21. Mai 2017, 19:30 Uhr

Workshop

Was für die Zukunft Karbens wichtig ist

Wie soll die Stadt Karben im Jahr 2020 aussehen? Wohin geht die Reise in sozialer und ökonomischer Hinsicht? Dies diskutierten Bürger und Politiker bei einem Workshop.
21. Mai 2017, 19:30 Uhr
Ein Ort zum Verweilen fehle in Karben, urteilen die Diskutanten beim Bürger-Workshop. (Foto: jsl)

In Karben dürfen die Bürgerinnen und Bürger an der Stadtplanung mitwirken. So sieht zumindest das Konzept des Magistrats aus. Fixpunkt in der Ferne ist das Jahr 2020. Wie soll die Stadt dann aussehen? Wohin geht die Reise in sozialer und ökonomischer Hinsicht? Dieser Bürgerbeteiligungsprozess mit dem Motto »Karben gemeinsam entwickeln« begann bereits im Sommer 2016. Bei einer Informationsveranstaltung wurden damals Themen gesammelt und aufgeschrieben. Ein Sammelsurium an Vorschlägen kam so zusammen, das nun die Grundlage der Diskussion bildet.

Was ist wichtig für die Zukunft Karbens? Diese Frage stand am Freitagabend im Mittelpunkt. Im Saal des Bürgerzentrums fand der zweite Workshop zu dem Entwicklungsprojekt statt. Moderatorin Kristina Oldenburg, Fachbereichsleiter Heiko Heinzel und Bürgermeister Guido Rahn mussten allerdings zur Kenntnis nehmen, dass sich das Interesse an der Veranstaltung in überschaubaren Grenzen hielt. Nur 15 Leute waren gekommen, um über den Einzelhandel, die Versorgung und die lokale Ökonomie in Karben zu sprechen.

Rahn fand, dass das Wetter schuld sei. Die kleine Runde sei ja auch gar nicht so schlimm. »Qualität zählt und nicht Quantität. Auch wenn nur 15 Leute da sind, bin ich trotzdem sehr gespannt, was an Ideen alles kommt«, sagte der Bürgermeister.

Zunächst hatte aber Bauamtsleiter Heiko Heinzel einen Powerpoint-Vortrag vorbereitet, in dem er einen Abriss über die Situation in Karben gab. Karben sei wegen seines gegenwärtigen Angebots an Infrastruktur und Dienstleistungen vom Land Hessen als Unterzentrum eingestuft worden. Im Prinzip dürfe alles angeboten werden, sogar ein Media-Markt wäre denkbar. »Trotzdem geht die Kaufkraft aus Karben heraus in Richtung der Mittel- und Oberzentren wie Frankfurt, Hanau und Bad Homburg«, sagte Heinzel. »Gründe dafür liegen auf der Hand. In den dezentralen Ortsteilen sitzen die alteingesessenen Geschäfte. Einzelhandelsimmobilien sind dort Häuser mit Wohnung und Ladenfläche. Die sind heute bei Neugründern nicht mehr gefragt.«

»Aber ortsnahe Versorgung ist schön für die Menschen«, gab ein Zuhörer zu bedenken und beschrieb die Situation in Rendel. »Die Leute haben bei uns einen Treffpunkt, wo sie einkaufen und miteinander ins Gespräch kommen können.«

Dem konnte Heinzel nicht widersprechen. Trotzdem versuche man, die Innenstadt weiter voranzutreiben, um die Kaufkraft zu stärken und Karben so attraktiver zu machen. Das geschehe zurzeit durch die Umgestaltung des Ortskerns Groß-Karben. Zwei große Projekte seien zudem die geplante Bebauung des Taunusbrunnen-Geländes und der Bau der »Neuen Mitte am Bahnhof«.

Daraufhin entwickelte sich eine Diskussion unter den Einzelhändlern und ehemaligen Einzelhändlern. Ideen für neue Geschäfte und das Für und Wider der Sonntagsöffnung wurden besprochen. Der Schwerpunkt der Diskussion lag auf dem Einzelhandel und dem Mitspracherecht der Bürger bei sozialpolitischen Entscheidungen.

»Wenn wir von Entwicklung reden, müssen vor allem die Gesichtspunkte der Bürger berücksichtigt werden«, warf Fritz Amann ein. »Entscheidungen dürfen nicht an Investoren delegiert werden. Die sozialen Belange müssen im Vordergrund stehen und nicht die Gewinnmaximierung. Wir müssen zurückkommen zu einer eigenständigen Entwicklung.«

Sein Stuhlnachbar Herbert Helfrich verwies darauf, dass man in Karben keinen x-ten Supermarkt brauche. »Ein Supermarkt ist kein Ort zum Verweilen. Dem Café im Rewe Fuchs fehlt es an Ambiente, obwohl es gut besucht wird. Wir brauchen eigenständige Cafés, wo die Leute miteinander reden können. In der Stadtplanung kann man darauf Einfluss nehmen, ob sich die Bürger wohlfühlen.«

Bezogen auf den Rewe-Markt bleibt sinnbildlich die Aussage einer Dame aus der Runde stehen: »Wer sitzt beim Kaffeetrinken schon gerne halb auf einem Parkplatz?!«

Diese Beiträge machten deutlich, dass die Geschäftssituation nicht nur auf Gegenliebe stößt. Trotzdem wird die Zentralisierung kommen; die Weichen sind gestellt. Karben möchte urbanes Flair verbreiten. Um dies weiter zu diskutieren, findet am 23. Mai der dritte Workshop statt.

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