06. April 2017, 14:00 Uhr

Briefmarkensammler

»Ultimatives Schnäppchen« gesucht

Briefmarkensammler aus dem Rhein-Main-Gebiet kamen ins Dortelweiler Kulturforum, um Marken zu tauschen oder zu kaufen. Eingeladen hatte der Bad Vilbeler Verein, den Nachwuchssorgen plagen.
06. April 2017, 14:00 Uhr
Über 100 Sammler bieten im Dortelweiler Kulturforum ihre Marken zum Tausch oder Verkauf. (Foto: jwn)

Zum jährlichen Briefmarken-Großtauschtag hatten die Bad Vilbeler Philatelisten ins Dortelweiler Kultur- und Sportforum gerufen – aber so mancher Tisch blieb unbesetzt. Doch Werner Scholten ist zufrieden: »Es sind wieder weit über 100 Briefmarkensammler auf der Suche nach dem ultimativen Schnäppchen gekommen. Die fehlende Marke zu finden, ist halt Geduldsache«, schmunzelt der Vereinsvorsitzende. Denn Briefmarke ist nicht gleich Briefmarke, und jeder sammelt etwas anderes.

Die einen sind spezialisiert auf Länder, die anderen auf einzelne Marken. Wie beispielswiese Peter Kühnel aus Bad Vilbel: »Ich bin heute auf der Suche nach doppelseitig bedruckten Briefmarken.« Und dann zeigt er eine Marke aus Lettland, die auf einen Geldschein gedruckt ist. »Das passiert in Notzeiten, wenn das Land kein Geld für sauberes Papier hat, dann wird jede Möglichkeit genutzt, um auch noch Briefmarken drucken zu können«, erklärt Kühnel. Außer von Lettland und einigen osteuropäischen Staaten wurde dies Verfahren auch noch von einer Reihe lateinamerikanischer Staaten angewandt.

Andere suchen an diesem Sonntagvormittag nur nach Marken aus ganz bestimmten Ländern. » Ich interessiere mich vor allem für Marken oder Postkarten aus Nicaragua und zwar wegen der schönen Motive«, erklärte Walter Ullmann seine Sammelleidenschaft. Seit 1948 sammelt er bereits. Gezählt hat er seine Marken bisher jedoch noch nie. »Es sind aber sicherlich einige Tausend«, meint er etwas nachdenklich. Auch Johannes Holtappels kennt den Umfang seiner Sammlung nicht. »Als ich sie vor Jahrzehnten von meinem Vater übernommen habe, da ging es schon nicht mehr um einzelne Marken, sondern nur noch um die Meterzahl im Regal, die die Briefmarkenalben einnahmen«, meint Holtappels amüsiert. Trotz des großen Umfangs ist seine Sammlung für ihn persönlich keine Geldanlage, sondern ein reines Hobby. Denn einen nennenswerten Sammlerwert haben Briefmarken erst, wenn sie vor 1955 erschienen sind. Die Marken, die danach auf dem Markt kamen, sind heute allenfalls ein paar Cent wert. Das bestätigt auch der Bad Vilbeler Vereinsvorsitzende Scholten: » In der Tat sind die Preise im Katalog reine Fantasiepreise und dienen allenfalls als Richtwert. « Unter Sammlern würden die Marken deshalb auch üblicherweise nur mit 20 Prozent des Katalogpreises gehandelt«, erklärt Scholten.

Dass man von dem Briefmarkenhandel allein nicht mehr leben kann, sondern dass der Verkauf allenfalls ein Zubrot darstellt, bestätigt auch Ralf Berger, der an diesem Sonntag gleich mehrere Tische mit seinen Briefmarkenalben einnimmt. »Richtig viel Geld mit Briefmarken kann man nur noch auf Auktionen machen. Da kommen auch Leute mit viel Geld im Portemonnaie hin. Hier auf solchen Tauschbörsen macht es einfach nur Spaß, mit Leuten zu reden, die dasselbe Hobby haben«, verrät Berger, der wenig später einem älteren Herrn drei Waschkörbe voll mit Briefmarkenalben aus dem Kofferraum seines Wagens aufkauft.

Auch wenn viel Leidenschaft hinter dem Briefmarkensammeln steckt, so blickt Scholten doch besorgt in die Zukunft: »Wir haben große Nachwuchssorgen, und unser Verein wird von Jahr zu Jahr kleiner. Denn für die heutige Generation hat das Briefmarkensammeln irgendwie an Reiz eingebüßt. Für sie geht es heute mehr um Computerspiele oder Handys als umso ein kleines Stück bedrucktes Papier. « Das jüngste Mitglied in seinem Verein, der mittlerweile nur noch 23 Mitglieder zählt, ist deshalb auch schon weit über 60 Jahre alt. Doch die wenigen ließen sich den Spaß nicht nehmen. Mit viel Enthusiasmus organisieren sie Jahr für Jahr die Tauschbörsen.

Wer möchte mitsammeln? Die Hobby-Philatelisten des Bad Vilbeler Briefmarkensammlervereins treffen sich an jedem vierten Donnerstag im Monat ab 19.30 Uhr im Kurhaus. Interessenten willkommen.

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