05. November 2009, 20:22 Uhr

Immer noch fahren Klassen auf seinen Spuren

Butzbach-Griedel (bd). Vor einem Jahr führte der Griedeler Lehrer Klaus-Jürgen Wetz mit seinem Geschichts-Leistungskurs des Frankfurter Max-Beckmann-Gymnasiums ein Unterrichtsprojekt der besonderen Art durch. Er unternahm eine historische Spurensuche per Rad über 220 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Mittlerweile darf diese Unternehmung fast als ein Modellprojekt für die schulische Beschäftigung mit der deutschen Teilung angesehen werden. Sie findet gerade jetzt im Rahmen der Veranstaltungen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls enormes Interesse.
05. November 2009, 20:22 Uhr
Klaus-Jürgen Wetz anno 2008 mit seiner Klasse im Grenzmuseum »Schifflersgrund«. (Foto: pv)

Butzbach-Griedel (bd). Vor einem Jahr führte der Griedeler Lehrer Klaus-Jürgen Wetz mit seinem Geschichts-Leistungskurs des Frankfurter Max-Beckmann-Gymnasiums ein Unterrichtsprojekt der besonderen Art durch. Er unternahm eine historische Spurensuche per Rad über 220 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Mittlerweile darf diese Unternehmung fast als ein Modellprojekt für die schulische Beschäftigung mit der deutschen Teilung angesehen werden. Sie findet gerade jetzt im Rahmen der Veranstaltungen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls enormes Interesse.

Klaus-Jürgen Wetz ist auch nach einem Jahr nach der »Grenzfahrt« noch immer tief beeindruckt von der Leistungsbereitschaft seiner Schüler. Keine Minute seiner halbjährigen Vorbereitungsarbeit habe er bereut, sagte er der WZ im Gespräch.

Überrascht und erfreut zugleich zeigt sich Wetz von der nachhaltigen Wirkung, die sein Projekt entfaltet: »Ich bekomme nach wie vor regelmäßig Anfragen von Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich für inhaltliche und organisatorische Details interessieren, um ähnliche Projekte durchzuführen.« Verantwortlich dafür ist zweifellos die breite mediale Begleitung der Tour im letzten Jahr. Ein Dutzend Tageszeitungen und zwei Fernsehsender berichteten, einige Artikel sind im Internet abrufbar und locken immer wieder Interessenten an.

Inzwischen ist auch der 50-minütige Dokumentarfilm (»Mit dem Rad Geschichte erfahren«), den die Filmemacher Jürgen Ritter und Dietrich Zarft aus Niedersachsen über das Projekt produziert haben, im Handel als DVD erhältlich.

Er feierte im März in der Max-Beckmann-Schule vor über 250 Gästen (darunter als Schirmherr Landtagspräsident Norbert Kartmann) Premiere. Einen fünfminütigen Trailer kann man ebenfalls im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.grenzfilm.de" text="www.grenzfilm.de" class="more"%> anschauen.

»Ich hoffe auf möglichst viele Nachahmer«, sagt Klaus-Jürgen Wetz, »denn mit solch authentischen Erfahrungen kann man der nach dem Wendejahr 1989 geborenen Schüler-Generation erheblich besser als per Schulbuch verdeutlichen, wie die SED-Diktatur funktioniert hat. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verklärung und Bagatellisierung des DDR-Systems sei dies besonders wichtig.

Vor vier Wochen weilte Wetz mit seinem Leistungskurs auf Studienfahrt in Berlin und präsentierte dort gemeinsam mit den Schülern am Nationalfeiertag das Projekt in der Hessischen Landesvertretung. Mehr als 8000 Besucher strömten durch das Gebäude, und viele von ihnen schauten sich Abschnitte der Tour an oder ließen sich von den Schülern deren Eindrücke schildern. Der Hessische Minister für Bundesangelegenheiten, Michael Boddenberg, würdigte das Projekt als »beispielhafte Initiative, um der jüngeren Generation die Geschichte der deutschen Teilung näher zu bringen«.

An diesem Wochenende bietet sich Klaus-Jürgen Wetz eine erneute Möglichkeit, seine »Geschichtsstunde auf dem Fahrrad« vorzustellen und für die Nachahmung zu werben: Bei der Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU wird er auf deren Bundeskongress im Maritim-Tagungshotel in Berlin vor 1000 Delegierten, Gästen und Medienvertretern nach einer Rede der Bundeskanzlerin zusammen mit Lothar de Maiziere (erster und letzter frei gewählter Ministerpräsident der DDR) und Hubertus Knabe (Leiter der »Gedenkstätte Ehemaliges Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen«) den Programmpunkt »20 Jahre Mauerfall« mitgestalten und die pädagogischen und gesellschaftspolitischen Motive seines Projekts erläutern.

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