04. April 2017, 14:00 Uhr

Hassia

»Zucker ist der neue Tabak«

Wenn es heiß ist, trinken wir viel. Aber was passiert, wenn der Sommer ausfällt? Dann wird weiter viel Wasser, aber weniger Säfte und Apfelwein getrunken - sagen zumindest die Hassia-Zahlen.
04. April 2017, 14:00 Uhr
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Von Holger Pegelow
Mineralwasser ist nach wie vor Durstlöscher Nummer eins, dagegen geht der Absatz von Süßgetränken und in einem mauen Sommer wie dem von 2016 auch der von Apfelwein zurück. (Symbolfoto: dpa)

Die Metereologen haben das vergangene Jahr zwar als das wärmste seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen gewertet, aber die Menschen haben das ganz anders in Erinnerung. Zudem gibt es Statistiken, die eine andere Sprache sprechen, etwa die der Hassia-Unternehmensgruppe. »Wir haben im Juli und August 2016 eine deutlich schlechtere Situation gehabt als zum gleichen Zeitraum 2015«, sagt einer der Geschäftsführer der Gruppe, Ullrich Schweitzer. Damit meint er den Absatz von Mineralwasser. »Wenn wir über 30 Grad haben, geht die Nachfrage nach Mineralwasser explosionsartig in die Höhe«, weiß er um die Auswirkungen des Wetters auf den Getränkeabsatz. Wenn es wie 2015 über 20 Tage hintereinander so heiß sei, laufen laut Schweitzer im Unternehmen an der Gießener Straße alle Kapazitäten auf Hochtouren. Dann müssen sogar die Süßgetränke dem Mineralwasser Platz in den Abfüllanlagen machen. Im Jahr 2016 sei das anders gewesen: Da sei der September ein Sommermonat gewesen, aber in den Monaten zuvor war hier keine zusätzliche Schicht angesagt.

Außer Mineralwasser hat nach Angaben Schweitzers auch der Apfelwein eine »hohe Wetterabhängigkeit«. Die sogenannten Intensivverwerter von Apfelwein, also diejenigen, die ständig Apfelwein trinken, lassen sich durch kühlere Temperaturen nicht abhalten. »Aber wenn es heiß ist, fragen auch die temporären Verwerter nach einem schönen Gespritzten«, weiß der Geschäftsführer. Dagegen sei die Saisonabhängigkeit bei Cola sehr gering.



»Zucker ist der neue Tabak«

Hassia BV
Ullrich Schweitzer, einer der Geschäftsführer der Hassia-Gruppe, erklärt den Einfluss des ...

Dennoch: In der Bilanz der Hassia-Gruppe, zu der unter anderem die Marken Rapps (Karben), Höhl, Kumpf, Lichtenauer Mineralquellen, Glashäger Brunnen-ä, Thüringer Waldquell und Wilhelmsthaler Mineralbrunnen gehören, schlägt sich die letztjährige Debatte um Zucker in den Getränken nieder. »Zucker ist der neue Tabak«, sagt Schweitzer. Davon sei allerdings die gesamte Branche betroffen. In der offiziellen Bilanz liest sich das so: »Während die mineralwasser-affinen Marken überproportional wachsen, können sich reine Süßgetränkemarken wie Bizzl oder Marken mit hohem Süßanteil wie Lichtenauer, der negativen Marktentwicklung nicht entziehen.« Vor allem bei Schorlen ging der Absatz um fast 15 Prozent zurück, bei Limonaden um 2,4 Prozent. Dagegen wuchs der Absatz von Rosbacher Wasser und die für Babynahrung geeignete Elisabethenquelle deutlich über dem Branchendurchschnitt.

Klar über dem Durchschnitt liegt bei der Unternehmensgruppe auch der Anteil der Mehrwegflaschen. 91 Prozent aller alkoholfreien Getränke sind in Mehrwegflaschen abgefüllt. National liegt die Mehrwegquote bei knapp 24 Prozent, in Hessen bei rund 34 Prozent. Deshalb lässt die dieser Tage vom Bundestag verabschiedete Novellierung der Verpackungsverordnung, mit der unter anderem die Mehrwegquote erhöht werden soll, das Bad Vilbeler Familienunternehmen auch weitgehend kalt. »Hassia bekennt sich klar zu Mehrweg, ist aus Marktgründen aber auch gezwungen, einige Getränke in PET-Flaschen abzufüllen«, sagt Schweitzer. Er hat die Erkenntnis, dass die Verbraucher glauben, wenn sie für Getränke Pfand zahlen, seien das Mehrwegflaschen. In Zukunft werde man an den Regalen deutlicher auf die Mehrwegflaschen hinweisen. »Auf den Flaschenetiketten haben wir die Auszeichnung schon verbessert.«

Apropos Auszeichnung: Hassia deklariert laut Schweitzer seit einiger Zeit sämtliche Inhaltsstoffe aller Getränke. Man sei eines der wenigen Unternehmen, das eine solch große Produkttransparenz biete.



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