24. Juni 2010, 21:06 Uhr

Randale bei der Jobkomm: 35 Arbeitsstunden

Butzbach/Friedberg (lk). Als sich ihre Mundwinkel nach oben zogen, sah ein 18-jähriger Butzbacher rot: »Sie brauchen mit Ihrer blöden Fresse nicht zu grinsen«, maulte er eine Jobkomm-Mitarbeiterin an, zerbrach ihren Kugelschreiber und beschimpfte anschließend noch den Arbeitskollegen der Frau. Wegen Beleidigung und Sachbeschädigung musste sich der junge Mann deshalb gestern vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Die letzten Tage, bevor er am kommenden Donnerstag seinen Wehrdienst beginnt, wird er beide Hände voll zu tun haben: Richterin Franzke verurteilte ihn zu 35 Arbeitsstunden - abzuleisten bis zum 1. Juli.
24. Juni 2010, 21:06 Uhr

Butzbach/Friedberg (lk). Als sich ihre Mundwinkel nach oben zogen, sah ein 18-jähriger Butzbacher rot: »Sie brauchen mit Ihrer blöden Fresse nicht zu grinsen«, maulte er eine Jobkomm-Mitarbeiterin an, zerbrach ihren Kugelschreiber und beschimpfte anschließend noch den Arbeitskollegen der Frau. Wegen Beleidigung und Sachbeschädigung musste sich der junge Mann deshalb gestern vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Die letzten Tage, bevor er am kommenden Donnerstag seinen Wehrdienst beginnt, wird er beide Hände voll zu tun haben: Richterin Franzke verurteilte ihn zu 35 Arbeitsstunden - abzuleisten bis zum 1. Juli.

Der kräftige und großgewachsene junge Mann war geständig. Er gab zu, im Februar die Mitarbeiterin der Jobkomm beleidigt und ihren Stift demoliert zu haben. Auch dass er zum Kollegen der Frau »Schaun' Sie mal in den Spiegel, damit Sie Ihre blöde Fresse sehen« gesagt hatte, räumte der 18-Jährige ein. Nur das Namensschild der Jobkomm-Beschäftigten wollte er nicht, wie vorgeworfen, zerbrochen haben. Er habe Briefe mit Rückzahlungsforderungen von der Jobkomm erhalten, erklärte der Angeklagte den Grund seines Besuches in der Butzbacher Behörde. »Ich wollte, dass das mit den Briefen aufhört - dreimal hab' ich sie gebeten, dass sie mich aus dem System rausnimmt«, schilderte der Angeklagte, der sich nach seinem Grundwehrdienst für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichten will, um dort eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker zu machen, die Situation vor Ort. Zur Eskalation sei es erst gekommen, als die Frau angefangen habe zu grinsen.

»Wenn Sie bei der Bundeswehr so eine dicke Lippe riskieren, sind Sie da ganz schnell wieder weg«, sagte die Richterin zum Angeklagten, bevor René Stahl von der Jugendgerichtshilfe Details aus dem Leben des 18-Jährigen schilderte.

Seit der Trennung seiner Eltern vor zwei Jahren sei es zu erheblichen Verhaltensauffälligkeiten gekommen. »Er wird recht schnell aggressiv, vor allem bei Sachen die ihm nicht passen«, berichtete Stahl. Der Angeklagte befinde sich in psychologischer Behandlung, um Erlebtes aufzuarbeiten. Eine berufliche Perspektive habe der Hauptschüler lange Zeit nicht gehabt. Zum Tatzeitpunkt sei er 18 Jahre alt gewesen, weshalb bei einer Verurteilung Jugendstrafrecht anzuwenden sei, sagte Stahl über den Angeklagten, der erst im September 2009 vor Gericht stand, schuldig gesprochen wurde und für einige Tage in den Jugendarrest wanderte. Wegen Beleidigung in zwei Fällen sowie einer Sachbeschädigung sei der Butzbacher zu verurteilen, forderte Staatsanwalt Schäfer, der als Strafe 40 gemeinnützige Arbeitsstunden vorschlug. Der Angeklagte nutzte seine abschließenden Worte, um sich für sein Verhalten zu entschuldigen.

Richterin Franzke schloss sich der Einschätzung des Staatsanwalts an, verurteilte den jungen Mann zu 35 Arbeitsstunden, die er noch vor dem kommenden Donnerstag abzuleisten hat. »Eigentlich müsste das Urteil dazu erst rechtskräftig werden«, sagte die Richterin, doch der Angeklagte versprach, direkt am heutigen Freitag mit der Arbeit anzufangen. Bevor Franzke die Verhandlung schloss, richtete sie noch einige mahnende Worte an den Angeklagten: »Ihr Verhalten muss ich nicht weiter kommentieren, das war unterste Schublade. Wenn sich das nicht ändert, wird das nichts mit der Berufsoldatenkarriere.«



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