15. Februar 2017, 20:00 Uhr

Sicherheit im Netz

Von Passwort bis Versicherung

Die Stadt Nidderau hat Maßnahmen zur Abwehr von Cyber-Kriminalität, Hackerangriffen und Datendiebstahl ergriffen.
15. Februar 2017, 20:00 Uhr
Sie setzen sich für sichere Stadtverwaltungsrechner ein (v. l.): Manuela Bäker, Gerhard Schultheiß, Viktor Jurk, Bertram Huke und Corinna Wagner. (Foto: jwn)

Daten sind in unserer Gesellschaft zu einem wichtigen Gut geworden. Deshalb interessieren sich zunehmend Diebe, Betrüger und Saboteure dafür. Experten sprechen davon, dass die Internetkriminalität eine der größten Bedrohungen unseres Zeitalters darstellt. Dies wird im Nidderauer Rathaus ähnlich empfunden, deshalb haben sich die Verantwortlichen entschlossen, als eine der ersten Kommunen in Hessen Abwehrmaßnahmen zu ergreifen. Die Stadt greift auf eine gemeinsame Initiative des Landes Hessen, der hessischen kommunalen Spitzenverbände und der ekom21, dem gemeinsamen Rechenzentrum für hessische Kommunen zurück. »Die Überprüfung unseres kompletten IT-Systems und die zeitgleiche Schulung unserer Mitarbeiter war eine große Herausforderung. Es war mit einem enormen personellen und zeitlichen Aufwand verbunden«, berichtet Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD), der Vorstandsvorsitzender der ekom21 ist.

Da auf den Rechnern der Stadt sensible, weil persönliche Daten der Bürger, wie Informationen zu Steuern gespeichert sind, lohne sich der Aufwand. In Schulungen wurden die Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass nicht jede E-Mail harmlos ist und über einen USB-Stick auch Viren in das Datennetz der Verwaltung geholt werden könnten. Es gab Tipps wie, dass die Passwörter regelmäßig geändert werden müssen und dabei auf keinen Fall der eigene Name oder die Zahlenfolge 123 gewählt werden solle, weil diese für jeden Kriminellen einfach zu knacken seien. Für die Stadt ist der Aufwand, abgesehen von dem Zeitaufwand der Mitarbeiter, kostenlos. Denn das Land legt ein besonderes Augenmerk auf die Cyber-Sicherheit. 2,5 Millionen Euro lässt sich das Land diese Dienstleistung kosten, erklärte Viktor Jurk, Ministerialdirigent für Informationstechnik im hessischen Innenministerium. Derzeit gebe es Überlegungen, die Summe noch einmal deutlich zu erhöhen, da sich schon 156 Kommunen an der Aktion beteiligten.

Immerhin wehre die ekom21 Monat für Monat rund 20 000 unberechtigte Zugriffsversuche und Attacken auf die IT-Netze der angeschlossenen Kommunen ab. Außerdem filtere sie schon mehr als drei Millionen Vieren, Spam- und trickbetrügerische Phishing-Mails aus den elektronischen Postfächern ihrer Kunden heraus. Trotz dieser Fülle an abgefangenen Daten bleibe am Ende immer noch ein Restrisiko, erläutert Bertram Huke, Geschäftsführer der ekom21. Die Gegenseite rüste auf, beispielsweise mit Angriffen über soziale Netzwerke, die genau auf die Opfer abzielen und diese persönlich ansprechen würden. Nach Angeben von Jurk würden täglich rund 360 neue Schadprogramme entwickelt, die es zu bekämpfen gilt. Über 200 Fragen zur momentanen IT-Sicherheit in ihrer Verwaltung müssen deshalb die Kommunen abarbeiten, bevor ihnen eine gewisse Sicherheit bei ihrer Datenaufbewahrung testiert werden kann.

Ausweichen in die Nachbarschaft

In Nidderau wurden deshalb in den vergangenen Monaten Datenleitungen innerhalb des Rathauses neu verlegt und auch Rechner ausgetauscht. Darüber hinaus wird die Stadt eine spezielle Cyber-Versicherung für rund 7000 Euro pro Jahr abschließen. Das könne helfen, um jeder Eventualität vorzubeugen. Zusätzlich wurde mit einer benachbarten Kommune ein Abkommen ausgehandelt, dass im Notfall die Verwaltung auch über deren Rechner weiterarbeiten könne. Ein Beispiel, warum sich der Aufwand lohne: Im vergangenen November sei die Stadt Hanau Opfer einer Cyber-Attacke geworden. Das städtische Internetportal sei deshalb über Tage komplett lahmgelegt gewesen.

Nidderau hat mittlerweile seine Hausarbeiten gemacht und erhält in wenigen Tagen den offiziellen Nachweis, dass alle Empfehlungen zur Absicherung des städtischen Datennetzes umgesetzt wurden. »Wir sind froh, diesen Aufwand nach bestmöglichen Wissen und den neuesten Standards betrieben zu haben und dass unsere Datenverarbeitung nun als recht sicher gilt«, erklärt Schultheiß.

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