29. November 2017, 11:00 Uhr

Baugenossenschaft

Wo man in Bad Vilbel konkurrenzlos günstig wohnt

Wer eine preisgünstige Wohnung sucht, wird im Süden der Wetterau kaum fündig. Einzig bei der Genossenschaft für Bauen und Wohnen in Bad Vilbel werden noch Quadratmeterpreise aufgerufen, die konkurrenzlos günstig sind.
29. November 2017, 11:00 Uhr
Die Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft für Bauen und Wohnen Bad Vilbel, Nancy Kabisch, freut sich über die Sanierung der Mehrfamilienhäuser Am Hainwinkel. Demnächst entscheidet sie darüber, ob ihre Genossenschaft auch zwei der drei umstrittenen Mehrfamilienhäuser bauen wird, in die auch anerkannte Flüchtlinge einziehen sollen. (Foto: pe)

Wer die Geschäftstelle der Genossenschaft für Bauen und Wohnen Bad Vilbel sucht, muss Am Hainwinkel nur seinen Kopf heben. An zwei höheren Mehrfamilienhäusern, die gerade modernisiert worden sind, steht das Kürzel der GBW groß dran. Vor dem sogenannten grünen Haus liegen noch die Gerüstteile. »Das haben wir gerade für 400 000 Euro saniert«, informiert Vorstandsvorsitzende Nancy Kabisch. Auch sonst investiert die GBW kräftig in die Modernisierung ihrer Objekte: 1,5 Millionen Euro waren es 2016, insgesamt knapp 11,7 Millionen Euro seit 2010. Die Modernisierungen betreffen häufig die Wärmedämmung der Häuser, aber auch den Fassadenanstrich und die Dachsanierung.

 

Mieten zwischen 4 und 6 Euro

 

Auch in den Wohnungen wird immer wieder etwas getan, vor allem beim Auszug von Mietern. »Dann sanieren wir komplett, und bei den 4-Zimmer-Wohnungen verändern wir auch den Grundriss.« Die Wohnungen haben nämlich eine Größe von rund 70 Quadratmetern, für Familien entspricht diese Größe heute nicht mehr dem Standard, sagt die Vorstandsvorsitzende. Dennoch: Alle 671 Wohnungen der GBW Bad Vilbel in den 63 Häusern sind belegt. Das wundert nicht, wenn man die Mietpreise sieht: Zwischen 4 und 6 Euro, und damit nicht mal halb so viel wie die Durchschittsmieten in der Stadt, beträgt laut Kabisch der Quadratmeterpreis in den mit öffentlichen Mitteln gebauten Wohnungen. Das sind 482 an der Zahl, bei weiteren 160 läuft die Bindung allerdings bald aus. »Wenn diese Wohnungen dann frei werden und aus der Bindung fallen, renovieren wir alles.«

Miet-Maximum: 9,99 Euro

Danach nehme die GBW auch höhere Mieten. »Bei 9,99 Euro pro Quadratmeter ist Schluss, das ist das absolute Maximum«, sagt Kabisch zur WZ. Das sei auch das Selbstverständnis der GBW. »Wir wollen Wohnraum zu angemessenen Preisen für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung stellen.« Das funktioniere gut, »wir haben auch Wohnungen für Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen«, hebt Kabisch auf die in der Politik immer wieder genannten Bevölkerungsgruppen ab. Die verdienen mehr als diejenigen, die einen Wohnberechtigungsschein haben.

Günstig und zentral

Weil bekannt ist, dass man bei der GBW nicht nur günstig, sondern in den weitaus meisten Objekten auch sehr zentral wohnt, ist die Liste der Wohnungssuchenden entsprechend lang. Wobei die Einzahl hier falsch ist, Nancy Kabisch zählt gleich fünf Listen auf. So stünden auf einer Liste 40 Bewerber, denen es egal sei, in welchem Objekt sie wohnen. Zwei weitere Listen von bis zu 15 Leuten gebe es für den Niddablick in die Ritterstraße, über 20 Bewerber stünden auf der Liste für die Häuser in der Berliner Straße. »Und am Felsenkeller haben wir sowieso immer eine lange Warteliste.« Das ist das laut Kabisch »annähernd behindertenfreundliche Objekt für Menschen 60 plus« neben der Stadtschule in zentraler Innenstadtlage.

Neubauten kommen

Hat man bei der GBW in den vergangenen Jahren das Augenmerk ausschließlich auf die Modernisierung der Objekte gelegt, bahnt sich demnächst eine Entscheidung über Neubauten an. »Das Kapital dafür hätten wir«, sagt die Geschäftsführerin. Dieser Tage sei die Stadt an die GBW herangetreten, ob sie nicht die Mehramilienhäuser am Dortelweiler Friedhof und im Berkersheimer Weg nahe dem Südbahnhof bauen wolle. Wie berichtet, sind diese beiden und das dritte Objekt in Massenheim deshalb umstritten, weil ein Drittel der Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge bereitgestellt werden sollen. Dazu will die Geschäftsführerin für das anstehende Gespräch mit Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr, der auch Vorsitender des GBW-Aufsichtsrates ist, Erstem Stadtrat Sebastian Wysocki und der CDU-Fraktionsvorsitzenden Irene Utter eine klare Linie äußern: »Anerkannte Flüchtlinge dort aufzunehmen, ist kein Problem. Aber nur, wenn es Familien sind. Alleinstehende Männer werden wir nicht aufnehmen.« Kabisch begründet dies damit, dass die GBW wie bei den anderen Objekten auch »auf eine gesunde Durchmischung der Mieterstruktur« achten wolle. Und noch etwas anderes ist für sie klar: »Wir bauen nur dann, wenn wir freie Hand haben, wer dort hineinkommt.«

 

Infokasten

Wie man Genosse wird

Ganz billig ist es nicht, bei der Genossenschaft für Bauen und Wohnen in Bad Vilbel Mitglied zu werden, dafür wohnt man aber auch viele Jahre preisgünstig. Künftige Genossen müssen vor Unterzeichnung eines Mietvertrages nicht nur ein »Eintrittsgeld« von 65 Euro leisten, sondern auch fünf oder sechs Anteile erwerben: Die Preise reichen hier von 1025 Euro für eine Anderthalb- oder Zwei-Zimmer-Wohnung (fünf Anteile) bis hin zu 1230 Euo für Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen (sechs Anteile). Die Brutto-Dividende betrug in den vergangenen Jahren in der Regel vier Prozent. Aber wer jetzt denkt, dass sei mehr, als man zurzeit beim Sparguthaben erhält, dem schiebt Vorstandsvorsitzende Nancy Kabisch einen Riegel davor. Kapitalanleger hätten keine Chance. »Wir nehmen nur Eigner auf, die auch eine Wohnung beziehen.« (pe)

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