16. Juli 2013, 18:28 Uhr

Nicht mit Mädchen, sondern Polizei gechattet

Butzbach (dab). Aus Neugier habe er sich auf einer bestimmten Internet-Plattform herumgetrieben, weil er mitbekommen habe, dass der Chat dort »extrem schlimm« sein soll. Er habe sich das nicht vorstellen können. Am Ende war es der Mann selbst, der sich einen »extrem schlimmen« Chat lieferte.
16. Juli 2013, 18:28 Uhr
(Foto: dpa)

Mit einem zwölfjährigen Mädchen, wie er dachte. Die er dazu aufforderte, sich auszuziehen und sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. In einer Wortwahl, die mit Neugier wenig zu tun hat. Eher mit Pornografie. Zum Glück war es kein junges Mädchen, sondern die Polizei, mit der sich der 30-Jährige aus Butzbach unterhielt. Statt sich auszuziehen, kamen die Beamten bei dem Mann vorbei und beschlagnahmten seinen Rechner. Darauf fanden sie knapp 20 heruntergeladene Bilddateien von 14- bis 18-Jährigen. Der Mann wurde nun vor dem Amtsgericht Friedberg zu insgesamt 135 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt.

Der arbeitslose Butzbacher war geständig und zeigte Reue vor Gericht. Er weinte, seine Stellungnahme am Ende der Verhandlung war kaum zu verstehen, weil seine Worte immer wieder im Schluchzen untergingen. »Ich habe das getan, ja, und es tut mir leid«, sagte der 30-Jährige. Wieso er sich des versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern strafbar gemacht hatte, ebenso des Besitzes jugendpornografischer Schriften, vermochte er nicht zu erklären. Richter Dr. Markus Bange und Staatsanwalt Volker Bützler konfrontierten ihn mit dem Verdacht, dass seine sexuelle Orientierung auf Kinder und Jugendliche gerichtet sein könnte, »weil man sonst so etwas nicht herunterlädt«. Das aber wies der Angeklagte weit von sich. Es sei Neugier gewesen, Dummheit, ein Fehler, »ich weiß es wirklich nicht«, aber ganz sicher sei er nicht pädophil. »Ich interessiere mich nicht für Kinder.«

Der Mann erzählte von seiner – offenbar überwundenen – Online-Spielsucht. Über acht Jahre hinweg habe er bis zu 16 Stunden am Tag »World of Warcraft« zu Hause vor dem Rechner gezockt. Seit Ende vergangenen Jahres sei er in psychiatrischer Behandlung. Sein früherer Arzt, Jörn Dahler aus Bad Nauheim, erzählte vor Gericht, dass die Spielsucht zum sozialen Rückzug des Butzbachers geführt habe, auch mit dem früheren Arbeitgeber habe es Probleme gegeben. Dann sei eine Depression hinzugekommen, als dem Mann klar geworden sei, wie viel Zeit er vor dem Computer verbracht habe und wie viele Lebensmöglichkeiten er dadurch verpasst habe. Was die Spielsucht anbelange, habe die Erkrankung einen erstaunlich schnellen und guten Verlauf genommen, so dass er und seine Kollegen die Resozialisierung des Mannes in den Vordergrund der Behandlung gestellt hätten. »Seine Aufbruchstimmung war zu spüren.«

Die Pläne, die er damals schmiedete, sei er auch angegangen, berichtete der Angeklagte. Er habe eine Partnerin, mit der er viel unternehme und bald zusammenziehen wolle. Er habe ein Ehrenamt übernommen und hoffe, nach der nun angestrebten Rehabilitation wieder eine Arbeit zu finden.

Selbstmordgefährdet sei sein Mandant allerdings immer noch, betonte sein Pflichtverteidiger, Rechtsanwalt Andreas Bösch. Er bat deshalb um eine Geld-, keine Freiheitsstrafe, wie Staatsanwalt Bützler sie gefordert hatte, wenn auch zur Bewährung, weil der Angeklagte nicht vorbestraft sei und eine gute Sozialprognose habe. Man solle ihm klarmachen, dass er eine Grenze überschritten habe, auch wenn im Internet vieles möglich sei.

Richter Bange beließ es bei einer Geldstrafe, machte dem Butzbacher aber sehr deutlich, dass er bei einem weiteren Delikt mit dem Gefängnis rechnen müsse. Der Vollzug würde sich dann nicht besonders angenehm gestalten: In der subkulturell motivierten Knast-Hierarchie stünden Straftäter, die Kinder missbraucht hätten, ganz weit unten.



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