09. August 2018, 19:04 Uhr

Würstchen mit Ehekrach

Bei den Burgfestspielen wird der Bereich rund um die Burg zu einem Ort der Begegnung. Dabei treffen unvergessliche kulturelle Höhepunkte auf besondere kulinarische Akzente. Jan Sir, Johannes Hoerschelmann und Konditorin Julia Heinzelmann kreieren während der viermonatigen Saison jede Woche einfallsreiche Speisen.
09. August 2018, 19:04 Uhr
So einfallsreich, bunt und frisch sieht Couscous bei den Burgfestspielen aus (v. l.): Koch Johannes Hoerschelmann, Konditorin Julia Heinzelmann und Caterer Jan Sir präsentieren kulinarische Vielfalt in der Burg. (Foto: geo)

Die Burg und Jan Sir – das passte schon als der Caterer noch ein Kind war. »Damals spielte ich in der Ruine, heute arbeite ich hier«, sagt der 47-Jährige und lächelt. Gerade hat er die Pflanzen in den Blumenkästen des Außenbereiches gegossen und Lebensmittel in das Kühlhaus eingeräumt. Kurz danach sitzt er unter einer Platane und erzählt von seinem Job. Auch Koch Johannes Hoerschelmann und Konditorin Julia Heinzelmann kommen dazu. Viel Zeit bleibt nicht. Vorbereitungen für den Abend müssen getroffen werden – die Schnitzel warten darauf, paniert zu werden.

»Das Maximum sind 180 Essen an einem Abend«, erzählt Sir. Seit 1995 ist er Gastronom der Burgfestspiele und Teilhaber der Alten Mühle. Zu seinen Aufgaben gehört es, Reservierungen anzunehmen und Sitzplätze zu verteilen. Er dekoriert, repariert, putzt und inventarisiert. Gekocht wird im weißen Container in einer Mauerecke vor dem Kartenbüro. Ein angeschraubtes Schild mit der Aufschrift »Zur Goldenen Giraffe« vermittelt auf humorvolle Weise Restaurantflair.

Drei Theken im Burghof

Die zubereiteten Speisen werden an den drei Theken im Burghof und der Essensausgabe den Besuchern gereicht. Zwischen Wiener Würstchen und Grüner Soße hat das Trio schon viel erlebt: Es sei schon zu Ehekrach und Trennungen gekommen. Zu den Details schweigt das Team, das trotz der vielen Arbeit die Theaterluft und die Atmosphäre der Burg zu schätzen weiß.

Heinzelmann ist bereits im dritten Jahr dabei. »Wir sind in der Küche sehr experimentierfreudig, versuchen ab und zu etwas Neues auf den Teller zu bringen, wie Orangen-Couscous mit Feta und Auberginen«, sagt die 25-Jährige. Doch das Publikum wünsche sich eher regionale Produkte von umliegenden Höfen und Metzgereien der Region. Die Kartoffeln werden von einem Bauernhof in Karben geliefert, Salat vom Riedhof. Etwa 80 Kilogramm Kartoffeln sind es täglich, je 30 Kilogramm Karotten und Rote Beete, sechs Kilogramm Salat und fünf Kilogramm Schweinefleisch für die Schnitzel. »Es ist ein schönes Gefühl, mit guten Rohstoffen zu arbeiten«, sagt Heinzelmann. In der diesjährigen Saison beliebt war die Grüne Soße mit Schnitzel und Kartoffeln.

Ein Wechsel auf der Speisekarte ist laut Sir schon wegen der fünf Eigenproduktionen sinnvoll. »Da kommen fünfmal die gleichen Leute, schauen sich alle Stücke mit ihren Kindern und Enkeln an«, sagt Sir. Informationen über die zu erwartenden Besucher erhält die Küche über das Vorverkaufsbüro. Auch die Wetter-App ist ein nützliches Planungsinstrument.

»Das ist meine siebte Saison in der Burg. Davor habe ich in vielen anderen Catering-Betrieben und Küchen in Hessen gearbeitet«, sagt Hoerschelmann, der die mediterrane Küche bevorzugt. Bei hochsommerlichen Temperaturen bietet er den Festspielbesuchern knackige Sommersalate an.

Auch asiatischer Glasnudelsalat mit Erdnuss-Chili-Hähnchen, Couscous mit Minz-Dip, Tomaten-Mozzarella-Bällchen in Basilikum-Pesto oder Süßkartoffeln mit gegrillten Champignons und Salbeibutter stehen auf der Karte. »Die ist sehr wetterabhängig«, sagt der Koch.

Bedient werden die Festspielbesucher von 20 Studenten und Schülern aus Bad Vilbel. Hoerschelmann ist für die Organisation und Produktion zuständig. Zu den beliebten Sommergetränken zählt der Burg-Sprizz mit Prosecco und Martini.

Stark nachgefragt werden auch Weißweine aus deutschen Anbaugebieten. Im Vorfeld der Aufführungen können Besucher ab 18.30 Uhr dinieren und zwischen zehn verschiedenen Speisen wählen. Auch für Vegetarier gibt es ein gutes Angebot, Veganern schmecken die Eissorten Zitronen-Sorbet und Cassis-Sorbet. »Die Festspielbesucher kommen zur Aufführung, um eine Sinneserfahrung zu erleben. Sir: »Die Speisen des Caterers müssen diese Erfahrung kulinarisch aufnehmen und unterstützen.«

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