10. Januar 2011, 20:20 Uhr

Vorschlag an Hess-Natur: Genossenschaft als Alternative zum Verkauf

Butzbach (pm/en). An einem neuen Konzept für den Ökotextil-Händler Hess-Natur in Butzbach arbeiten die bundesweite Attac-Arbeitsgruppe »Solidarische Ökonomie« und das Netzwerk »Solidarische Ökonomie« (SÖ).
10. Januar 2011, 20:20 Uhr

Butzbach (pm/en). An einem neuen Konzept für den Ökotextil-Händler Hess-Natur in Butzbach arbeiten die bundesweite Attac-Arbeitsgruppe »Solidarische Ökonomie« und das Netzwerk »Solidarische Ökonomie« (SÖ).

Gestern trafen sich nach Auskunft der Sprecherin des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, Frauke Distelrath, erstmals Mitarbeiter und Kunden von Hess-Natur mit Mitgliedern der Attac-AG und des Netzwerks in Frankfurt. Kurz vor Weihnachten hatte Attac heftig gegen den möglichen Verkauf von Hess an den US-Investor Carlyle protestiert.

Willensbekundungen zum Beitritt

Im Anschluss an das Treffen kündigten die Arbeitsgruppe und das Netzwerk eine gemeinsame Kampagne für die Umwandlung von Hess-Natur in eine Genossenschaft an. Dafür wollen die Aktivisten Absichtserklärungen von Mitarbeitern, Kunden und weiteren Interessierten sammeln, die bereit wären, einer Genossenschaft beizutreten. Der Betriebsratsvorsitzende von Hess-Natur, Walter Strasheim-Weitz, will laut derselben Quelle die wirtschaftlichen Mitbestimmungsmöglichkeiten juristisch prüfen lassen.

»Wir arbeiten seit Jahren intensiv an Modellen, wie Beschäftigte, Kunden und Lieferanten ein Unternehmen in eigener Regie weiterführen können«, erläuterte Dagmar Embshoff, Mitglied des Netzwerks SÖ und der Attac-AG. Falls ein Unternehmen kurz vor der Insolvenz stehe oder die Übernahme durch einen Investor drohe, der nur auf kurzfristige Gewinne aus sei, »es gibt kooperative Alternativen«.

Beim gestrigen Treffen stellte Hans Gerd Nottenbohm vom Netzwerk anhand der Geschäftszahlen von 2009 ein erstes Alternativ-Konzept für das Öko-Unternehmen vor.

Ziel ist demnach die Umwandlung der Hess-Natur-Textil-GmbH in eine Genossenschaft, bei der jedes Mitglied eine Stimme habe und so genannte investierende Mitglieder laut Genossenschaftsgesetz nur eingeschränkte Gestaltungsrechte erhielten.

»Hess-Natur steht bereits für eine ökologische und faire Unternehmenspolitik. Eine Fortführung als demokratischer Betrieb wäre die konsequente Weiterentwicklung hin zu einem wirklich alternativen Wirtschaften«, sagte Nottenbohm.

Auch fünf Betriebsratsvertreter von Hess-Natur beteiligten sich laut Attac »mit großem Interesse« an der Diskussion. »Wir haben heute eine Alternative kennen gelernt, die wir so bisher noch nicht im Blick hatten. Ein solches Konzept kann für alle Beteiligten gewinnbringend sein«, wird Walter Strasheim-Weitz zitiert.

»Konzept bereits erfolgreich«

Auch die Arbeit gegen eine Übernahme durch Carlyle geht bei Attac weiter. Im Dezember hatte das Netzwerk die im Raum stehende Übernahme des Unternehmens durch den Private-Equity-Fonds und Rüstungskonzern Carlyle öffentlich gemacht. Seitdem hätten mehr als 4000 Menschen auf der Attac-Homepage angekündigt, Hess-Natur im Falle eines solchen Verkaufs zu boykottieren. Im Februar sollen die gesammelten Erklärungen öffentlichkeitswirksam übergeben werden. Jutta Sundermann vom Attac-Koordinierungskreis ist schon jetzt guter Dinge: »Unser Protest ist bereits erfolgreich. Eigentlich kann Carlyle sich nur noch zurückziehen. Der Schaden für Hess-Natur wäre sonst zu groß.«

Vom Unternehmen Hess-Natur war gestern keine Stellungnahme zu den Attac-Gedankenspielen zu erhalten.

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