02. September 2019, 08:00 Uhr

Müll im Wald

Wald in Groß-Karben wird als Müllabladeplatz missbraucht

Eine Rundfahrt mit Jagdpächter Wolfgang Schomber durch Wald und Flur der Groß-Karbener Gemarkung bringt Missstände ans Licht. Allen voran eine Stelle, die als Müllabladeplatz benutzt wird.
02. September 2019, 08:00 Uhr
Ohne Rücksicht auf Natur und Landschaft: Jagdpächter Wolfgang Schomber zeigt eine mit Plastiktüten vermüllte Stelle am Karbener Waldrand. (Foto: jsl)

Diese freilaufenden Hunde machen den 61-Jährigen zornig, denn nur zu genau hat er noch ein Bild vom Juni im Gedächtnis: »Mitten auf einem Nebenweg des Karbener Waldes, in Richtung Burg-Gräfenrode, lag damals ein totes Rehkitz«, erinnert er sich. »Wir kannten das Tier. Vermutlich ist es mit seiner Mutter und einem zweiten Kitz von einer Seite des Weges auf die andere gewechselt, als es von einem Hund gerissen wurde. Das muss ein ziemlich großer Hund gewesen sein, er hat es am Hals gepackt und fast in der Mitte durchgebissen. Das ist Wilderei und somit eine Straftat.« Schomber ist sich sicher, dass in stark von Menschen frequentierten Waldgebieten die natürliche Scheu der Rehe nachgelassen habe. »Bei uns ist das Wild mittlerweile an die Leute gewöhnt, wenn sie auf den Wegen bleiben«, weiß er.

»Gerade deshalb gehören Hunde, die ihrem angeborenen Jagdtrieb folgen wollen, immer an die Leine. Das gebietet der Respekt nicht nur Wildtieren, sondern auch Menschen gegenüber. Es gibt genug Leute, die Angst vor Hunden haben.« Für Kopfschütteln und Fassungslosigkeit sorgten in dieser Hinsicht auch immer wieder Hunde, die frei auf dem Trimmpfad im Wald herumlaufen. Viele Freizeitsportler wüssten ein Lied davon zu singen. Anleinen ist hier Pflicht, wie ein Schild am Anfang des Trimmpfads deutlich macht.

Pflicht zum Anleinen

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) stellt klar, dass die Anleinpflicht in den ausgewiesenen Bereichen strikt einzuhalten sei. Kontrollen könnten aber nur stichprobenartig erfolgen. »Bei rund 2000 Hunden in Karben wollen wir die Anleinpflicht aber nicht auf das gesamte Stadtgebiet ausweiten. Alternativ diskutieren wir derzeit eine Freilauffläche auf dem Gelände des Hundesportvereins in Klein-Karben«, sagt Rahn. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Seitdem der neue Wildschutzzaun vor einigen Wochen beiderseits der Landstraße installiert worden ist, sei in diesem Bereich kein Reh mehr zu Tode gekommen.

29 Rehe waren es von Juli 2018 bis Februar 2019. Draußen, außerhalb des Waldes, gab es allerdings vier Wildunfälle in den vergangenen zwei Monaten. Wolfgang Schomber bringt diesen Umstand mit der sogenannten Blattzeit in Verbindung. »Damit ist die Paarungszeit des Rehwildes gemeint, die von Mitte Juli bis Mitte August dauert«, klärt der Jäger auf. »Wenn dann zusätzlich noch die Maisfelder abgeerntet werden, wird auch wieder ein regelrechter Run auf den Wald einsetzen. Das könnte zu neuen Problemen führen.«

Deckung im Gelände

Maisfelder dienen den Wildtieren nämlich ebenso wie die von Landwirten und Jägern gemeinschaftlich angelegten Blühflächen als Deckung im Gelände. Fünf Hektar solcher Wildackerstreifen gibt es in der Gemarkung Groß-Karben. »Die Landwirte geben ihren Boden, wir den Samen«, sagt Schomber. »Die Rehe finden in den mit Blumen und Gräsern bewachsenen Streifen nicht nur Schutz, sondern auch Nahrung.«

In der Gemarkung gibt es wohl leider auch ein paar Stellen zum Müllabladen. Schomber kennt sie alle. Bauschutt, Grünschnitt in Plastiksäcken sind nur einige Dinge, die dort hinterlassen werden. Eine Stelle befindet sich direkt am Waldeingang. Ein auf den ersten Metern geteerter Feldweg führt daran vorbei. »Das ist ideal, um schnell rückwärts hineinzufahren und seinen Dreck abzuladen«, ärgert sich der Jagdpächter. Bürgermeister Rahn kennt die Situation und nennt diese Art der Müllentsorgung »eine ärgerliche Unsitte, mit der wir wohl leider leben müssen«.

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