03. Oktober 2019, 18:41 Uhr

»Work-Life-Balance ist wichtig«

Die Punktum Werbeagentur in Bad Vilbel gehört zu einem von zwölf Wetterauer Betrieben, die in diesem Jahr vom Kreis als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet wurden. Frank Hussendörfer, Geschäftsführer der Bad Vilbeler Agentur, spricht über die Herausforderungen und Möglichkeiten, die moderne Führung von Mitarbeitern mit sich bringt.
03. Oktober 2019, 18:41 Uhr
Geschäftsführer Frank Hussendörfer lässt seinen Mitarbeitern viele Freiheiten. Das Arbeitsklima profitiert davon, doch sind für ein solches Verhältnis beide Seiten gefordert, sagt er. (Foto: Niklas Mag)

Herr Hussendöfer, Ihr Unternehmen ist vom Wetteraukreis als »familienfreundliches Unternehmen« ausgezeichnet worden. Was heißt das?

Frank Hussendörfer: Das bedeutet, dass wir bei uns ziemlich flexibel sind bei der Einteilung der Arbeitszeiten bezüglich Mitarbeitern. Das kommt vor allem denen, die Kinder haben, zugute. Kompetente und motivierte Mitarbeiter sind wichtig, deshalb versuche ich, Mitarbeiter zu bekommen, die gut ins Team passen. Wenn ich so jemanden gefunden habe, können wir familiäre und berufliche Interessen gut verbinden.

Wie funktioniert das praktisch?

Hussendörfer: Kinder und Familie sind ein ganz wichtiges Thema und wenn mal etwas ist, sei es, dass die Kita streikt oder das Kind krank wird, organisieren wir das eben so, dass sich der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin darum kümmern kann. Unsere Erfahrung ist eigentlich, dass auch Kunden damit gut umgehen können.

Denken Sie, dass diese Flexibilität einen guten Arbeitgeber ausmacht?

Hussendörfer: Wir haben sehr gute, sehr kompetente Mitarbeiter und ich glaube, dass wir durch die Möglichkeit, diese Flexibilität zu bieten, überhaupt in der Lage sind, solche Mitarbeiter zu bekommen.

Stichwort Fachkräftemangel?

Hussendörfer: Ja, denn dieser ist auch in unserer Branche massiv zu spüren. Wenn es ein Gegeneinander ist im Betrieb, bekomme ich unmotivierte Mitarbeiter oder auch nicht die fähigsten. Wir hatten bis vor Kurzem eine Stelle für Teilzeit ausgeschrieben und hatten über 100 Bewerbungen auf diese Stelle. Die letzten vier Finalistinnen waren allesamt Mütter, die den Wiedereinstieg ins Berufsleben gesucht haben und denen die Regelungen bei uns deshalb sehr entgegenkamen.

Man hört, jungen Arbeitnehmern, die erstmalig ins Berufsleben einsteigen, sind Freiheiten wichtiger als das Gehalt. Machen Sie diese Erfahrung auch?

Hussendörfer: Das merken wir auch. Das Wort »Work-Life-Balance« ist dabei ganz wichtig. Diese Thematiken haben in den Bewerbungsgesprächen stark zugenommen. Ich verfolge das jetzt seit 20 Jahren und während es früher vor allem um harte Fakten ging, wie das Gehalt, die Zahl der Urlaubstage oder zusätzliche finanzielle Boni, sind heutzutage der Team-Gedanke, die Flexibilität und gewisse Freiheiten viel wichtigere Themen in den Bewerbungsgesprächen. Auch der Spaß an der Arbeit ist etwas, was junge Leute suchen, und diesen ist das deutlich wichtiger, als im Zweifelsfall 50 Euro mehr zu verdienen.

Was ist Ihre Strategie, wie gewinnen Sie die jungen Leute für sich?

Hussendörfer: Wir merken, dass wir mit unserer Flexibilität und dem Arbeitsklima und dem vollen Freizeitausgleich wirklich punkten können bei den jungen Bewerbern. Bei den Probearbeitstagen schauen diese sich das Team und das Arbeitsumfeld sehr genau an. Die finanziellen Anreize oder ob es einen Dienstwagen gibt, sind nicht mehr ganz so wichtig.

Woran liegt es, dass es in vielen Firmen nicht gut funktioniert, solche Flexibilität zu integrieren?

Hussendörfer: Ich sage das mal andersherum: Wir sind hier im Dienstleistungsbereich, wo wir ausschließlich sehr gut ausgebildete Leute haben, die dementsprechend eine große Eigenverantwortung mitbringen. Ich kann mir vorstellen, dass es auch Betriebe gibt, bei denen die Eigenverantwortung der Mitarbeiter nicht so groß ist. Auch wenn es Schichtarbeit gibt oder im Servicebereich wird es natürlich schwierig, wenn die Mitarbeiter flexibel kommen und gehen können. Häufig gibt es in Betrieben aber auch kein gesundes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen.

Was macht einen guten Chef aus?

Hussendörfer: Ich muss den Mitarbeitern vertrauen, dass sie diese Zugeständnisse, die Flexibilität nicht ausnutzen, aber ich muss mich als Chef auch so verhalten, dass die Mitarbeiter motiviert bleiben. Mit einer konfrontativen Führung würde ich nicht weit kommen. Ich glaube, diese Kultur haben viele noch nicht verinnerlicht.

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