20. März 2011, 16:40 Uhr

Genossenschaft für Hess Natur gegründet

Butzbach (pm). Kunden und Mitarbeiter des Ökotextilversenders Hess Natur haben am Donnerstag in Kassel gemeinsam mit Aktiven von »Attac«, dem »Netzwerk Solidarische Ökonomie« und der »Kampagne für Saubere Kleidung« eine Genossenschaft zur Weiterführung von Hess Natur gegründet.
20. März 2011, 16:40 Uhr
Aktivisten von Attac, dem Netzwerk Solidarische Ökonomie sowie Mitglieder des Hess-Natur-Betriebsrates am Mittwoch vor dem Frankfurter Carlyle-Büro. Die 10 000 Boykottandrohungen können sie nicht übergeben, da das Büro angeblich nicht besetzt ist. (Foto: pv)

Die Gründungsinitiative war vor einigen Wochen entstanden, als bekannt geworden war, dass der Investor Carlyle möglicherweise die Butzbacher Firma übernehmen wolle. »Hess Natur ist ein Pionier im Bereich ökologisch und fair produzierter Kleidung. Das geht nicht zusammen mit einem renditegetriebenen Rüstungskonzern wie Carlyle. Wir mussten handeln«, sagte Walter Strasheim-Weitz, Betriebsratsvorsitzender von Hess Natur und Vorstandsmitglied der frisch gegründeten »hnGeno«.

»Wir wollen Hess Natur zu einem demokratischen Vorzeigeunternehmen machen«, ergänzte Dagmar Embshoff, aktiv bei Attac und dem Netzwerk Solidarische Ökonomie sowie seit Donnerstag ebenfalls Mitglied des dreiköpfigen Vorstands.

Als Genossenschaft sei Hess Natur praktisch immun dagegen, von einem Finanzinvestor wie Carlyle »übernommen und ausgeplündert« zu werden.

Die gegründete Kooperative ermöglicht, dass jetzige und zukünftige Kunden sowie Mitarbeiter Hess Natur gemeinsam kaufen. In Kürze soll ein Treuhandkonto eingerichtet werden, auf dem Genossenschaftsanteile ab einer Höhe von 250 Euro gesammelt werden. Den Mitgliedschafts-Interessierten gibt dies die Sicherheit, dass ihr Geld nur fließt, wenn es tatsächlich zum geplanten Kauf kommt. »Auch Organisationen, Betriebe und Interessierte, die sich solidarisieren oder ihr Geld ethisch einsetzen möchten, können sich beteiligen«, warb Dagmar Embshoff.

Betriebsfortführungen durch Belegschaften, Kunden und Unterstützer seien in anderen Ländern Europas eine bekanntere Lösung und würden teilweise sogar finanziell gefördert. »Auch hierzulande brauchen wir mehr Wissen über kooperative und demokratische Wirtschaftsformen und bessere Rahmenbedingungen für sie«, fuhr Embshoff fort.

Die junge Genossenschaft hat nun einiges vor sich. Christina Pöttner, ebenfalls im Vorstand und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Hess Natur: »Wir werden jetzt als hnGeno offiziell unser Kaufinteresse anmelden, auch wenn eine realistische Angebotssumme von mehreren Millionen Euro natürlich noch zusammenkommen muss.«

Immerhin hätten sich mehr als 1000 Interessenten bereits vor der Gründungsversammlung online für eine Mitgliedschaft eingetragen. Auch einzelne Lieferanten von Hess Natur und der Interessenverband Naturtextil (IVN) zeigten sich sehr offen. Täglich wachse die Zahl der Mitgliedsanfragen. Christina Pöttner kämpferisch: »Unser Ziel ist ehrgeizig, aber zu schaffen. Wenn Tausende einsteigen, können wir Carlyle und Co. etwas entgegensetzen.«

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