdings die hohen Kosten der Bücher. Allein besagtes Wörterbuch Deutsch-Triginisch kostet 140 Euro. Die »Asylothek« soll sich deshalb aus Geldspenden finanzieren oder aus Buchpatenschaften. Die Organisatoren des Projekts veröffentlichen auf der Internetseite www.echzell.info in den nächsten Tagen eine Liste pädagogisch wertvoller Bücher für Kinder und Erwachsene unter den Flüchtlingen. Eine Möglichkeit, seine »alten Schinken« zu entsorgen, soll die »Asylothek« nicht sein, betont Lang. Die Erfinder des Projekts wollen ein Paket geeigneter Bücher für den Anfang aus Nürnberg schicken. Aber das wird nicht reichen.

Bürgermeister Wilfried Mogk war von der Idee sehr angetan und stimmte dem Projekt rasch zu. Die Leiterin der Gemeindebücherei, Martina Weber, war sofort begeistert und reservierte ein Regal für die »Asylothek«. Somit hat das Projekt in Echzell eine kleine Abwandlung erfahren: Es steht nicht in der Unterkunft der Flüchtlinge, sondern in der öffentlichen Bücherei. In den Unterkünften sei es ohnehin zu eng, befürchten die Helfer, und in der Bücherei kämen die Flüchtlinge besser unter die Einheimischen, könnten Kontakte knüpfen und vielleicht ihre neuen Sprachkenntnisse gleich austesten. (Foto: arc)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/echzell/art553,102326

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