11. Januar 2018, 16:00 Uhr

Wassersäulenpumpe

Unikat im Untergrund

Sie ist ein unterirdisches Meisterwerk, ein Unikat, die Wasserpumpe in Rendel. Vor 100 Jahren wurde die Wassersäulenpumpe gebaut. Eine Restaurierung ist dringend nötig.
11. Januar 2018, 16:00 Uhr

Wasser gehört für uns zu den Dingen des täglichen Lebens: Wir drehen den Hahn auf und aus der Leitung läuft sauberes Wasser. Hände waschen, Kaffee kochen, schnell eine Aspirin auflösen, damit man wieder funktionieren kann, all diese Nebensächlichkeiten würden wir niemals als Luxus bezeichnen. Und dennoch ist es ein Luxus, fließendes Wasser direkt im Haus zu haben. Schon ein Tag ohne sanitäre Vorzüge käme einer Katastrophe gleich.

In Rendel gab es früher nur den Dorfbrunnen am Rathaus, wo man Wasser für sich und die Tiere holen konnte. Der Brunnen steht auf einer starken, noch immer aktiven Quelle, die schon seit Menschengedenken bekannt ist. Im Jahr 1871 wurde die Wasserader mittels einer unterirdischen Rohrleitung von dort bis zur Weed (heute Lindenplatz) weiter verlegt. Der Vorteil: Das lästige Eimerschleppen bei großen Entfernungen wurde leichter, die Wege waren kürzer. Aus dem gleichen Grund entstanden an der Hauptstraße zusätzlich noch zwei Nebenbrunnen.

Erste Baupläne waren den Rendelern zu teuer

»Im Winter 1902/03 tauchte zum ersten Mal der Plan zur Errichtung einer Wasserleitung auf«, schreibt Ortschronist Heinrich Walter 1956 im Rendeler Dorfbuch. Die Pläne seien besonders von denjenigen lebhaft begrüßt worden, die noch immer einen ziemlich weiten Weg zum nächsten Brunnen hatte. »Der Ingenieur Amend aus Hanau arbeitete ein Projekt aus, dessen Kostenaufwand sich auf 40 000 Mark belief. Des hohen Betrags wegen ließ man den Plan vorerst wieder fallen«, heißt es im Dorfbuch.

1907 kam der Fortschritt

Im Jahr 1907 war der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten. Rendel hatte inzwischen 815 Einwohner. An der Landstraße zwischen Rendel und Niederdorfelden, etwa 200 Meter vom Ortsrand entfernt, wurde eine Wasserpumpstation gebaut. Sie gilt unter Fachleuten als technische Pionierleistung. Hinter dem Eingang führt eine Treppe 2,30 Meter tief unter die Erde. In dem Kellerraum ist es feucht und düster. Einzige Lichtquellen sind zwei Öffnungen mit Glasbausteinen an der Decke. Eine an der rechten Wand angebrachte Marmortafel nennt die Namen von den zehn Rendeler Gemeindemännern, die dem Bau vor 100 Jahren zustimmten.

In Betrieb bis 1971

Das Herzstück ist die Wassersäulenpumpe. Der Rendeler Ingenieur Stephan Kuger kümmert sich seit einigen Jahren um den Erhalt des Unikats. »Bis 1971 beförderte die Pumpe autark mit dem Wasserdruck von 16 Metern Gefälle ein Drittel des Quellwassers in den 27 Meter höher gelegenen Hochbehälter an der Oberpforte«, erklärt er. »Von dort konnten alle Haushalte versorgt werden. Nach dem Zusammenschluss zur Stadt Karben wurde Rendel an das städtische Wasserleitungsnetz angeschlossen, das von den Rodheimer Quellen und vom Wasserwerk Inheiden gespeist wird.«

Pläne zum Restaurieren gibt es seit fünf Jahren

Seit 2013 existieren Pläne, die denkmalgeschützte Pumpstation ins Gedächtnis der Bürger zurückzuholen. Rund 20 000 Euro müssten dafür in die Hand genommen werden, schätzt Kuger. Das unscheinbare Stationsgebäude an der Straße hat an der Fassade zum Teil massive Risse und Putzschäden und sie ist mit Graffiti beschmiert. Das Grundstück und Gebäude mit der Pumpe gehören der Stadt Karben.

Pumpe funktioniert noch

»Wenn man das Zuführrohr aufdreht, kommt noch immer Wasser vom Rathausbrunnen an«, hat Heimatforscher und Museumsleiter Rainer Obermüller herausgefunden. »Allerdings müssen die Dichtungen erneuert werden, weil überall Wasser aus den Leitungen tropft.« Stephan Kuger hofft, dass er seine Restaurierungspläne irgendwann in die Tat umsetzen kann. Die Stadt wartet scheinbar auf Eigeninitiative, die er im Moment nicht leisten kann. Es fehlt ihm an Zeit und Geld. »Derzeit ist leider Stillstand, obwohl dem Projekt längst die Unterstützung des Ortsbeirates und der Stadt zugesichert wurde«, bedauert der Ingenieur.

 

Infokasten

Pläne für die Pumpe

Die Ideen zur Neugestaltung haben zum Ziel das historische Gebäude aus seinem Dornröschenschlaf aufzuwecken. Dazu sollte nach Vorschlägen von Stephan Kuger einerseits der Aufbau über dem Pumpenraum angehoben und mit Profilgläsern verkleidet werden. So werde der Raum heller und es entstehe eine Projektionsfläche nach außen, die abends aus dem Innern beleuchtet werden könnte. Andererseits sollten Interessierte, die dem Gemeindespuren-Rundweg »Der Wasserlauf« folgen, die Pumpe sehen können. Dafür sei es nötig einen Spiegel auf dem Boden des Pumpenraumes zu legen, der von oben einen umfangreichen Einblick ermöglicht. Eine Schautafel am Gebäude ist zur Erklärung der ausgeklügelten Technik vorgesehen. (jsl)

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