27. November 2018, 21:12 Uhr

Wenn das Geld für Schuhe fehlt

27. November 2018, 21:12 Uhr
Avatar_neutral
Von Dennis Pfeiffer-Goldmann
Vorschulkinder aus der Kita Himmelsstürmer aus Rendel schmücken den Wunschweihnachtsbaum im Foyer des Bürgerzentrums. (Foto: Pfeiffer-Goldmann)

Es ist ein großes Tohuwabohu im Foyer des Karbener Bürgerzentrums. Als die Erzieherinnen die Vorschulkinder der Rendeler Kita Himmelsstürmer zusammenrufen, wird es still.

Es ist der Weihnachtsbaum, den die Dreikäsehochs in dieser Saison schmücken. Und es ist kein gewöhnlicher: es ist der Karbener Wunschweihnachtsbaum. »Daran hängen Wünsche«, erklärt der fünfjährige Mika.

Auf den Pappanhängern sind insgesamt 90 Wünsche von Menschen aus Karben notiert, denen die Mittel fehlen sich diese Sachen anzuschaffen. Anonym, aber mit allen wichtigen Angaben. Das Alter und Geschlecht und der Wunsch, teils sehr detailliert, manchmal ganz allgemein gelassen. »Schuhe Größe 37« für einen »Jungen (10)« sind da erwünscht oder ein Barbiehaus für eine Fünfjährige.

Astrid Rüger vom Sozialamt der Stadt hat die Wünsche zusammengetragen. Was nicht einfach ist. »Der Datenschutz«, sagt sie. Bei Menschen, die einen Wohnberechtigungsschein bekommen, hat sie genauer hingeschaut. Ebenso hat sie von Kita-Erzieherinnen und von diversen sozialen Organisationen Hinweise bekommen.

Während ein voller Gabentisch in vielen Haushalten normal ist, reicht in einigen Familien das Geld nicht, um dem Nachwuchs die sehnlichsten Wünsche zu erfüllen. Erst recht nicht bei Alleinerziehenden oder auch bei alleinstehenden Menschen. Pragmatische Wünsche sind zusammengekommen: Einen Drogeriegutschein hätte eine junge Frau (18) gern. Und eine Seniorin (90) hofft auf einen Gutschein für den Friseursalon im Altenheim.

»Armut im Alter ist auf dem Vormarsch«, sagt Jörg Astheimer vom Vorstand der Bürgerstiftung »Unser Karben«. Die Stiftung hatte das Projekt im Vorjahr vom Verein »Karben hilft Karben« nach dessen Auflösung übernommen. Der Wunschweihnachtsbaum sei eine tolle Aktion. »Er kommt auf allen Seiten gut an.« Es zeige sich, dass sich damit soziales Bürger-Engagement ganz praktisch anstoßen lasse.

Und es ist ein großes Kooperationsprojekt: Die Kinder basteln die Wunschanhänger und dekorieren den Baum, den die Stadt hat aufstellen lassen. Astrid Rüger sammelt die Wünsche, nimmt die Geschenke entgegen und reicht diese dann weiter an die Beschenkten.

Sollte doch einmal ein Geschenk nicht entsprechend des vom Baum gepflückten Wunschanhängers im Rathaus eintreffen, hilft die Bürgerstiftung aus. Fünfmal war das im vergangenen Jahr notwendig.

Natürlich dürfte es wohl deutlich mehr als die 90 Wünsche geben, schätzt Astrid Rüger. »Wir können die Armut nicht bekämpfen«, räumt Jörg Astheimer ein, »aber wir können einen Hinweis geben und ein Bewusstsein schaffen, dass es dieses Problem gibt.«

Zu den Rathausöffnungszeiten können die Wunsch-Anhänger abgeholt werden. Danach das Geschenk kaufen und bis zum 11. November bei Astrid Rüger abgegeben. Bei Fragen ist sie telefonisch unter 0 60 39/ 48 17 21 erreichbar.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos