09. Mai 2015, 19:33 Uhr

Mogk: Ich habe meine große Liebe geheiratet

Echzell (lk). »Wenn es um die Liebe geht, darfst du nur auf dein Herz hören«, sagte Wilfried Mogks Vater einst beim Abendbrot zu seinem Sohn. Der war damals Anfang 20, seine Mutter hatte sich mal wieder darüber aufgeregt, dass ihr Junior dem Vater seiner Freundin Sabine bei der Arbeit auf dem Bauernhof geholfen hatte.
09. Mai 2015, 19:33 Uhr
Wilfried und Sabine Mogk haben im Mai 1990 in Berchtesgaden geheiratet. (Foto: Laura Kaufmann)

»Es gibt auch noch andere Frauen«, sagte die Mutter. Wilfried Mogk hörte nicht auf sie, nahm sich dafür den Rat seines Vaters zu Herzen. Er heiratete seine Sabine. Die richtige Entscheidung: Am Montag haben die beiden silberne Hochzeit gefeiert, am Samstag sind Familie, Freunde und Kollegen zu einem Fest eingeladen.

Der Echzeller Bürgermeister erinnert sich genau an den Tag, am dem er sich in Sabine verliebt hat. »Am 21. Mai 1983 auf dem Feuerwehrfest in Echzell«, sagt Wilfried Mogk. Mit seinen Kollegen von der Bisseser Wehr ging der damals 18-Jährige zum Fest. Er saß am Tisch einige Plätze von Sabine, die damals noch Möbs hieß, entfernt. Er fragte eine ihrer Freundinnen, ob sie tanzen wolle. Sie wollte nicht, sagte aber, dass Sabine gerne tanze. Also forderte er die damals 17-Jährige auf. »Wir haben den ganzen Abend getanzt«, erinnert Sabine Mogk sich. Disco-Fox. Er lud sie auf ihr erstes Bier ein, später brachte er sie bis zum Hoftor. »Dann hat er mich gefragt, ob er mich küssen darf«, berichtet sie lachend. Er durfte.

Trennung an Weihnachten

Die beiden wurden ein Paar. Doch bis zur Hochzeit war es ein weiter und steiniger Weg. Der Vater von Sabine empfing den Verehrer seiner einzigen Tochter einmal auf die Mistgabel gestützt vor dem Möbschen Haus. Er sagte: »Wenn du durch das Hoftor gehst, hört die Demokratie auf«, erinnert sich Wilfried Mogk. Der junge Mann ließ sich nicht abschrecken. Doch an Weihnachten 1983 trennte sich Sabine von ihm. »Er war immer da. Ich hatte so viel zu tun, es wurde mir alles zu viel«, begründet sie heute. Erst eineinhalb Jahre später kamen die beiden wieder zusammen. »Ich hatte ein Gedicht von ihm gelesen. Danach wusste ich, er ist doch der Richtige«, sagt die Sabine Mogk.

Sie machte damals gerade Abitur, er eine Ausbildung. Am 4. Mai 1990 heirateten die beiden standesamtlich in Berchtesgaden. Einen wirklichen Heiratsantrag gab es nicht. »Und wenn, dann kam die Initiative von mir«, verrät die 49-Jährige. Mit einer Kollegin, sie arbeitete bereits als landwirtschaftlich-technische Assistentin an der Uni, habe sie »den Hochzeitsplan in der Kühlkammer ausbaldovert«. Wenige Wochen vor der Trauung zog das Paar in eine 52 Quadratmeter große Wohnung in Bingenheim. »Ihrem Vater hat es nicht gepasst, dass es vor der Hochzeit war«, sagt Mogk. Und er erinnert sich: Vor dem Umzug in die gemeinsame Wohnung durfte er kein einziges Mal bei Sabine übernachten. »Ich musste immer heimfahren.« Einmal, er passte nicht richtig auf, donnerte er dabei mit dem Rad in den Graben.

1993 – drei Jahre nach der Hochzeit – wurde Sohn Lukas (21) geboren. Wilfried Mogk arbeitete da schon längst bei der Gemeindeverwaltung, machte eine Fortbildung für den gehobenen Dienst. Gemeinsam hatte sich das Paar bis zum goldenen Abzeichen getanzt. 1998 zogen die Mogks in ihr Holzhaus in der Beundestraße ein. Dort kamen auch die beiden Söhne Elias (14) und Jonas (12) zur Welt. Inzwischen gehören noch Mischlinghündin Sally (4) und zwei Kater zur Familie. Wilfried Mogk ist als Bürgermeister für die Gemeinde im Einsatz. Privat kocht der 50-Jährige gerne dicke Suppe. Sabine Mogk arbeitet bei der Saatgut AG und werkelt auch daheim gerne im Garten.

Geheimnis: Sich Freiheiten lassen

Heute tanzen sie zwar nicht mehr so viel wie früher, dafür wandern sie gerne zusammen. Auch längere Strecken. Ganz ohne Kinder und Hund. Eine weitere Gemeinsamkeit: »Wir glauben beide an den lieben Gott.«

Es gibt aber auch Verschiedenheiten: »Willi stellt das Radio morgens immer an, ich stelle es wieder aus«, sagt Sabine Mogk. Er geht gerne auf Konzerte, sie nicht. »Aber sie lässt mich«, verrät er. Was er sie im Gegenzug lässt? »Eigentlich alles. Er würde mich nie einschränken«, sagt sie. Und er ergänzt: »Die Bine hatte es als Kind nicht so leicht. Ich dachte mir, wenn sie mit mir zusammen ist, soll sie alles machen, was sie will.« Sich gegenseitig Freiheiten zu lassen, den anderen nicht verändern zu wollen, sei das Geheimnis ihrer Ehe. »Und sich nicht über jede Kleinigkeit aufregen«, fügt Sabine Mogk hinzu. Auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gegeben habe und gebe, angeschrien hätten sie sich noch nie, sagt Wilfried Mogk. »Wir sind uns ähnlich«, ergänzt seine Frau. Auch wenn Sohn Lukas immer sage: »Ihr seid so verschieden.«

Seine Frau ist für ihn das größte Geschenk. »Für mich ist es ganz einfach: Ich habe meine große Liebe geheiratet. Mich hat es nie nach einer anderen Frau gelüstet.« Einen Partner zu haben, auf den man sich verlassen kann, mit dem man glücklich sein kann, sei der größte Gewinn im Leben.

Kommende Woche fahren die beiden für einige Tage in die Stadt der Liebe. Eine Französin, die Wilfried Mogk in seiner Zeit als Standesbeamter getraut hat, will ihnen Paris zeigen. Vorher wird aber die silberne Hochzeit groß gefeiert: am heutigen Samstag in der Sampo-Halle der Lebensgemeinschaft. Zwei Gesangvereine und der Musikverein treten auf, die Landfrauen werden tanzen. »140 Personen sind eingeladen«, sagt Mogk. Viele haben schon gratuliert, ein befreundetes Paar schenkte eine Fensterdeko aus Glas. Darauf steht: »Wenn es um die Liebe geht, darfst du nur auf dein Herz hören.«

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