04. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Acht Gemeinden gemeinsam

Vereint für eine friedliche Stadt

Religion kann spalten - doch sie kann auch zusammenschweißen: Das haben bei der interreligiösen Andacht in Karben acht Gemeinden eindrucksvoll gezeigt.
04. Oktober 2019, 14:00 Uhr
JKÖ
Hand in Hand zeigen sie, wie friedliches Zusammenleben aussehen kann: DAF-Vorsitzender Christopher Gimbel (2. von links) und Ausländerbeirats-Chefin Ekaterini Giannakaki (5. von rechts) gemeinsam mit vielen Mitwirkenden der Andacht. (Fotos: Kötter)

D ass er in Deutschland eines Tages die Sicherheit finden würde, seine Religion frei zu leben, hat sich Ahura Arjmandi nicht zu träumen erhofft, als er den Iran verlassen musste. »Ich hatte in meiner Heimat ein ganz normales Leben«, erzählt der 20-Jährige. Der Glaube sei ihm dabei immer wichtig gewesen. Als er sich als Jugendlicher einer Bahai-Gemeinde anschloss, fühlte er sich »angekommen« - doch kurz darauf sei er von einem Verwandten verraten worden. Denn: Das Bahaitum ist eine weltweit verbreitete Religion mit rund acht Millionen Anhängern, in ihrem Ursprungsland Iran bilden die Bahai die größte religiöse Minderheit - doch sie sind starker Verfolgung ausgesetzt. Also machte sich Ahura auf einen Weg, der ihn heute mit Millionen Menschen weltweit verbindet: Über die Türkei und mit Hilfe von »Schmugglern« ist er zunächst nach Griechenland gekommen, wo er sechs Monate unter dem Gefühl des Nicht-Willkommenseins gelitten habe. »Die Situation war sehr schwer für mich.« Nach unzähligen Versuchen schließlich habe er den Weg nach Westeuropa geschafft: Seit etwas mehr als einem Jahr lebt er in Deutschland, macht mittlerweile eine Ausbildung zum Fachinformatiker.

Zu Herzen gehend

Die Zuhörerinnen und Zuhörer in den voll besetzten Stuhlreihen lauschen der Geschichte des jungen Iraners aufmerksam und sichtlich bewegt - doch ein aufkommendes Klatschen nach seinem Erlebnisbericht bringt Gemeindereferentin Ursula Rettinghaus sanft, aber bestimmt zum Schweigen. »Wir wollen diesen Bericht im Herzen behalten«, betont sie. Denn: Während Ahura Arjmandi in der Karbener St. Bonifatius Kirche von seiner geglückten Flucht erzählen kann, sind Millionen Menschen noch nicht in Sicherheit angekommen.

Ihnen zu gedenken und Kraft die in die Konfliktzonen der Welt zu senden, das ist Ziel der interreligiösen Andacht, zu der der Karbener Ausländerbeirat und der Deutsch-Ausländische Freundschaftskreis (DAF) an diesem Dienstagabend eingeladen haben. Bereits seit 17 Jahren begehe man den »Tag des Flüchtlings« auf diese Weise, erklärt Ekaterini Giannakaki, Vorsitzende des Karbener Ausländerbeirats. »Der Saal wird von Jahr zu Jahr voller.«

30 Kulturen vertreten

Die Besucher sind dabei so vielfältiger Herkunft wie die Gemeinden, die mitfeiern: Acht an der Zahl - die evangelischen und katholischen Gemeinden, die türkische Ditib-Gemeinde, die Bahai-Gemeinde, die syrisch-orthodoxe Gemeinde, die Ahmadiyya-Gemeinde, die marokkanische Masjid Billal Gemeinde und, erstmals dabei, die rumänisch-orthodoxe Kirche - gestalten die Andacht gemeinsam. Mit Gebeten, Lesungen aus Koran und Bibel sowie musikalischer Begleitung von Gaby Dih (Klavier), Olivia Limoa (Geige) und Thomas Schrage (Klavier) regen sie zum Nachdenken über das friedliche Zusammenleben an. Die Grundbotschaft: »Friede kann nur gelingen, wenn die Religionen im Einklang leben«, zitiert die katholische Kirche an diesem Abend Papst Johannes Paul II.. »Oh Menschen, Euer Gott ist gleich, Eure Abstammung ist gleich«, heißt eine ähnliche Nachricht, gelesen aus dem Koran. »Kein Araber kann Vorrang haben vor einem Nicht-Araber, kein Nicht-Araber kann Vorrang haben vor einem Araber.«

Fast 30 Kulturen seien an diesem Abend vertreten, überschlägt Ausländerbeirats-Chefin Giannakaki bei einem Blick auf die Besucher - und auf das Buffet, das nach der Andacht zum gemeinsamen Beisammensein einlädt. Indonesisch, marokkanisch, russisch. »Bis auf australisch ist alles vertreten«, lacht sie. »Wir zeigen hier, wie friedliches Zusammenleben aussehen kann«, betont DAF-Vorsitzender Christopher Gimbel vor der Gemeinde. »Und wir sind uns sicher, dass das auch weltweit möglich sein kann.«

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