31. März 2009, 20:56 Uhr

Keine Freiheit für zwei »Schildkröten«

Butzbach/Friedberg (lk). Das Freiheitsbedürfnis zweier Insassen der JVA Butzbach war ausgeprägter als ihr Empfinden für Recht und Gesetz, denn im Juli letzten Jahres starteten sie einen gemeinsamen Fluchtversuch, bei dem sie außerdem drei Angestellte in eine Wäschekammer einschlossen, um ihr Verschwinden so lange wie möglich geheim zu halten. Das Vorhaben scheiterte freilich kläglich - und so mussten sich die Männer gestern vor dem Friedberger Schöffengericht wegen Freiheitsberaubung und versuchter Gefangenenmeuterei verantworten.
31. März 2009, 20:56 Uhr

Butzbach/Friedberg (lk). Das Freiheitsbedürfnis zweier Insassen der JVA Butzbach war ausgeprägter als ihr Empfinden für Recht und Gesetz, denn im Juli letzten Jahres starteten sie einen gemeinsamen Fluchtversuch, bei dem sie außerdem drei Angestellte in eine Wäschekammer einschlossen, um ihr Verschwinden so lange wie möglich geheim zu halten. Das Vorhaben scheiterte freilich kläglich - und so mussten sich die Männer gestern vor dem Friedberger Schöffengericht wegen Freiheitsberaubung und versuchter Gefangenenmeuterei verantworten.

Bei den beiden Sträflingen handelt es sich um Polen, die sich in der JVA eine Zelle teilten. Während eines unbeobachteten Moments versuchten die beiden ihr Glück: Mit Hilfe einer Eisenstange wollten das Duo eine schwere Tür aushebeln, die auf einen Innenhof führt. Anschließend wollten sie über die Außenmauer klettern, weshalb sie sich eine Art Panzerung angezogen hatten, um über den Stacheldraht zu kommen und den Aufprall in der Freiheit abzumildern.

Während der ältere der beiden Angeklagten von seinem Recht Gebrauch machte, sich nicht zu den Vorfällen zu äußern, wollte der 32-Jährige eine kurze Stellungnahme zum Geschehenen abgeben: Er habe sich mit niemandem zum Ausbruchsversuch verabredet, ließ er das Gericht mittels einer Dolmetscherin wissen: »Nur weil wir dasselbe zur gleichen Zeit getan haben, bedeutet das nicht, dass wir gemeinschaftlich gehandelt haben.« Der Mann sitzt wegen Vergewaltigung ein.

Die Zeugen zeichneten allerdings ein ganz anderes Bild: Von einer Menge an Gegenständen, die für den Ausbruch gedacht waren, war die Rede. »Die beiden müssen mehrere Wochen gebraucht haben, um all die Sachen im Duschraum zu verstecken«, gab einer der Zeugen an. Der Justizvollzugsbeamte, der die beiden als erster entdeckt hatte, gab an, sie seien verkleidet gewesen. »Wie Turtles sahen die beiden aus. Sie hatten sich mit Pappe gepolstert«, sagte er. Als sie ihn gesehen hätten, seien sie direkt weggelaufen. Er habe die Eisenstange aufgehoben und dann gemerkt, dass die Türe zur Wäschekammer mit Stofffetzen und Klebeband verriegelt gewesen sei. Die Beamten in der Wäschekammer hatten noch gar nicht bemerkt, dass sie eingeschlossen waren.

»Den einen habe ich an seiner Brille sofort erkannt«, erzählte der Zeuge, der die beiden beim Fluchtversuch ertappt hatte. Den anderen habe man dann zuordnen können. In der Decke und den Lampen der angrenzenden Duschkammer hatte man später einen Wurfanker, Geld, diverse Zivilsachen und die ganze Polsterung der beiden Möchtegern-Ausbrecher gefunden.

»Die beiden haben den Fluchtversuch langfristig geplant und sich körperlich darauf vorbereitet«, bezog Staatsanwältin Daniela Zahrt Position. Sie hätten Menschen eingeschlossen, um nicht entdeckt zu werden. Da sie nach der Entdeckung sofort aufgegeben hätten, handele es sich nur um versuchte Gefangenenmeuterei, allerdings um vollendete Freiheitsberaubung. Die Anklagevertreterin forderte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten für beide, während die Anwälte auf Freispruch plädierten.

Die Schöffen und Richter Markus Bange verhängten Freiheitsstrafen von sechs Monaten: »Die Tat wurde den Angeklagten eindeutig nachgewiesen. Allerdings ist keiner ist zu Schaden gekommen«, sagte der Richter. Bei beiden sei keine positive Sozialprognose erkennbar, daher sei die Strafe nur ohne Bewährung möglich.

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