26. September 2013, 20:38 Uhr

Überraschung: Zeuge beschuldigt sich selbst

Butzbach/Friedberg (jwn). Im Prozess gegen die beiden türkischen Staatsbürger, die sich wegen schwerer Körperverletzung und Beleidigung vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten müssen, könnte sich eine Wende andeuten.
26. September 2013, 20:38 Uhr
(Foto: dpa)

Auch nach dem vierten Verhandlungstag über eine fast schon normale Rauferei unter betrunkenen Kneipengängern herrscht über den Tatverlauf große Unsicherheit. Denn was genau in der Halloween-Nacht 2012 in einer Bar in Butzbach vorgefallen ist, dazu gehen die Aussagen weit auseinander.

Fest steht nur, dass der 55jährige Butzbacher Karl Johann S. (alle Namen geändert) in dieser Nacht gegen 3 Uhr morgens von zwei Männern zusammengeschlagen und dabei schwer verletzt wurde. Allerdings kann auch er im Nachhinein nicht mehr sagen, wer von den vier türkischen Barbesuchern zuerst geschlagen und wer ihm danach mit dem Whisky-Glas noch eins versetzt hat.

Nachdem die beiden Angeklagten zunächst alles abgestritten hatten, hat der 25-jährige Aysin B. inzwischen eingeräumt, den ersten Fausthieb ins Gesicht des Butzbacher Bauarbeiters gesetzt zu haben, der daraufhin zu Boden ging. Der 45-jährige Familienvater Achmed Z. macht dagegen weiter von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch.

Ihn belastet vor allem die polnische Kellnerin der Bar. Sie will genau gesehen haben, wie Z. das Glas genommen und es auf den Kopf des Opfers geschlagen habe. Weil sie befürchtete, dass die Schlägerei fortgesetzt würde, habe sie die Streithähne zu trennen versucht und sei daraufhin von Z. übel beschimpft und beleidigt worden. Die Anzeige wegen Körperverletzung gegen T, der sie auch geschubst und dabei verletzt haben soll, nahm sie jedoch zurück.

Zur Überraschung aller Beteiligten sagte am Dienstag ein dritter der vier türkischen Barbesucher, der 33-jährige arbeitslose Akin L., aus, nachdem er am Tag davor noch die Aussage verweigert hatte. »Ich kann nicht verantworten, dass ein Unschuldiger für meine Tat verurteilt wird«, ließ er das Gericht wissen. Nachdem Aysin B. dem Butzbacher den ersten Schlag versetzt hatte, sei er, L., zu den beiden gegangen, um sie zu trennen. Als S. nach dem Fausthieb jedoch wieder versucht habe, auf die Beine zu kommen, habe er das als Angriff gegen sich gewertet und deshalb mit dem Glas zugeschlagen.

Er habe bisher geschwiegen, weil er noch unter Bewährung stehe und bei einer Verurteilung den Rest seiner fünfjährigen Gefängnisstrafe (räuberischer Diebstahl, Körperverletzung, Drogenhandel) absitzen müsse. Auf die Frage, warum die Bedienung ihn als Täter ausgenommen und stattdessen Z. beschuldigt habe, hatte L. auch eine Antwort: »Die will Z. eins auswischen, weil der sie Hure und Schlampe genannt hat«. Außerdem sei die Kellnerin »sturzbetrunken« gewesen.

Als Richterin Dr. Gerlinde Kimpel ihm diese Version nicht abnehmen wollte und ihn auf seine Aussage vor dem Ermittlungsrichter ansprach, die völlig anders gelautet habe, behauptete K, der Richter habe ihn unter Androhung eines Zwangsgeldes zu dieser Aussage gezwungen. L. habe dann die beiden Angeklagten beschuldigt, jedoch behauptet, dass er nicht gesehen habe, wer welchen Schlag gesetzt habe.

Das wolle er nun berichtigen. Weil dieses Geständnis so unglaubwürdig klang, auch im Hinblick auf die Drohung des Ermittlungsrichters, wurde sogar L.s Verteidiger Markus Frank vernommen.

Er schilderte, wie sein Mandant in die Kanzlei gekommen sei und ihm den Tatverlauf geschildert habe. Über den Ratschlag, wie L. und Z., der L. zum Anwalt begleitet hatte, sich verhalten sollten, darüber verweigerten jedoch alle, die an dem Gespräch teilgenommen hatten, die Aussage.

Um die Vorwürfe von L. gegen den Ermittlungsrichter, und die Behauptung, dass die Hauptzeugin sturzbetrunken gewesen sei, ausräumen zu können, wurde ein weiterer Verhandlungstag angesetzt. Dann sollen der Ermittlungsrichter als Zeuge und ein weiterer Gast in der Kneipe vernommen werden.

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