14. Juli 2019, 18:08 Uhr

Über die Stadtgeschichte und das Rügebuch

14. Juli 2019, 18:08 Uhr
JKÖ
Blick zurück: Wolfgang Schlicht (l.) und Helmut Schultheiß. (Foto: Kötter)

Helmut Schultheiß und Wolfgang Schlicht haben viel zu tun. Das bevorstehende Jubiläum der Stadt Karben hält sie auf Trab: »Wir planen eine Bilderwand mit Zeitungsartikeln aus der Zeit der Stadtgründung«, erklärt Schlicht, während er in einem dicken Ordner - beschriftet mit der Jahreszahl 1972 - blättert. Neben ihm sitzt Schultheiß und durchsucht das digitale Archiv. Seit er 2004 in den Ruhestand gegangen ist, ist Schultheiß Experte für das Scannen alter Dokumente sowie den Aufbau des digitalen Archivs, in das auch heute erscheinende Zeitungsartikel einfließen.

Jeden Donnerstag treffen sich Schultheiß und Schlicht in den Räumen des Archivs des Karbener Geschichtsvereins. Die beiden pflegen ehrenamtlich den Überblick über die vergangenen Jahrzehnte, konservieren aber auch die Gegenwart für zukünftige Generationen. Im Keller des Petterweiler Bürgerhauses sammeln sie gerade Beiträge für das 50-jährige Bestehen der Stadt Karben. Die Basis für ihre Ausstellung: Eine Sonderausgabe der Wetterauer Zeitung aus dem Jahr 1970, erweitert um weitere Beiträge sowie einen Überblick über alle Bürgermeister in der Stadtgeschichte. Vor allem die Präsentationsform bereitet den beiden Herren noch Kopfzerbrechen: Eine große Pinnwand soll es wohl werden - wie genau werden die Beiträge am besten präsentiert?

Besucher können Schultheiß und Schlicht bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, Ideen einbringen oder sie nach Informationen fragen. Jeden Donnerstag ist das Archiv geöffnet. Es ist auf den ersten Blick gut versteckt: Im Bürgerhaus Petterweil führt eine Treppe im Wartebereich der KfZ-Zulassungsstelle hinunter in den Keller. Auf dem Türchen steht »Stadtbücherei«. Erst auf den zweiten Blick fällt einen Hinweis auf, dass sich hier das Felix-Franke-Archiv befindet.

Felix Franke baute Anfang der 1990er Jahre die erste Sammlung auf. Von damals gibt es noch dicke Ordner, mit einzelnen auf Papier aufgeklebten und ordentlich abgehefteten Zeitungsartikeln. »Aus den frühen 1970er Jahren und damit auch von der Stadtgründung haben wir nur wenig Material«, erklärt Jürgen Hintz, Vorsitzender des Karbener Geschichtsvereins. Lediglich aus Nachlässen sind im Nachgang Zeitzeugenberichte und ähnliches gesammelt worden; so reich wie ab 1990 ist die Fülle an Material nicht. Der Karbener Geschichtsverein lebt allein von Schenkungen und Nachlässen, gekauft wird nichts.

Unter den Exponaten, die in Glasvitrinen lagern, finden sich »Leckerbissen« für Geschichts-Fans: Das Rügebuch von 1720 etwa liegt im Original in einer Vitrine. »Wir haben es für fast 2000 Euro restaurieren lassen«, sagt Schultheiß. Daneben das Flurbuch von Burg-Gräfenrode, Repliken von Zeitungsausgaben von 1848 und 1849.

Unterschiedliche Anliegen

Die Besucher des Archivs, hätten sehr unterschiedliche Anliegen. Da seien beispielsweise Vereine - jüngst habe die Feuerwehr Kloppenheim etwa fast ihre gesamte Festschrift in den Räumen erstellt -, aber immer wieder kämen auch Privatpersonen. »Letztens war ein Besucher sehr am Geibelbrunnen interessiert«, erzählt Schultheiß. Der Herr sei unweit des Brunnens geboren worden und recherchiere zu seiner Herkunft.

Über interessierte Mitstreiter, die dann auch länger als zu einem Donnerstags-Archivbesuch bleiben, freue sich der Verein dabei besonders. »Auch wir suchen Nachwuchs«, sagt Schultheiß. »Nachwuchs, dazu zählen bei uns auch Mitstreiter der Generation 60 plus.«

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