24. Mai 2009, 18:40 Uhr

An Stationen deutscher Geschichte erinnert

Büdingen (pdw). Ein würdiges Fest für ein bedeutendes Jubiläum haben Wetteraukreis, Stadt Büdingen und Büdinger Geschichtsverein mit der Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der Ratifizierung des Grundgesetzes auf die Beine gestellt. Der Stadtverordneten-Sitzungssaal war gut gefüllt, die Reden und die musikalische Umrahmung durch die Musik- und Kunstschule gaben der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen.
24. Mai 2009, 18:40 Uhr
Das Streicherquartett der Büdinger Musikschule intoniert in höchster Perfektion die Melodie der deutschen Nationalhymne.

Büdingen (pdw). Ein würdiges Fest für ein bedeutendes Jubiläum haben Wetteraukreis, Stadt Büdingen und Büdinger Geschichtsverein mit der Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der Ratifizierung des Grundgesetzes auf die Beine gestellt. Der Stadtverordneten-Sitzungssaal war gut gefüllt, die Reden und die musikalische Umrahmung durch die Musik- und Kunstschule gaben der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen.

Prof. Alexander Demandt erinnerte in seiner Festrede daran, dass die Bundesrepublik in ihrer Langlebigkeit nur vom Heiligen Römischen Reich Karls des Großen übertroffen werde. Der emeritierte Geschichtsprofessor streifte alle wichtigen Stationen deutscher Geschichte von der Währungsreform über die Berlin-Blockade, den Parlamentarischen Rat, die Gründung der Bundesrepublik und ihren föderativen Staatsaufbau, der gegen den Widerstand der Alliierten durchgesetzt wurde, bis hin zu Entnafizierung, Wiedergutmachung und Lastenausgleich. Mit dem Wirtschaftswunder und dem Wunder von Bern gewann das Land sein Selbstbewusstsein zurück. Es kamen Wohlstand und Volkswagen dazu, zumindest für die Bundesrepublik, das sich unter Adenauer der Westbindung verschrieb.

Den politischen Höhepunkt erlebte Adenauer vielleicht mit der Überführung der letzten überlebenden deutschen Kriegsgefangenen aus Sibirien. Einen Tiefpunkt der Nachkriegsgeschichte bildete die Errichtung der Berliner Mauer durch das SED-Regime.

Als Ruhmesblatt der deutschen Geschichte bezeichnete Demandt die friedliche Revolution von 1989, die zeigte, dass ein Regime auch unblutig beseitigt werden kann. »Die Folgeprobleme des Anschlusses waren vorhersehbar, aber nicht vermeidbar. Das kurzfristige Konsumbegehren rangierte vor der langfristigen Wirtschaftshilfe, sodass viele Betriebe im Osten dem Wettbewerb nicht gewachsen waren.«

60 Jahre Bundesrepublik seien Grund zum Stolz, aber auch Anlass zu Bedenken, etwa durch die Folgen der Technik, bei der Maschinen immer mehr die Arbeitskraft ersetzen und Arbeitslosigkeit produzieren. »Die ausufernde Produktion übersteigt den Bedarf. Heute kommen mehr verwendbare Güter in den Abfall, als vor 50 Jahren überhaupt hergestellt wurden. Eine Entschleunigung würde Ressourcen sparen und Arbeitszeit verkürzen.«

Kritisch sieht Demandt auch die Rolle Deutschlands als drittgrößter Waffenexporteur. Gleichwohl bekannte er, dass er zu keiner anderen Zeit und in keinem anderen Land leben wollte »als hier und heute in unserer Bundesrepublik im Herzen Europas. Hoffen wir, dass dies zum 100. Geburtstag unseres Staates auch noch gesagt werden kann«.

Landrat Joachim Arnold sprach vom Aufbauwillen der Eltern- und Großelterngeneration, die Verantwortung übernommen hätten, statt nach Lohn und Belohnung zu fragen. Die schwerste Krise, die unser Land derzeit durchmache, habe viele Menschen verunsichert. Es gelte Regeln aufzustellen, damit sich so etwas nicht wiederhole. Ein guter Schritt aus dem Weg aus der Krise sei das Konjunkturprogramm.

Willi Luh, Vorsitzender des Büdinger Geschichtsvereins, beschloss die gut besuchte Veranstaltung mit einem sehr persönlichen Nachwort. Als junger Kriegsteilnehmer wurde er gegen Ende des Krieges noch schwer verletzt, konnte aber dennoch sein Lehramtsstudium bald nach dem Krieg beginnen - »in einer Stadt, die in Trümmern lag, doch immerhin in Freiheit und Würde, befreit von den Gedanken der NS-Ideologie«. (Fotos: pdw)

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