14. Juni 2019, 19:52 Uhr

Verjüngungskur fürs Evangelium

14. Juni 2019, 19:52 Uhr
Hier sind sie gern: Katharina Waiblinger und Jasmin Hübner vor der evangelischen Christuskirche im Grünen Weg. (Foto: ags )

Junge Menschen und Kirche - das passt in den Köpfen vieler längst nicht mehr zusammen. Dass Beten und Buße tun aber auch für die U25-Generation noch spannend sein können, beweisen Jasmin Hübner und Katharina Waiblinger. Denn auch Bibelverse muss man offenbar nur richtig verpacken.

Natürlich gibt es eine App für die Bibel. Wie könnte es anders sein? Zumindest was das Smartphone betrifft, haben die christlichen Kirchen die Zeichen der Zeit erkannt. Dass das nicht immer so ist, weiß Katharina Waiblinger. »Kirche gilt bei vielen in meinem Alter als altmodisch«, sagt die 18-Jährige. »Und wenn es bei uns auch immer nur um Orgel und Liturgie ginge, weiß ich auch nicht, ob ich meinen Weg in die Gemeinde gefunden hätte.«

Die Bad Vilbelerin, die gerade ihr Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium macht, gehört zu einem 16-köpfigen Team, das sechsmal im Jahr die Crossroads-Gottesdienste veranstaltet - eine erfolgreiche Reihe, die sich mit modern aufbereiteten Themen an junge Menschen richtet.

Was würde Jesus tun?

»Dass ich freiwillig in der Kirchengemeinde mitarbeite, sorgt bei vielen für Unverständnis«, sagt Jasmin Hübner. Die 20-Jährige hilft wie Waiblinger mit, die bunte Verjüngungskur für Buße und Beten zu planen.

Gemeinsam haben sie schon beim Justin-Bieber-Gottesdienst mit Kuscheltieren um sich geworfen, haben einen Kumpel mit einem Schlauchboot über den Kurpark-Weiher schippern lassen oder die Kirche zu »Disco, Disco, Party, Party« in eine Feiermeile verwandelt.

Immer mit biblischer Botschaft, versteht sich, aber eben in einer Sprache, die sie auch tatsächlich anspricht, sagen die jungen Frauen. Sie stecken viele Stunden in die Vorbereitungen: Proben die Theaterstücke, die immer dabei sind, schreiben die Predigten, feilen an Namen, die Neugier bei den Bad Vilbeler Jugendlichen wecken sollen.

Die meisten Helfer kommen aus der Gemeinde Dortelweil und der Christuskirche. Grundsätzlich kann aber jeder mit evangelischer Konfession mitmachen.

»Die wenigstens wissen, wie viel Spaß Kirche machen kann«, sagt Waiblinger, die eigentlich aus keinem besonders christlichen Elternhaus kommt. Die größten Berührungspunkte mit Religion habe sie noch im Unterricht gehabt, sagt sie. Nach der Konfirmation blieb sie in der Jugendarbeit der Christuskirche hängen. Eine aktive Entscheidung für den Glauben.

»Wir sind eine große, lebendige Gemeinde«, sagt Waiblinger. »Da fühlt man den Glauben noch mal mehr.« Um den Arm hat sie ein Bändchen gelegt, auf dem in Englisch steht: »Was würde Jesus tun?« Jeden Tag versucht sie einen Vers aus der Bibel zu lesen, immer klappt das nicht. Der Terminkalender ist schließlich voll, gibt sie neben der Schule doch auch Jonglier-Stunden und spielt Klavier.

Die beiden jungen Bad Vilbelerinnen haben ihren Glauben ihrem Alltag angepasst. Ein Stoßgebet abends im Bett? Klar, wenn etwas Wichtiges ansteht. Aber jeden Sonntag in die Kirche gehen? Nö, das muss nicht sein. »Ich glaube schon seit ich klein bin, dass ich in den Himmel komme«, sagt Hübner. »Aber meine Mama sagt immer: Man muss nicht in die Kirche gehen, um an Gott zu glauben.«

Ehemalige Quellenkönigin

Um den Hals trägt sie eine kleine Kreuz-Kette, zwei ihrer fünf Geschwister helfen bei den Jugendgottesdiensten mit. In die Gemeinde ist sie hineingewachsen, sagt die ehemalige Quellenkönigin. »Die Christuskirche ist für mich wie eine riesige Familie, in der jeder ein offenes Ohr hat«, sagt die Berufsschülerin. Aber wer nicht schon als Kleinkind dazukomme, dem müsse man etwas bieten, glaubt sie. Dafür gehört für die jungen Frauen auch keine wörtlich strenge Bibelauslegung. Hübner: »An die Hölle möchte ich nur ungern glauben.«

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