31. März 2017, 20:17 Uhr

»Viele Vogelarten gefährdet«

31. März 2017, 20:17 Uhr

Auf einer Veranstaltung im Karbener Bürgerzentrum hat Maik Sommerhage vom hessischen NABU-Landesverband vor den Folgen intensiver Landwirtschaft gewarnt. Der Rückgang der Vogelpopulation müsse ernst genommen werden, die Europäische Agrarpolitik eine Wende einleiten.

Zwar habe sich der Bestand der Kraniche in wenigen Jahren auf 300 000 versechsfacht. Und auch die Population der Wanderfalken – in den Siebzigerjahren vor allem vom Spritzmittelgift DDT bedroht – habe sich »wunderbar erholt«. Aber insbesondere mit den Vogelarten in Agrarlandschaften gehe es bergab. »Zwei Drittel aller gefährdeten Vogelarten brüten dort«, verdeutlichte Sommerhage. Als ein Beispiel nannte er die Feldlerche. Der Bestand dieses Frühlingsboten habe sich seit 1980 halbiert, in manchen Regionen tauche sie kaum noch auf. Noch schlimmer ergehe es den Kiebitzen. Diesen »unglaublich schönen Wiesenvogel« habe es früher überall gegeben. Allein in der Region Marbug-Biedenkopf hätten 1960 rund 500 gebrütet. Heute sei der Bestand auf 22 geschrumpft. Ähnlich dramatisch gestalte sich die Population der Braunkehlchen: Ihre Anzahl sei in den vergangenen Jahren um 60 Prozent zurückgegangen.

Als Hauptursache kritisierte Sommerhage den Landschaftswandel infolge der Intensivlandwirtschaft. Die Flächen würden immer größer und seien »ausgeräumt«. Es fehlten Hecken und Blütenstreifen, in der Tierhaltung gebe es zu viel Tiere auf engem Raum und kaum noch Mähwiesen. Ergänzt werde dies durch einen »Landschaftswandel, wie er noch nie da war«: eine enorme Verkehrsdichte, Autobahnen, Flughäfen, Windenergieanlagen, der zunehmende Bau von Siedlungen. Wobei, signalisierte ein Lichtbild an der Wand, grüne Wohngebiete auch ein bisschen die Zukunft andeuten könnten. »In unseren Gärten leben die Arten noch sehr gut. Aber genügen denn kleine Inseln zum Überleben?«

Angesichts der »dramatischen Folgen« intensiver Landwirtschaft forderte Sommerhage einen »grundlegenden Kurswechsel in der EU-Agrarpolitik«. Zehn Prozent der bewirtschafteten Flächen seien als ökologische Vorrangflächen auszuweisen, Grünland dürfe nicht mehr umgebrochen werden. Dabei gehe es nicht nur darum, die Natur zu erhalten. Bioindikatoren, wie etwa die Population der Vögel, ließen Rückschlüsse auf die Qualität des gesamten Lebensraumes zu und deuteten auf Probleme hin – beispielsweise überhöhte Nitratwerte im Trinkwasser. Nitrat verursacht indirekt Krebs. »Wir glauben immer, wir stehen über allem, in Wirklichkeit sind wir ein Bestandteil der Natur«, sagte Sommerhage.

Ackerrandstreifen erhalten

Jeder Einzelne könne etwas für eine bessere Umwelt tun. »In Karben beispielsweise können Sie darauf achten, dass Acker- und Wegerandstreifen bestehen bleiben«, ermunterte der Naturschützer. Und auch die Einschränkung des Fleischkonsums oder der Verzehr regionaler Produkte helfe schon. Sommerhage: »Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir künftig weit fahren müssen, um noch einen Rotmilan zu sehen.« Noch ist die Hälfte der europäischen Population in Deutschland zu Hause. (Foto: pv)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Landwirtschaftspolitik
  • Vogelarten
  • Karben
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.