29. Juni 2017, 20:30 Uhr

Zu Hause alt werden

29. Juni 2017, 20:30 Uhr
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Von Jürgen Schenk
Andrea Jädike, Fachberaterin in der Altenhilfe, informiert Karbener Seniorinnen und Senioren über das Wohnen im Alter. (Fotos: Niehoff)

Im Alter über sich selbst bestimmen und für sich selbst sorgen können, ist der Wunsch der meisten Menschen. In einer Gesellschaft, deren durchschnittliche Lebenserwartung enorm gestiegen ist, kommt der Frage nach dem Wie jetzt eine immer größere Bedeutung zu.

In den eigenen vier Wänden alt werden, will natürlich jeder. In vergangenen Zeiten gehörte das zur Struktur einer Familie dazu. Mit dem Wandel im Zusammenleben haben sich die Ansichten allerdings verändert. Können sich die alten Menschen überhaupt allein versorgen? Wie steht es mit ihrer Mobilität und Gesundheit? Diesen Fragen widmet sich in Karben der Ambulante Pflegedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Am Mittwoch fand in der Ramonville Straße ein Informationsabend zum Thema »Wohnen im Alter« statt, bei dem wichtige Aspekte zum barrierefreien Wohnen vorgestellt wurden.

»Wir betreuen die alten Menschen zu Hause und geben ihnen Hilfestellungen im Alltag«, klärte Pflegedienstleiterin Birgit Kittner-Meier die anwesenden Senioren auf. »Dazu gehört vor allem die tägliche Körperhygiene. Die gesamte Pflege, die man aus den Krankenhäusern kennt, kann zu Hause stattfinden. Wir können alles machen, auch in der Endphase des Lebens. Es gibt keinen Grund, warum jemand nicht im eigenen Heim bleiben sollte.«

Beratung und Tatkraft stünden seit 25 Jahren beim ASB-Pflegedienst an erster Stelle, so Kittner-Meier weiter. In Karben versorge man im Augenblick rund 250 Kunden, weitere Einzugsgebiete seien Schöneck und Nidderau.

Andrea Jädike von der Fachberatung Altenhilfe in Karben machte es gleich zu Beginn ihres Vortrags deutlich: »Etwa 93 Prozent der älteren Menschen leben zu Hause, häufig in der seit langem bewohnten, vertrauten Wohnung. Dort möchten sie wohnen bleiben«, sagte sie.

In einem Powerpoint-Vortrag wurde den Senioren gezeigt, wie man sicher, praktisch und bequem in den eigenen Räumlichkeiten leben kann. Für ein solches barrierfreies Wohnen im Alter müssen allerdings diverse Voraussetzungen erfüllt sein. Oft gehören im Vorfeld Wohnungsanpassungsmaßnahmen dazu, die relativ kostspielig sein können. Ebenerdige Duschen, Einbau von Rampen oder Lifts, Türverbreiterungen, Haltegriffe, Stütz- und Gehhilfen werden teilweise von den Krankenkassen finanziert, nachdem der Behinderungsgrad der Patienten festgestellt wurde. Die Bewegungsflächen in Räumen und Fluren sind genormt und betragen nach DIN 18040 für barrierefreies Bauen 1,20 Meter mal 1,20 Meter, für Rollstuhlbenutzer 1,50 Meter mal 1,50 Meter.

»Der Umbau eines Hauses zum altersgerechten Wohnen ist eine enorme Wertsteigerung«, betonte Andrea Jädike. »Das ist das, was wir für die Zukunft brauchen. Neubauten sollten eigentlich von vorn herein barrierefrei geplant und gebaut werden, leider halten sich längst nicht alle an die geltenden Normen. Bei manchen ist es einfach noch nicht angekommen. Der ASB besitzt keine solchen Wohnungen in Karben, nur die Johanniter und die Stadt.«

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung verwies Jädike auf den beliebten Menüservice des Arbeiter-Samariter-Bundes. Etwa 120 Haushalte in Karben würden derzeit davon Gebrauch machen. Gegen kleines Geld könnten sich alte Menschen und Hilfsbedürftige Essen ins Haus servieren lassen.

Es entwickelte sich eine angeregte Unterhaltung unter den Anwesenden. Die Moderatorin erhielt einige Zwischenfragen, die sie beantworten durfte. Man gab sich auch gegenseitige Tipps, wo potenzielle Gefahrenquellen liegen: Der lieb gewonnene Teppich im Wohnzimmer könne mit seiner Kante schnell zur Stolperfalle werden, mahnte eine Dame nicht zu Unrecht.



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