19. Juni 2008, 16:28 Uhr

Für Rita Herth ist die Kultur Lebensaufgabe

Butzbach (kop). 15 Jahre lang war die Kultur in Butzbach eng mit einem Namen verbunden: Rita Herth. Die Leiterin des Kulturamts nahm jetzt ihren Hut, ihre Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen.
19. Juni 2008, 16:28 Uhr
15 Jahre lang war der Name Rita Herth eng mit der Stadtkultur verbunden. (Foto: Kopp)

Nach 15 Jahren in Museum und Rathaus hatte sie den neuen Posten im Kulturamt angenommen und sich sofort daran gemacht, die geforderten Ziele in die Realität umzusetzen. Dabei kam ihr zugute, dass sie als »Butzbacher Mädchen« über viele Kontakte verfügte, später kamen zahlreiche Kontakte und Freundschaften mit Künstlern hinzu.

Das erste Ziel erreichte sie schon wenige Wochen nach dem Einzug ins Kulturamt: Der 500. Faselmarkt wurde nicht auf dem ungeliebten Festplatz an der Reithalle gefeiert, sondern wieder in der Innenstadt. Später wurde sie zur Marktmeisterin der Stadt ernannt.

Auch für die fest installierte Giebelbeleuchtung an den Marktplatzhäusern, die zur Advents- und Weihnachtszeit erstrahlen sollte, führte sie viele Gespräche mit den Anwohnern und Besitzern der Häuser – letztendlich waren alle überzeugt, und bereits 1993 erstrahlten die Lichter.

Eine Stärkung der Medienpräsenz für die Stadt war ein weiteres Ziel – diesmal halfen Rita Herths Kontakte zum Hessischen Rundfunk, Fernsehen und Radio berichteten fortan regelmäßig über die Stadt, die beim Städtewettbewerb »Acht und fertig los« den Titel holte, Stationsort der HR-Inliner-Tour wurde und regelmäßig im »Bilderbogen« und der »Hessenschau« auftauchte.
Für das »Problemkind« Kino sollte eine langfristige Lösung gefunden werden. Mit den Betreibern Raimund Schüttke und Ralf Bartel wurde ein Programmkino erfolgreich eingerichtet, auch Jugendfilmwochen und vor allem das erfolgreiche Open-Air-Kino wurden geboren.

Dass ein Kleinkunstprogramm Gewinn abwirft, ist für jede Kommune ein seltenes und daher freudiges Ereignis. In Butzbach klappt's. Sie trauerte lange dem »Deutschen Haus« nach, doch der Umzug ins Bürgerhaus erwies sich als richtige Entscheidung, über 200 der 250 Plätze sind von Abonnenten besetzt. Die Resttickets sind meist im Nu weg.

Mit dieser Stärkung im Rücken machte sich Rita Herth auch um die Theaterszene verdient. Im vergangenen Haushalt belastete die Theaterreihe jeden Bürger mit 2,16 Euro. »Was nix kostet, ist auch nix«, so ein Spruch von Rita Herths. Sie verband den kulturellen Anspruch aber auch immer damit, dass der Zugang zu den Angeboten für Familien jeden Einkommens erschwinglich sein musste. Das Kulturprogramm wurde durch Konzerte, Lesungen, Kabarett und mehr erweitert.

»Man muss sich um die Kultur kümmern. Die Künstler müssen sich wohlfühlen«, so eine weitere Maxime, die Herth trotz ihres oft mehr als ausgefüllten Tages vertrat. Wenn Künstler nicht zufrieden seien, komme auch keine vernünftige Show zustande. Im Gegenzug gäben die Kulturschaffenden ihr Bestes, wenn sie sich am Ort ihres Auftritts auch wohlfühlten. Dies wurde deutliche, als die Alte Turnhalle zu neuem Leben erweckt wurde.

Oft genug sah man Rita Herth selber am Tresen, um die Gäste mit Getränken und kleinen Speisen, oft in Eigenregie hergestellt, zu versorgen. Zwischendurch hatte sie immer ein Ohr für die Sorgen und Nöte der Künstler und Techniker.
Auch die Tourismusförderung lag zu einem guten Teil in ihren Händen. Die von ihr eingeführten kostenlosen Stadtführungen werden gut angenommen. Das Hinweisschild an der Autobahn, die von Museumsleiter Dr. Dieter Wolf erarbeiteten Stadtbroschüren und vieles mehr haben mit Herth'scher Initiative zu tun. Von Herth war immer wieder zu hören, dass Kultur und Tourismus auch für Firmenansiedlungen wichtig seien.

Herth gilt aufgrund ihrer Direktheit für manche Menschen als schwierig. Gleichzeitig beherrscht sie aber den Spagat, morgens mit einem Schafzüchter und abends mit dem Lyriker adäquat zu parlieren.

Da Herth Kauffrau gelernt hat, war sie immer in der Lage, einen umfassenden Etatbericht abzugeben und bereits im Vorfeld genaue Kostenberechnungen aufzustellen. Dies verschaffte ihr planerische Sicherheit, genauso wie die Gestaltungsfreiheit, die sie bei ihrem Amtsantritt vom damaligen Bürgermeister Klaus-Jürgen Fricke eingeräumt bekam. Später konnte Herth völlig frei entscheiden, der Magistrat erhielt nur noch Mitteilungen, um sein Okay zu geben.

Wurde es mit den Mitteln einmal knapp, scheute sie sich nicht, ihre Konzepte bei verschiedenen Sponsoren vorzustellen. Oftmals gelang es ihr so, finanzielle oder materielle Unterstützung für einzelne Veranstaltungen zu bekommen.
Am 10. Juni war ihr letzter Arbeitstag. Herth will nun erstmal viel Urlaub machen, kulturelle Programme und verschiedene Städte besuchen. Aber auch beim Open-Air-Kino wird sie voll engagiert sein.

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