05. März 2017, 20:52 Uhr

Von 1848 bis zu Dieter Hildebrandt

05. März 2017, 20:52 Uhr
Barbara Metz und Dieter Körber wirken beim Kabarett-Programm im Kuhtelier mit.

Im voll besetzten Kuhtelier im Schlosshof hat der Karbener Literatur-Treff seinen Besuchern unter dem Titel »Literatur und Kabarett« einen furiosen Abend geboten. Nach einer launigen Begrüßung durch den Vorsitzenden Hans-Martin-Thomas führte Dieter Körber, Organisator und Moderator des Abends, in die Geschichte des Kabaretts ein.

Das erste Kabarett wurde in Paris Anfang der 1880er Jahre unter dem Namen »chat noir« eröffnet. Das erste deutsche Kabarett mit dem Namen Überbrettl wurde um 1900 von Ernst von Wolzogen gegründet. Im Kaiserreich war Kabarett wegen der strengen Zensur kaum möglich. Erst nach dem Ersten Weltkrieg blühte das deutsche Kabarett auf. Die Weimarer Republik war die große Zeit des Kabaretts.

Die künstlerischen Gäste des Abends, Nicola Piesch (Gesang) und Dieter Wierz (Klavier und Akkordeon) eröffneten mit dem Song »Cabaret« das Programm. Claudia Weishäupl führte den Frankfurter Friedrich Stoltze als einen Dichter der 48er-Revolutionszeit und der Nachrevolutionszeit ein. Sie las drei seiner Gedichte. Mit dem Protestlied »Wohl dem, der für die Dummheit glüht« von 1848, verfasst von Wilhelm Weidling, interpretiert von Walter Enslin, wurde dieser Zeitabschnitt im Programm beendet. Mit Otto Reutter begann die Phase nach dem Ersten Weltkrieg – Almut Rose trug zwei Gedichte von ihm vor.

Betrachtung über »Discount-Sex«

Der Großmeister des Humors, des Spotts und der Satire, Kurt Tucholsky, kam vom kritischen Journalismus her; das Kabarett war ihm Hilfsmittel, wie Körber erläuterte. Robert Axt erntete verdienten Applaus mit dem Tucholsky-Text »Zur soziologischen Psychologie der Löcher« Es folgte Tucholskys »Befürchtung«, gelesen von Fritz Böhner.

Von Dieter Wierz begleitet, bot Nicola Piesch eine grandiose Interpretation des Piaf-Lieds »Non, je ne regrette rien«. Erich Kästner wäre just am Tag der Veranstaltung 118 Jahre alt geworden. Barbara Metz las seine Gedichte »Brief an meinen Sohn« und »Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn«. Ingrid und Robert Axt sangen einen überarbeiteten Text zur Melodie des Mackie-Messer-Songs aus dem legendären, 1932 gegründeten Kabarett »Die Pfeffermühle«. Es folgte der Tucholsky-Text »Der Mensch«, einfühlsam gelesen von Almut Rose.

Zu Karl Valentin erklärte Barbara Metz, er sei weder Volkssänger, noch Dialektschauspieler, noch Kabarettist gewesen. Valentin sein ein Kategorien sprengendes Phänomen gewesen, ein lebender und leidender Widerspruch. Barbara Metz und Dieter Körber spielten parodistisch den Sketch »Buchbinder Wanninger«.

Den zweiten Teil des Programms eröffneten Dieter Wierz und Nicola Piesch mit dem Lied »Aux Champs Elysée«. Hans-Martin Thomas machte mit dem eher derben Humor von Fritz Graßhoff bekannt. Er las pointiert die Gedichte »Kawenz oder das Objekt im Grab«, »Die Winde des Herrn Prunzelschütz« und »Nettelbeck oder die letzte Möglichkeit«. Ingrid Axt und Fritz Böhner erzielten Lacher mit den Loriot-Sketchen »Der Fernsehabend« und »Das Frühstücksei«. Walter Enslin sang den Wolfgang-Neuss-Song »Die Erde läuft gut«.

Es folgte eine Betrachtung über »Discount-Sex« von Matthias Beltz, komödiantisch vorgetragen von Barbara Metz. Als Herbert Wehner, der große alte Mann der SPD, die Fraktion verließ, wurde eine Abschiedsrede erwartet, aber Wehner sagte nur Tschüss. Dieter Hildebrandt schrieb für ihn eine Abschiedsrede, die Dieter Körber in Wehner-Manier vortrug. Das Programm klang mit dem von Nicola Piesch gesungenen und von Dieter Wierz begleiteten Lied »On the sunny side of the street« aus. (Foto: pv)

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