12. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Paketzusteller

Was Wetterauer Paketzusteller in der Weihnachtszeit erleben

Der Onlinehandel boomt. Paketzusteller wie Michael Leder haben dadurch viel zu tun. Er legt täglich bis zu 15 Kilometer zu Fuß zurück. Ein Knochenjob. Aber es gibt auch schöne Momente.
12. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Von Marion Müller , 1 Kommentar

Der Countdown läuft – in nicht mal zwei Wochen ist Weihnachten. So kurz davor kommt da viel Arbeit auf die Paketdienste zu. Die Deutsche Post wirbt damit, ein Paket in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen auszuliefern. Besonders für die Zusteller heißt das schnell sein. Sie arbeiten in Zehn-Stunden-Schichten und müssen in dieser Zeit teilweise bis zu 300 Päckchen zu den Kunden bringen.

In Nieder-Mockstadt steht eine Zustellbasis der Deutschen Post. Normalerweise werden hier an regulären Tagen etwa 9000 Päckchen verteilt. »Heute haben wir 12 000«, sagt Thomas Dumke, Zustellbasenleiter. Vermutlich werde es sich noch auf bis zu 14 000 Päckchen pro Tag steigern. Um das Pensum zu schaffen, werden vor Weihnachten zusätzliche Zusteller aushilfsweise eingestellt und mehr Fahrzeuge angemietet. Zudem helfen beispielsweise in Frankfurt Mitarbeiter aus den Büros zusätzlich in der Logistik.

Die Zustellbasis in Nieder-Mockstadt versorgt Bad Nauheim, Friedberg, Karben, Bad Vilbel, Schöneck und Teile von Erlensee und Niddatal. Insgesamt arbeiten hier 80 Personen in 55 Bezirken. Allein für Bad Vilbel sind 14 Zusteller eingeteilt, die täglich etwa 3000 Päckchen verteilen. Einer davon ist Michael Leder. Er arbeitet seit neun Monaten als Paketzusteller. Sein Bezirk ist die Bad Vilbeler Innenstadt. In der Weihnachtszeit wird der Bezirk geschnitten, das heißt, er wird verkleinert. »Sonst schafft man das Pensum nicht«, sagt Leder. In seinem Bezirk muss er etwa 20 bis 23 Straßen abfahren. »Heute sind es 205 Pakete.«

 

Los geht's um 9 Uhr

Leders Arbeitstag beginnt um 9 Uhr. Er fährt in der zweiten Welle die Päckchen aus. Die erste Welle startet um 7.15 Uhr. In großen Wechselbehältern mit 1200 bis 1500 Sendungen werden die Päckchen vom Paketzentrum in die Zustellbasis geliefert. Dort werden sie auf Rollbänder gelegt. Die Rollbänder bringen die Päckchen zu den Zustellern. Diese nehmen sich die Päckchen für ihren Bezirk vom Band runter und sortieren sie in ihre Wagen. »Der größte Unsicherheitsfaktor ist das Wetter«, erklärt Stefan Heß, Pressesprecher der Deutschen Post. »Ein Jahr gab es so viel Schnee, dass eine Ortschaft nicht beliefert werden konnte.«

Michael Leder liefert sein erstes Päckchen um 11 Uhr in Bad Vilbel aus. In der Frankfurter Straße von der Hausnummer 117 abwärts ist es am schwierigsten und zeitaufwendigsten. Zweieinhalb Stunden und mehr brauche Leder nur für die Frankfurter Straße. Rechts und links von der Straße stehen Poller, die das Parken an der Seite verhindern sollen. Allerdings behindern sie so auch die Arbeit von Michael Leder. Oft werde er von Autofahrern angehupt oder von der Ordnungsbehörde zurechtgewiesen.

 

Parkplatz-Glück

Diesmal hat er Glück – an der Seite ist Platz. Im Dauerlauf geht es über die Straße zu den Kunden. »Sie dürfen hier keine Hemmungen haben«, erklärt Leder, während er über die Straße hechtet. »Sonst stehen Sie heute Nachmittag noch hier. Die bleiben schon stehen.« Schnell geht es die Treppen rauf, Päckchen abgeben und wieder runter das nächste Päckchen holen. Am Tag läuft er schätzungsweise 12 bis 15 Kilometer – es ist ein Knochenjob. Dabei ist er immer freundlich, wünscht einen schönen Tag und lächelt. In der Weihnachtszeit seien viele gestresst und teilweise unhöflich, sagt er. Er sei aber gut gelaunt und mache seine Späßchen.

Der Zusteller kennt seine Kunden – auch beim Namen. Die nächste Dame brauche immer etwas mehr Zeit, erklärt Leder. Sie habe eine Behinderung und benötige einfach länger zur Tür. Bei vielen weiß er von vornherein, dass sie nicht da sind. Die Leute bestellen immer, und dann sei keiner da. Glücklicherweise nehmen meist die Nachbarn das Päckchen an. Falls er eins nicht zustellen kann, fährt Leder nach seiner Tour noch einmal zu den Kunden. Falls dann keiner da sein sollte, müssen sie es sich bei der Post abholen.

»Ich mag es, für mich zu sein. Ich kann mir meine Zeit frei einteilen«, sagt Leder. In der Weihnachtszeit sei es schon stressig – mit 250 bis 300 Päckchen grenzwertig. Aber er mache den Job gerne. So langsam fange auch die Zeit an, in der man kleine Präsente, wie selbst gebackene Plätzchen, Schokolade oder Weihnachtsgrüße, bekomme. »Das ist toll.«

Info

Elf Millionen Päckchen

In Deutschland arbeiten 108 000 Menschen als Zusteller bei der Deutschen Post. Davon arbeiten allein 20 000 als reine Paketzusteller. In 35 Paketzentren in Deutschland werden an normalen Tagen insgesamt 4,6 Millionen Pakete verarbeitet. Die Paketzentren verteilen diese wiederum an Zustellbasen. Vor Weihnachten werden etwa elf Millionen Pakete erwartet – ein Rekord.

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