13. März 2017, 20:09 Uhr

Zweifeln, hoffen – Luther

13. März 2017, 20:09 Uhr
Avatar_neutral
Von Jürgen Schenk
Gideon Kauffeldt und Julia Zeifang als Martin Luther und Magd Therese diskutieren über die Frage, wie Gott ist. Sie spielen im Gottesdienst in der St.-Michaelis-Kirche Szenen aus Luthers Leben. (Foto: jsl)

Der Ideenvielfalt im Lutherjahr sind keine Grenzen gesetzt. Die evangelischen Gemeinden in Karben haben sich zu diesem Thema viele Gedanken gemacht. In der Kirchengemeinde St. Michaelis in Klein-Karben hat eine Jugendgruppe ein dreiteiliges Theaterstück inszeniert, in dem das Leben des Reformators Martin Luther szenenweise beleuchtet wird. Entwicklungen werden dargestellt und Hinweise für sein späteres Wirken gegeben.

Im ersten Teil erfuhren die Zuschauer, mit welchem Ehrgeiz Martin Luther von seinen Eltern erzogen wurde. Strenge und die Angst vor Strafen gehörten zu seinem Kinderalltag. Der zweite Teil widmete sich dem Konflikt mit seinem Vater. Schon als Jugendlicher wollte Luther zu den Augustinermönchen ins Kloster, während sein Vater für ihn den Beruf des Juristen vorgesehen hatte. Auf dem Weg von Mansfeld nach Erfurt geriet Luther einmal in ein schweres Gewitter. In seiner Todesangst gelobte er der heiligen Anna: »Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden.« Nach seiner Rettung setzte er dies in die Tat um, wodurch der Streit mit seinem Vater eskalierte.

Der dritte Teil wurde am Sonntag in St. Michaelis während des gemeinsamen Gottesdienstes mit der Kirchengemeinde Rendel aufgeführt. Die Darsteller waren vier ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden, die sich in einer Jugendgruppe der Kirchengemeinde engagieren. Gideon Kauffeldt (16) spielte Martin Luther und Julia Zeifang (16) die Dienstmagd Therese. Beide trugen zeitgenössische Gewänder. Gott hatte seinen Platz auf der Empore, hinter einer transparenten Wand, und wurde von Laura Kaps (15) und Lucas Fass (16) gesprochen.

Pfarrer Werner Giesler schrieb die Szenen. Die gezeigte spielte in Luthers Studierzimmer im Kloster Wittenberg, wo er sich auf eine Vorlesung an der Universität vorbereitete. Mitten in seinem Selbstfindungsprozess waren für ihn in dieser Zeit die zentralen Fragen: »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie ist Gott?« Eine Antwort lieferte Magd Therese: »Gott ist groß, unendlich, ewig und gnädig.«

Die Menschen mit all ihren Fehlern und Eifersüchteleien sollten immer darauf vertrauen, dass Gottes Gnade groß genug für alle sei.

»Wer Gott vertraut, der erkennt, Gott ist gnädig«, predigte Pfarrer Giesler. »Luther hatte Angst vor der Hölle. Die katholische Kirche mit ihrer Strenge und ihren Höllendrohungen brachte ihn dazu, sich von ihr abzuwenden.« Das sei bei den Menschen von heute nicht anders. Eine strafende Kirche schaffe nun einmal kein Gottvertrauen, sondern bewirke eher das Gegenteil. Der Satz »Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort« aus dem Mund eines Erwachsenen hätte ihn schon als Kind nachts nicht schlafen lassen.

Der Gottesdienst war gut besucht. Viele Kirchgänger wollten wissen, wie das Luther-Schauspiel weitergehen würde. Grundschullehrerin Sabine Lazar aus Rendel, die mit ihrer Klasse gerade das Thema Luther behandelt, war begeistert: »Fantastisch. Man merkt, dass das Theaterspielen ein Hobby des Pfarrers ist. Die Jugendlichen sind unter seiner Regie in den Gruppen kreativ. Alle drei Teile waren sehr abwechslungsreich präsentiert.«

Auch das Fazit von Erika Heckel aus Klein-Karben war positiv: »Es war super. Pfarrer Giesler versteht es einfach, die Jugendlichen auch nach der Konfirmation an die Kirche zu binden. Theaterspielen ist eine hervorragende Methode, die Sprachgewandtheit zu fördern.« Ein Extralob von allen Seiten bekamen die vier Jugendlichen für ihre schauspielerische Leistung. »Dafür haben wir drei Wochen geprobt«, verriet Lucas Fass mit. »Insgesamt waren es fünf Proben.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos