27. August 2008, 17:30 Uhr

Gefesselt in den Saal, auf freiem Fuß hinaus

Butzbach/Friedberg (lk). Gerade genug sprach am Ende für ihn, als dass man ihn einsgesperrt hätte: Der 35-jährige Butzbacher auf der Anklagebank des Amtsgerichts war geständig, hat eine recht positive Akte im Zentralregister und seiner Drogensucht hat er per Therapie ein Ende bereitet. So gab's zwar am Ende zwei Jahre Haft, doch die wurden auf Bewährung ausgesetzt.
27. August 2008, 17:30 Uhr

Dabei hatte es für ihn zunächst alles andere als gut ausgesehen: Im März letzten Jahres hatte der gebürtige Pole eine Garage und mehrere Autos aufgebrochen und ausgeräumt. Das Diebesgut reichte von CDs und einer Schirmmütze über Hustensaft, Handys und Bargeld. Staatsanwalt, Richter und Schöffen sahen in vier Fällen den Tatbestand des »besonders schweren Diebstahls« erfüllt.
Der Angeklagte zeigte sich von Anfang an einsichtig und reumütig, stritt seine Taten nicht ab und beschönigte nichts. Er berichtete, schwer drogenabhängig gewesen zu sein – und er schäme sich für die ganzen Sachen, die er gemacht habe. »Ich habe mich in eineinhalb Jahren mit den Drogen runtergerichtet«, sagte er. Doch obwohl seine Mutter gestorben sei und seine Frau ihn verlassen habe, sei er »clean«, betonte der Beschuldigte: »Ich habe mich vor mir selbst geekelt.«

Bereits im Februar war er wegen einiger Vergehen verurteilt worden, unter anderem ging es damals um Diebstahl und gefälschte Rezepte, die er in Friedberger und Bad Nauheimer Apotheken einlösen wollte. Seinerzeit erhielt er zehn Monate auf Bewährung und Arbeitsstunden in einem Altenpflegeheim, die er abgeleistet hat. Zur Verhandlung am 29. Juli war er dann aber nicht erschienen. Eine Stelle als Monteur in Belgien habe er bekommen, und darüber sei er so froh gewesen, dass er den Termin verpasst habe, erzählte der Butzbacher dem Gericht.

Vor dem Termin hatte er allerdings seine Schwester beauftragt, seinen Rechtsanwalt Schaal anzurufen und um eine Vertagung des Termins zu bitten. »Als Sie wussten, dass der Termin nicht abgesagt würde, hätten Sie kommen müssen«, warf ihm Staatsanwalt Alexander Hahn vor. »Ich habe die Prioritäten falsch gesetzt«, räumte der Angeklagte ein. Daraufhin erging ein U-Haft-Befehl gegen ihn – so dass er nun zur Verhandlung direkt aus dem Gefängnis geholt wurde – in Fußfesseln.

Dennoch regte der Vertreter der Anklage die Aussetzung der unumgänglichen Freiheitsstrafe auf Bewährung (150 Stunden gemeinnützige Arbeit) an. Der Verteidiger schloss sich an und gab in seinem Plädoyer zu bedenken, dass die Straftaten seines Mandanten in einer relativ kurzen Zeitspanne verübt worden seien und man seiner damaligen Drogenabhängigkeit Beachtung schenken müsse. »Er hat eine gute Sozialprognose, bemüht sich wieder auf die Füße zu kommen«, fasste Rechtsanwalt Schaal zusammen.

Richter Dr. Markus Bange und seine Schöffen sahen das offenbar ähnlich. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, verstößt er gegen die Auflagen, muss er zwei Jahre »brummen«. In seiner Urteilsbegründung verwies der Richter auf die gute Sozialprognose des Angeklagten, fand aber auch mahnende Worte: »Das ist Ihre allerletzte Chance.«



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