06. September 2019, 18:32 Uhr

Von Hand gefertigte Unikate

Ihre Lieblingsfarbe? Türkisblau, wie das Meer in ihrem Lieblingsurlaubsland Italien. Nicole Jost aus Rendel hat ein Start-up gegründet, eines, das ihrem handwerklich- kreativen Tatendrang gerecht wird: Es heißt »Espadrilles Maker«. Und es hat soziale und umweltfreundliche Komponenten.
06. September 2019, 18:32 Uhr
Nicole Jost liebt es, Espadrilles per Hand und Nähmaschine zu nähen und auf unterschiedliche Art und Weise zu verzieren. Jedes Paar sei ein, wie sie sagt, »handgemachter Glücksmoment«. (Foto: ach)

Espadrilles sind Sommerschuhe. Sie werden hauptsächlich in Südeuropa getragen und kommen urspünglich aus Spanien. Ihre Sohlen bestehen aus Jute, Flachs oder Hanf, das Obermaterial besteht aus Stoff. Espadrilles werden in hiesigen Gefilden in erster Linie mit Sommer, Sonne und Urlaub verbunden. Nicole Jost trägt ihre selbst gemachten Espadrilles gerne - sowohl in Rendel, wo sie seit Juni wohnt, als auch im Urlaub in Italien. Sie spricht von »handgemachten Glücksmomenten«. Weil die 1980 in Petterweil geborene junge Frau gerne näht, ist sie eines Tages auf die Idee gekommen, für sich selbst Espadrilles anzufertigen. Die gefielen auch ihren Freundinnen, sie fragten, woher sie denn die Schuhe habe und wollten dann natürlich auch welche von ihr genäht bekommen.

Das war die Geburtsstunde für Nicole Josts Start-up »Espadrilles Maker«. Die selbstständige und in Teilzeit angestellte Grafikdesignerin erzählt, dass sie schon als Kind immer kreativ gewesen sei und niemals Langeweile habe. »Ich habe immer gebastelt, mir etwas ausgedacht, gezeichnet, mit der Oma genäht«, berichtet sie bei einem Treffen in ihrer neuen Wohnung, in der sie und ihr Freund auch alles selber renovieren und gestalten - ihre Lieblingsfarbe Türkis kommt darin natürlich auch zur Geltung. Nach dem Abitur am Friedberger Augustinergymnasium hat Jost ein duales Studium absolviert an der Akademie für Marketing und Kommunikation in Frankfurt sowie in einer Werbeagentur in Bad Homburg. Selbstständig gemacht hat sie sich mit ihrer Agentur »Idee, Design & Marketing«. »Ich mag es, meine Ideen und die der Kunden sichtbar zu machen«, sagt Jost. Und zu dieser Prämisse passe auch ihre Espadrilles-Herstellung. Jede Kundin erhalte ihre persönlichen Schuhe. Jedes Paar sei somit ein Unikat. Über den vergangenen Winter habe sie ihre Website und einen Flyer entwickelt. Sie zögere aber, ihre Manufaktur über Facebook oder Twitter bekannt zu machen. Es solle etwas Individuelles bleiben. Das sei auch der Grund, weswegen sie keine Schuhpaare vorfertige.

Es glitzert und klimpert

Dann wisse sie nicht, ob die auf Gefallen stießen, und sie wolle auf keinen Fall etwas zum Wegwerfen produzieren, sondern im Gegenteil. Sie benutze häufig Stoffreste für die Fertigung der Espadrilles. Für die Innenseite des Obermaterials vernäht Jost alte Jeansstoffe, damit der Oberschuh fester wird. Einen Teil näht sie mit ihrer Nähmaschine, das meiste jedoch per Hand. Vier bis sechs Stunden dauert es, bis ein Paar Espadrilles fertiggestelt ist, je nach Aufwand. Die Sohlen bestellt Jost beim Schneiderzubehör. Sie bestehen aus einer Gummischicht und gepresster Jute. »Ich suche noch nach einem Upcycling-Material für die Sohlen, bin bislang aber noch nicht fündig geworden.« Kork sei zu weich. Sie wisse, dass die Gondolieri in Venedig ähnliche Schuhe (Furlane) haben.

Deren Sohlen bestünden aus alten Fahrradschläuchen. Vielleicht ließe sich da auch etwas in puncto Espadrilles-Sohlen machen. Bei ihrem nächsten Besuch in der Lagunenstadt will Jost sich Gondoliere-Schuhe kaufen und dem Geheimnis auf den Grund gehen. Für die Borten, Bänder, Glöckchen und anderen Applikationen stöbert sie gerne auf Märkten oder in (Woll-)Lädchen. »Ich suche überall, wo ich etwas Glitzerndes, Klimperndes und andere verrückte Sachen finden könnte«, erzählt Jost. Für den Winter hat sie sich flauschige Puschen-Espadrilles genäht. »Der Winter wird bunt«, ist Josts Devise, die sich selbst als Sommertyp bezeichnet.»Mein Start-up wird erst rund, indem ich damit wiederum jemanden unterstütze«, sagt Jost. Derzeit spendet sie einen Teil des Geldes an die Stiftung »firmm«, die sich für den Schutz von Meeressäugern und deren Lebensraum engagiert.

»Zeigt her eure Füße« heißt eine pfiffige Kunden-Aktion von Jost. »Ihr seid an einem tollen Ort, genießt ein wunderbares Erlebnis, habt gerade Riesenspaß? Dann streckt eure Füße aus und macht ein Foto«, heißt es auf Josts Website. »Ich möchte sehen, wohin meine Schuhe ihre Trägerinnen tragen, lacht Jost über ihre Selfie-Idee. Doch manchmal braucht sie kein Foto, da kann sie ihre Espadrilles-Kreationen deutlich hören, wenn die Glöckchen klingen oder die Schellenbänder rascheln. »Ich habe auch solche Schuhe und, je nachdem, wie fest man auftritt oder wie schnell man läuft, ist man zu hören.« Das sei dann die Aufforderung, langsamer zu gehen, sich Zeit zu nehmen. Ganz wie im Urlaub eben und damit passend zum Charakter der Espadrilles.

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