06. April 2011, 10:30 Uhr

Vom Aussterben bedrohte Tiere: Familie Schneider kümmert sich

Büdingen (sax). Eine kleine Attraktion ist seit dem Wochenende wieder am Fuß der Hardeck in Orleshausen zu sehen. Gemeinsam mit dem Ehepaar Pfeiffer trieb Anita Schneider am Samstagvormittag eine kleine Ziegenherde von ihrem Hof auf die Weide, wo die Tiere den Sommer verbringen sollen.
06. April 2011, 10:30 Uhr
Der Auftrieb zur Weide ist für Familie Schneider und ihre Tauernscheckenziegen ein besonderer Tag. (Fotos: sax)

»In zwei bis drei Tagen hat sich das hier rumgesprochen, das gibt jetzt die Anlaufstelle für die Kinder«, weiß Schneider, die sich gemeinsam mit ihrer Familie um vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen kümmert.

Den Winter haben die Tiere im Stall verbracht. Der Almauf- und Abtrieb ist für die Ziegen und Familie Schneider ein besonderes Ereignis, der auch von den Tieren ungeduldig erwartet wird. Begleitet werden sie dabei von Hund »Walli«. Wer die Gruppe auf ihrem Weg aus dem Dorf sieht, kommt kaum auf die Idee, dass er gerade vom Aussterben bedrohten Tieren begegnet.

Doch sowohl der Appenzeller Sennenhund »Walli« als auch die fünf Tauernscheckenziegen gehören extrem seltenen Haustierrassen an. Neuere Züchtungen, die mehr Milch und Fleisch versprechen, und Moden haben sie verdrängt. Diesen Trend der Abkehr von alten Rassen will der Verein VIEH (die Abkürzung steht für »Vielfältige Initiativen zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen«) bremsen.

Karl-Heinrich Schneider wusste noch nichts von dem Verein, als er auf den Hund kam. 1992 schaffte er sich den ersten Appenzeller Sennenhund an. Mit den Schwarzwälder Kaltblütern stand zwei Jahre später die nächste bedrohte Rasse auf dem Hof. Die erste Tauernscheckenziege kam 2003. Die seltenen Rassen hatten sich eher zufällig auf dem Hof eingefunden. Ein Bekannter sprach Schneider auf das Konzept »Nutztierarche« von VIEH an. Demnach sollen Züchter, ähnlich wie der biblische Noah, einige Exemplare gefährdeter Rassen bewahren und damit deren Aussterben verhindern.

Das kann mit einigem Aufwand verbunden sein. Der Bock, der die Tauernschecken der Schneiders deckte, gehörte einem Züchter aus Kassel. Er traf sich mit den Schneiders extra an einer Raststätte bei Fulda, um ihnen den Bock auszuleihen. Die Schneiders haben offenbar Geschmack an dem Gedanken der »Nutztierarche« gefunden. Neben Pferden, Ziegen und Hunden finden sich inzwischen auch Bartkaninchen, Sundheimer Hühner und Klätschertauben auf dem Hof.

Das Konzept lässt nicht nur zu, die Tiere als Nahrung zu nutzen. Es sei für den Erhalt der Rassen sogar notwendig, Fleisch und Eier der Tiere zu verwenden, heißt es in einem Faltblatt des Vereins. Wichtig sei aber ein »Tierdasein, so lebenswert wie möglich«, steht über dem Bild eines Schweins, das sich im besten Sinne »sauwohl« fühlt.

Auch den Tieren der Schneiders ist diese Entspanntheit anzumerken. Sie bewegen sich nahezu frei auf dem Hof. Beim Gang zur Weide schauen sich die Ziegen neugierig um. Fast hätten sie auch den Winter dort verbracht. Karl-Heinrich Schneider wollte sie eigentlich über den Winter nicht in den Stall holen. »Trockene Kälte macht den Ziegen nichts aus«, erklärt er. Schließlich hätten sie ihren Namen nach einem Teil der österreichischen Alpen bekommen. »Aber da kamen von verschiedenen Familienmitgliedern Einwände«, berichtet er mit einem vielsagenden Blick zu seiner Frau.

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