09. Oktober 2018, 08:00 Uhr

Schwimmbad-Not

Vilbeler Schwimmer trainieren nun in Karben

Seit Anfang des Monats trainieren die Vilbeler Schwimmvereine im Karbener Hallenbad. Streitigkeiten gibt es keine. Jetzt sind erstmal alle Beteiligten froh über die Lösung. Ideal ist das aber nicht.
09. Oktober 2018, 08:00 Uhr
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Michael Luy (3. v. r.) und die Rettungsschwimmer vom DLRG sind optimistisch – solange ihre neue Trainingsstätte in Karben tatsächlich nur eine Übergangslösung bleibt. Ohne eigenes Vilbeler Schwimmbad würden mittelfristig Talente verloren gehen. (Fotos: Seipp)

Laute Schreie und Lachen tönen durch das Hallenbad. Im Wasser ziehen Sportler ihre Bahnen. Heute Abend ist etwas anders als sonst: Hier schwimmen die Nachbarn aus Bad Vilbel. »Wir sind überaus froh, dass es in Karben geklappt hat und die Vereine dort trainieren können«, sagt Elke Bär, die als Fachdienstleiterin bei der Stadt Bad Vilbel für die Schwimmbäder zuständig ist. Samstags und sonntags von 19.30 bis 22.30 Uhr  hat Bad Vilbel jetzt das Karbener Bad gemietet. Für die fünf Vereine, die hier einen neuen Trainingsort gefunden haben, ist das ein Segen. Seit das Freibad geschlossen hat, steht die Quellenstadt ohne Schwimmbad da. Das geplante Kommunalbad bleibt vorerst ein Versprechen für die Zukunft.

 

Frankfurt lehnt Anfrage ab

»Optimal ist diese Lösung natürlich nicht«, sagt Bär. Dass Bad Vilbel seine Schwimmangebote streicht, habe zu keinem Zeitpunkt zur Debatte gestanden. Anfragen bei der Stadt Frankfurt wurden abgelehnt, die Bäder in der Mainmetropole seien ausgelastet. »In Karben ist man uns entgegengekommen, ein schönes Beispiel wie Nachbarkommunen einander helfen«, lobt die Fachdienstleiterin.

Nun heißt es: Durchhalten bis zur nächsten Freibad-Saison. »Bisher war es ja immer so, dass wir das Bad aufgemacht haben, wenn es absehbar war, dass die Temperaturen lange warm bleiben«, sagt Bär. »Nächstes Jahr werden wir schauen, dass wir es so früh wie möglich öffnen.«

 

Eine Bahn statt fünf

Für die Vereine ist die Lage im Hallenbad problematisch, weiß DLRG-Vorsitzender Michael Luy. »Im alten Hallenbad hatten wir fünf Bahnen, hier nur eine«, sagt er.

Für die DLRG wird das zum Problem, denn durch die verringerten Kapazitäten mussten Kurse wegfallen.

 

Keine Kurse für Anfänger

»Wir werden dieses Jahr kein Anfängerschwimmen machen können und auch die Ausbildung zum Rettungsschwimmer ist hier kaum möglich.« Das ist nicht nur für den Verein eine prekäre Situation: »Immer wieder haben wir Meldungen von ertrunkenen Kindern, die nicht schwimmen konnten. In den Anfängerkursen könnten sie es lernen.«

Mit dem Wegfall der Anfängerkurse verliert die DLRG außerdem einen Teil ihres Nachwuchses. »Viele machen nach den Anfängerkursen Fortgeschrittenenkurse und Abzeichen. Das fällt nun weg.« Das verlorene Jahr sieht er dabei als verkraftbar. Doch sollte die Bäder-Knappheit länger anhalten, befürchtet er, solche Problem könnten sich auswachsen.

 

Kinder abgemeldet

Viele Eltern scheuen, ihre Kinder nach Karben zum Schwimmtraining zu bringen. 20 Abmeldungen verzeichnete die DLRG. Und trotzdem musste der Verein Interessenten ablehnen: Es fehlt an Schwimmbahnen.

Herausfordernd sind auch die Einschnitte bei Ausbildung und Training der Rettungsschwimmer. »Das Bad ist leider nicht dafür geeignet«, sagt Luy. »Schwimmen mit Kleidung geht zwar, aber es fehlen Sprungturm, Startblöcke und ein Bereich mit der notwendigen Wassertiefe.« Das könne man ausgleichen, indem man mit Ortsgruppen im Hochtaunuskreis kooperiere. Optimal sei die Lösung keineswegs.

»Unsere Rettungsschwimmer setzten ihre Gesundheit aufs Spiel, um andere zu retten«, sagt Luy. »Es sind viel Übung und ständige Wiederholungen nötig, damit im Ernstfall alles klappt. Wenn wir manches durch die Umstände vor Ort nicht häufig genug üben können, muss man sich leider irgendwann fragen, ob wir unsere Aufgaben noch gewissenhaft anbieten können.«

 

Konstruktive Gespräche

Es könnte schlimmer sein. »Wir wurden hier gut aufgenommen, im Vorfeld wurde genau geklärt, welcher Verein wann welche Bahnen zur Verfügung hat«, erklärt Luy. Zwischen der Stadt Bad Vilbel und den Vereinen habe es konstruktive Gespräche gegeben. Streitereien kommen also nicht vor.« Was komplett ohne Trainingsmöglichkeit passiert wäre, will sich Luy lieber nicht vorstellen: »Dann hätten wir den Laden dicht machen können«, sagt er.

»Es ist ein schmerzhafter Einschnitt für uns, aber eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht. Wir sehen das derzeit optimistisch: Irgendwann werden wir wieder in Bad Vilbel ein eigenes Bad haben«, gibt sich der DLRG-Vorsitzende zuversichtlich.

Kommentar

Plan B ist nötig

Das ist Nachbarschaftshilfe: Das Karbener Hallenfreizeitbad bietet den Bad Vilbeler Vereinen ein Dach über dem Kopf, da es in der Quellenstadt kein Schwimmbad mehr gibt. Wie schön, dass man sich über die Stadtgrenzen hinaus in der Not hilft. Und das mit Freude. Machen wir uns aber nichts vor: Mehr als eine Übergangslösung können die Vilbeler Schwimmzeiten im Karbener Nass nicht sein. Davor warnen die Vereine eindrücklich. Sorgen haben sie vor allem, weil derzeit jede Perspektive fehlt, ab wann das Training wieder dauerhaft in der Heimatstadt möglich ist. Die Verantwortung dafür liegt zweifelsohne im Bad Vilbeler Rathaus. Natürlich: Dort kann niemand etwas für den tragischen Tod von Josef Wund. Auch nicht für die Zurückhaltung seines Unternehmens während der Phase der Unklarheit über Wunds Erbe. Wichtig ist nun, dass man im Rathaus wenigstens an Plan B tüftelt. Womöglich zieht sich die Klärung des Erbes noch länger hin – und ob am Ende wirklich die Bad Vilbeler Therme gebaut wird? Klug wäre herauszufinden, wie wenigstens das Kommunalbad gebaut werden kann. Ob dann die große Variante noch die richtige ist? Oder die Stadt besser die Dimensionen stutzt? Groß genug für die Vilbeler und halbwegs finanzierbar: Würde ein solches Bad nicht auch genügen? (dpg)

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