14. August 2018, 20:11 Uhr

Worüber sich der Chef ärgert

Claus-Günther Kunzmann ist ständig auf Achse. Der Burgfestspiel-Intendant, Bad Vilbeler Hessentagsbauftragte, Vereinschef und Kulturamtsleiter hat einen vollen Plan. Dabei hat er immer einen Blick auf Details. Ein Tag mit ihm gibt überraschende Einblicke.
14. August 2018, 20:11 Uhr
NMA

Kurz bevor die Nachmittagsvorstellung »Pippi Langstrumpf« in der Bad Vilbeler Wasserburg startet, kommt Claus-Günther Kunzmann an – und steht prompt vor der ersten Herausforderung. »Der Sprudel ist ausgefallen«, stellt der Intendant beim Gang über die Brücke fest. »Das ist zwar kein großes Problem, aber es ist schade.«

Freundlich begrüßt er die Damen am Einlass. Die meisten Besucher haben sich bereits zu ihren Plätzen begeben, lediglich am Eisstand steht noch eine Schlange. Wer kümmert sich nun um den ausgefallenen Brunnen? Er spricht mit zwei der technischen Mitarbeiter, telefoniert. Damit ist das vorerst erledigt.

Kurz bevor die Schauspieler auf die Bühne treten, geht Claus-Günther Kunzmann seinem Ritual nach. »Ich mache einen Rundgang, bei dem ich konsequent nach Kleinkram schaue.« Zuerst blickt er gen Himmel. Wolken und Wind sind aufgezogen, ein Blick aufs Smartphone. »Um Vilbel herum regnet es, aber das kommt nicht hierher.«

In diesem Sommer war das Wetter noch kein Problem. »Auch die Hitze hat die Besucher nicht abgehalten.« Der Weg seiner Kontrollrunde, den er vor fast jeder Vorstellung abläuft, führt zuerst in Richtung Burgkeller, davor dreht der Intendant an einem kleinen Hahn in der Wand. »Der Löschwasserverteiler muss ein Mal pro Woche gespült werden.«

Kette räumen, Müll sammeln

Er räumt die Ketten beiseite, die zum Absperren des Kellers vor die Treppen gehängt werden, nun aber vor den Stufen liegen. Kunzmann bittet eine der Servicekräfte im Vorbeigehen darum, die Tischdecken wegen des Windes festzumachen. Ihm fällt auf, dass ein Teil des Blickschutzes, der normalerweise die Sicht in den Zuschauerraum versperrt, nicht da ist. Flugs bückt er sich, um Müll aufzusammeln, der im Burghof liegt.

Die Vorstellung beginnt, es wird ruhig in der Burg. Bei Claus-Günther Kunzmann legt sich etwas die Anspannung. Es ist Halbzeit an seinem langen Arbeitstag. Er bekommt einen Tee gereicht, auch das ist ein Ritual.

»Morgens haben wir im Rathaus mehrere Stunden über das Sicherheitskonzept des Hessentages gesprochen. Von dort bin ich gerade zurückgekommen«, verrät er. Feuerwehr und Polizei sowie Vertreter von der Stadt seien dort gewesen. Die Arbeiten zum Sicherheitskonzept stehen noch am Anfang. Zwar gebe es einen Leitfaden des Landes, doch sei dieser sehr allgemein und müsse angepasst werden.

Jetzt widmet sich Kunzmann der Büroarbeit. Dabei steht er immer in Funkkontakt mit den Mitarbeitern in der Burg. »Wenn ich mittags Zeit habe, heißt das, dass in der Burg nichts schiefgegangen ist«, erklärt er und lacht. »Es ist mir sehr wichtig, dass wir einen hohen Grad an Perfektion haben.« Deshalb hat ihn der Ausfall des Sprudels so geärgert. »Ich achte wirklich genau darauf, dass kein Papier herumliegt, dass die Fahrradständer richtig stehen oder auch die Stühle alle richtig stehen.« Er sei derzeit eingespannt, gibt er zu. »Es wird schon eng.« Seine Rolle als Vorsitzender des Geschichtsvereins käme momentan etwas zu kurz. »Die ein oder andere E-Mail bleibt auch liegen und manches muss man komprimieren«, sagt er. »Zum Glück gibt es Leute, die mitarbeiten.«

Die Verantwortlichen für die Abendspiel-Leitung und Jenny Wiebrecht, die in diesem Jahr die Bühnentechnik betreut, würden einen tollen Job machen. »Da kann ich mich drauf verlassen. Das ist sehr entlastend.«

Nach der Kindervorstellung wird umgebaut. »Ein Käfig voller Narren«, steht auf dem Abendprogramm. Kunzmann ist dabei, aber nur bis 18.30 Uhr, da steht eine Führung an, die er leitet. Etwa 25 Gästen gewährt der Burgfestspielchef einen Blick hinter die Kulissen. Nach der Runde steht erneut der obligatorische Kontrollrundgang an, denn das Abendstück beginnt. Nach dessen Ende begrüßt Claus-Günther Kunzmann Lokalpolitiker, die aus Nordhessen gekommen sind.

Nun ist es fast 24 Uhr. Der Tag des Vilbeler Tausendsassas endet. Auch hierfür gibt es ein Ritual: »Ich gönne mir ein Glas Prosecco in der Burg. Das hat die Gastronomie mittlerweile schon für mich vorbereitet.«



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